Touch

Love hunt me down
I can’t stand to be so dead behind the eyes
And feed me, spark me up
A creature in my blood stream chews me up

So I can feel something
So I can feel something

Give me touch
‚Cause I’ve been missing it
I’m dreaming of
Strangers
Kissing me in the night
Just so I
Just so I

Can feel something
Can feel something
Can feel something
Can feel something

You steal me away
With your eyes and with your mouth
And just take me back to a room in your house
And stare at me with the lights off

To feel something
To feel something
To feel something
To feel something

In the night
In the night
In the night
When we touch
In the night
‚Cause I’ve been lusting it

 

Touch by Daughter

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Abenteuer in Brandenburg

Sonntag – seit Tagen sind die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Die Sonne scheint, der Himmel ist klar – jedoch ist der Wind, der aus dem Osten über das Land weht, mehr als unnachsichtig. Ein kräftige Brise peitscht uns entgegen als wir mal wieder der Unruhe der Stadt entfliehen wollen. Z. und ich sind gemütliche Menschen, die gerne mal den Alltag an sich vorbeiziehen lassen. Aber sonntags packt uns hin und wieder die Abenteuerlust und wir ziehen los in unbekannte Gefilde – brandenburgische Gefilde.

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Brandenburg ist ein naturreiches Bundesland und wird von vielen Leuten unterschätzt – gut, wir haben keine Berge, aber dafür wunderschöne Kiefer- und Buchenwälder, Biber, Wölfe und hin und wieder auch mal einen Elch, der die Ortschaft in Aufruhr versetzt, wenn er durch die Gärten spaziert. Brandenburg ist meine Heimat, gesäumt von tausend Seen, kleinen Flüssen und einer Vielzahl an Naturschutzgebieten.

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Unser Flecken Land ist dünn besiedelt und deshalb ist hier wahrscheinlich die Flora und Fauna so unberührt. So auch unser Weg durch den Wald – keine Menschenseele, die uns begegnet – auf der Suche nach einer Fischerhütte, die ich irgendwann mal auf einem Bild gesehen habe. Ich habe nicht den blassesten Schimmer, wo ich suchen soll. Ich wusste nur, dass sie sich in der Nähe eines Sees befindet, der offiziell nirgends angegeben wurde.

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Das Auto holpert über den Waldweg, die Sonne wirft lange Schatten und lässt unsere Fahrt ein wenig wie eine Prozession wirken. Die Bäume umringen uns. Das GPS zeigt an, dass sich drei Seen in der Nähe befinden. Z. steuert den ersten an. Der See ist nicht mehr als ein Tümpel, gefroren und immer wieder ist ein „klonk“ zuhören, was wie eine fremde Lebensform durch den Wald hallt. Der Wind kennt auch hier kein Erbarmen und wir ziehen uns die Kapuzen tief ins Gesicht. Ich kann nicht glauben, dass sich diese Hütte nicht hier befindet. Ich spüre, dass sie irgendwo sein muss.

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Ein paar hundert Meter weiter befindet sich der nächste See, versteckt hinter einer Schneise, die wohl oft von Wildschweinen besucht wird. Der Boden ist aufgewühlt, aber gefroren, deswegen kann ich nicht erkennen, ob sie vor kurzem hier waren. Z. meint, dass es sich nicht lohnt noch weiter zu gehen, doch ich lasse mich nicht davon abbringen, nach dieser Hütte zu suchen. Wir gehen noch tiefer in den Wald, hören die Äste knacken und weichen umgestürzten Birken aus, debattieren über neues Schuhwerk zum Wandern und unserer Liebe zur Natur.

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Und endlich – dort steht sie. Verlassen und ein bisschen verfallen. Im kargen Buchenwald steht sie allein, umringt von gefrorenem Wasser und wartet darauf entdeckt zu werden. Nicht ein Mucks ist zu hören – typisch Brandenburg. Der Steg ist glatt, aber stabil und ich bin aufgeregt, dass mich meine Intuition hier her geführt hat. Z. traut sich gleich auf die Veranda und untersucht alles. Ich genieße den Ausblick und die Wärme der Sonne. Die Kälte hat meine Hände steif gefroren, aber das ist egal, denn ich bin da wo ich hin wollte. Das Holz der Hütte ist dunkel gefärbt, kein Strom, kein fließendes Wasser. Alles wirkt als wäre es aus einer anderen Zeit. Das Skelett eines alten Kahns liegt am Ufer, die Lappen auf der Leine wehen im Wind. Wir verweilen einen Moment, malen uns aus, wie wir hier im Sommer sitzen – abgeschieden von der Zivilisation.

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Ich bin glücklich – ich weiß, wo ich zuhause bin.

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Rückkehr

Es ist Winter, doch das sanfte Kleid des Schnees bleibt den Hallen meiner Heimat fern. Alles was geblieben ist, ist die weiße Unendlichkeit – ein Dunst aus verblassten Leben und Erinnerungen. Sie lässt mich unablässig in die Ferne blicken, auf der Suche nach einem bekannten Gesicht. Doch niemand tritt hinter dem Schleier hervor oder vermag sich meiner zu erinnern.

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Eine Grenze zwischen dieser und der nächsten Welt gibt es nicht. Die Grenze, die ich mir selbst schaffe, ist die zwischen Wahnsinn und Verstand. Den Unterschied erkannte ich erst als es bereits zu spät war. Zu weit war ich vom Ufer abgetrieben in den Gewässern meines Bewusstseins und habe den Rückweg nicht mehr finden können. Auf der anderen Seite war es ruhig. Totenstill. Meine Gedanken fingen an zu kreisen. Leben, Geschichten, Träume, Verlust, Erinnerungen – alle kamen dort zu Tage, wo sie eingeschlossen waren. All die Stimmen werden lauter – ich habe den Verstand verloren. Ich habe euch begraben!

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Ich habe eure kalten Leiber in die Erde gelegt. Es war nicht mehr viel davon übrig. Gebrochene Hüllen, kalt, starr, ohne vollendetes Lebensziel. Ich habe euch dem Jenseits übergeben und dennoch verfolgt ihr mich in meinen Träumen wie ein Diarium längst vergessener Zeiten. Ihr wart einst wie ich. Ich war einst wie ihr. Oder bin ich wie ihr? Ein Geist, der andere heimsucht, um sie die Angst spüren zu lassen, die sie mich einst spüren ließen?

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Ich war lange fort und hatte gehofft, dass ich bei meiner Rückkehr etwas wiederfinden würde, dass ich vor langer Zeit verloren hatte. Ich erinnere mich an das Selbst, dass ich einst hier zurück gelassen haben, doch jetzt liegt es verscharrt zwischen Matsch, Blut und zerbrochenen Träumen. Eine innere Leere kleidet mich aus, die mit nichts in der Welt gefüllt werden kann als dem sanften Klang der Äste im Wind.

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Stable

As long as you can still grab a breath, you fight. You breathe. Keep breathing. When there is a storm and you stand in front of a tree, if you look at its branches, you swear it will fall. But if you watch the trunk, you will see its stability.

The Revenant

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JSS

Der Wind weht mäßig von Südwesten her über den Buchenwald und lässt die Bäume tanzen. Ich bin draußen in den Wäldern meiner Heimat. Es ist Dezember, daher neigt sich der Zyklus dem Ende und in einigen Tagen beginnt der Kreislauf von vorne. Doch hier, weitab von allem, das sich Zivilisation nennt, spielt es keine Rolle. Für mich spielt es keine Rolle, denn es ist mir egal.

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Keine Menschen, keine Elektronik. Nur ich, die Skelette der Buchen und das leise Rascheln der herabgefallenen Blätter unter meinen Stiefeln. Im Wald ist Stillstand. Alle haben sich zurückgezogen, versuchen den Winter unbeschadet zu überstehen. Plötzlich treffen sich Buntspechte und Kleiber in den Ästen der Buchen, um die letzten Früchte zu sammeln, die ihr Überleben sichern. Ein Bussard fliegt freizügig über mir hinweg, sein winterliches Gefieder macht ihn auffälliger, doch er ist schnell und verschwindet in den Kronen der Bäume. Ich bin geduldig, warte und beobachte die Bewohner des Waldes. Ich suche im Laub nach Spuren, wehe die Blätter bei Seite, aber alles was ich finde, sind Schnecken, die sich dort versteckt haben, um nicht der nächsten Amsel zum Opfer zu fallen.

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Ich spüre die Kälte und atme tief ein. Es riecht nach aufgewühlter Erde. Es gab noch keinen richtigen Schnee. In der Stadt ist er sofort auf den erwärmten Straßen geschmolzen und der Winter hatte keine Chance sein weißes Kleid über ihr auszubreiten. In den umliegenden Wäldern ist etwas davon hängen geblieben, doch der Zauber blieb aus und alles verwandelte sich in Matsch und große Pfützen. Die Erde hat sich dunkel verfärbt, fast schwarz, doch ist sie nicht mehr frisch wie im Sommer. Die Kraft, die in ihr steckte ist vergangen, versorgte die Wurzeln der Bäume, denn auch sie müssen irgendwie überleben.

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Ich sinke zu Boden, lehne mich an eine Buche und genieße einen Moment der Stille. Der Blick nach oben zeigt Äste, welche sich flehend gen Himmel richten, sie bitten um mehr Sonne, doch diese ist rar geworden in den letzten Wochen. Es bleibt trüb und grau an diesem Tag. Ich kann diesem Ort im Moment nicht viel geben. Jeder bleibt sich selbst überlassen und versucht die Dunkelheit aus seinem Herzen zu vertreiben, um nicht der Lethargie zu verfallen, für die die Menschen so leicht empfänglich sind, wenn sie kein Licht mehr sehen.

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Orientierung

Ich blicke nach Osten, dann nach Westen. Zwei verschiedene Richtungen, die ich einschlagen könnte, doch wofür soll ich mich entscheiden? Die Karte vor mir fordert diese Entscheidung. Ahnungslos was auf der anderen Seite auf mich lauert, verharre ich an der Stelle, an der sich mein Leben verändern könnte.

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Wie soll ich diese Entscheidung treffen? Woran mache ich sie fest? Ist es die Intuition, im richtigen Moment, die richtige Entscheidung zu treffen? Ist es Schicksal, welches schon seit ewigen Zeiten vorherbestimmt ist und auf den Tag seiner Erfüllung wartet? Oder sind es chemischen Prozesse, die in unseren Gehirnen ablaufen? Vielleicht habe ich die Entscheidung bereits getroffen, kann mich nur nicht mehr daran erinnern, weil es in einem anderen Leben passiert ist. Wann habe ich dieses andere Leben gelebt? In der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft? Wer war das ich von gestern und wer wird das ich von morgen sein? Sind meine Entscheidungen dort richtig gewesen oder werden sie es sein?

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Ich kreuze die Wege vieler Menschen auf meiner Reise in die Zukunft. Ich berühre ihr Leben und sie berühren meines. Ich orientiere mich an ihnen, nehme mit, was sie mir zu sagen haben, gebe ihnen etwas anderes dafür. Woher stammt dieses Wissen? Umhüllt es uns wie eine höhere Macht, nährt es uns, wann immer wir auf der Suche nach dem Sinn sind, um zu tun, was wir tun?  Woran orientieren wir uns, wenn es um Entscheidungen geht? An Paragraphen, dem Moralkodex oder den Steinen, die jemand zu Boden wirft? Doch warum? Es ist immer wieder die selbe Frage, die sich mir stellt. Warum ist eine große Frage und es gibt darauf viel zu viele Antworten. Doch die Wahrheit ist: es gibt nie die richtige Antwort.

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Manchmal wünschte ich mir, ich wäre ein Vogel. Dann könnte ich mich am Magnetfeld der Erde orientieren, um den richtigen Weg zu finden. Doch ich blicke in alle vier Himmelsrichtungen und habe immer noch die Qual der Wahl. Mein innerer Kompass lenkt mich letztendlich auf den Weg, der mit meinen bisherigen Entscheidungen am meisten übereinstimmt und sieht sich damit auf der sicheren Seite. Ist es dann wirklich noch meine Entscheidung oder habe ich sie schon getroffen, als ich den Weg gewählt habe? Diese Frage wird wahrscheinlich nie beantwortet werden, aber das ist auch nicht so wichtig. Ich gehe den Weg, den ich mit einer leichten Vorahnung für richtig halte und tauche ein in das Meer der Unwissenheit. Verloren oder doch gefunden wie ein Verschollener auf See.

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Lost amongst the leaves

By tomorrow we’ll be swimming with the fishes
Leave our troubles in the sand.
And when the sun comes up,
We’ll be nothing but dust,
Just the outlines of our hands

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By tomorrow we’ll be lost amongst the leaves,
In a wind that chills the skeletons of trees,
And when the moon, it shines, I will leave two lines.
Find my love, then find me.

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Don’t bring tomorrow
‚cause I already know
I’ll lose you
Don’t bring tomorrow
‚cause I already know
I’ll lose you
I’ll lose you

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By tomorrow I’ll be left in the darkness,
Amongst your cold sheets.
And your shoes will be gone,
And your body warmth no longer beside me.

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But don’t bring tomorrow
‚cause I already know
I’ll lose you
Don’t bring tomorrow
‚cause I already know
I’ll lose
I’ll lose
You

Tomorrow – Daughter

Wildes Land

Hier stehe ich nun auf dem Hügel, der mich weit über die Ebene blicken lässt. Der Himmel ist gesäumt von einer Wolkendecke, die schnell über mir hinwegzieht. Es ist kalt und meine Schuhe sind durchnässt. In der Ferne kann ich nichts erkennen außer skelettierte Bäume, die sich flehend gen Himmel richten. Ich bin aus einem bestimmten Grund hier. Am frühen Morgen aufgebrochen, habe ich mich auf den Weg hier her gemacht, um ihn zu treffen. Doch er lässt auf sich warten und in der Stille meiner Einsamkeit, denke ich darüber nach, ob unsere Übereinkunft immer noch mit mir übereinkommt. Es war eine überstürzte Entscheidung, die ich im Sommer auf einem Mohnfeld getroffen habe. Dort bin ich ihm begegnet, als er mit roher Gewalt über mich hinweggefegt ist. Ich war beeindruckt von seiner Kraft und fühlte mich zu ihm hingezogen. Die Brise, die er mit sich brachte war warm, denn er kam aus dem Süden und für mich war es seit langer Zeit das beste Gefühl,  mich einfach mitziehen zulassen.

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Doch jetzt sind Monate vergangen, ohne dass ich etwas von ihm gehört habe und ich bin nicht sicher, ob ich das, was ich ihm versprochen habe, noch einhalten kann. Ich höre ein Raunen, es ist leise. Ist es der Ostwind, der mir Geschichten ins Ohr flüstert? Nein, ER ist es, kommt aus weiter Ferne, trägt Kundschaft mit sich. Sein Ruf hallt in den Bäumen wieder, Blätter wiegen sich sanft im Klang seiner Stimme. Er ist zurückgekehrt, hat es mir versprochen. Es rauscht in meinem Inneren, Haare versperren mir die Sicht. Er wird lauter, bringt einen tosenden Lärm mit sich. Die Bäume knarren, Äste brechen. Er ruft nach mir, will dass ich mit ihm reise. Ein Strudel aus Raben erscheint am Himmel, sie umkreisen mich und lassen mich vom Boden abheben. Ich kann mich nicht mehr halten, er fordert seinen Tribut ein und  reißt mich mit sich. Fort von hier, fort aus meiner Heimat in weit entfernte Lande.

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Ich kann nicht, ich will nicht. Es war falsch. Wie konnte ich solch eine Entscheidung treffen? Ich versuche mich zu befreien, doch seine unsichtbaren Hände halten mich fest. Die Strömungen sind zu stark als das ich mich ihnen entreißen könnte. Er wird wütend und wirbelt mich herum. Er fordert mein Versprechen ein, versteht nicht, warum ich meine Meinung geändert habe. Um mich herum ist es kalt, doch spüre ich nichts. Er lässt es nicht zu. Die Wogen, die mich umkreisen, werden schwächer und das Rauschen leiser. Ich kann mich nirgends festhalten. Ich steige immer höher, er an der Spitze, die Luft wird dünner. Ich stürze in den Himmel, über mir die Wiesen und Ebenen, die ich einst Heimat nannte. Er entführt mich gegen meinen Willen, will dass ich ihm gehöre, doch ich werde niemals einkehren in seinem Reich der Winde.

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Whispering Pines tell Secrets

Kiefern, Tannen, Fichten – diese Bäume säumen die Wege, die ich seit einiger Zeit beschreite. Schwarze Kolkraben sitzen in ihren Kronen und überblicken die Ferne auf der Suche nach Eindringlingen. Ich bin einer dieser Eindringlinge. Eine Fremde, die in ihr Territorium vorrückt, um die Gegend zu erforschen und Geheimnisse zu lüften. Ich versuche mich so leise und langsam wie möglich zu bewegen, um ihnen keinen Grund zu liefern Alarm zu schlagen. Die Raben sind aufmerksam, die Wächter des Waldes richten ihre Augen in alle Richtungen, um die anderen Waldbewohner zu warnen. Noch haben sie mich nicht entdeckt. Ich habe dunkelgrüne und schwarze Kleidung gewählt, um im Unterholz nicht aufzufallen. Ich bleibe stehen und lausche nach ihren Rufen, doch es ist still und meine Tarnung bleibt bestehen. Das Moos unter meinen Schuhen ist sehr weich und gibt leicht nach, es ist fast so als würde man auf einer weichen Matte laufen. Die Kiefernnadeln bedecken den Boden komplett, keine Waldarbeiter in Sicht, die sich ihrer annehmen. Es ist November und die Ameisen haben sich tief in ihr dunkles Erdreich zurückgezogen, um den Winter zu überstehen. Abgebrochene Zweige knacken unter meinen Schuhsohlen – ich habe mich verraten.

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Ich höre ihre Flügelschläge, sie haben eine Patrouille ausgesandt. Ich gehe in Deckung hinter einer Fichte. Der Rabe fliegt über mich hinweg und bemerkt nicht, dass ich es bin, nach der er sucht. Glück gehabt – ich werde achtsamer einen Fuß vor den anderen setzen, um die Ruhe des Waldes nicht zu stören. Ich suche eine kleine Lichtung auf, um das Gebiet besser überblicken zu können. Ich setzte meine Ausrüstung ab und hole die Kamera aus der Tasche. Das Licht fällt an einigen Stellen sehr schön, obwohl der Himmel bewölkt ist, scheint die Sonne trotzdem durch die dünne Decke und lässt die Tannennadeln glänzen. Die Zapfen sind bereits zu Boden gefallen, der letzt Sturm hat sehr dazu beigetragen und die Baumkronen sehr in Mitleidenschaft gezogen. Doch diese Früchte werden für die meisten Waldbewohner das Brot für den nahenden Winter sein.

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Die Lichtung ist ein perfektes Versteck – niemand würde mich hier vermuten, auch wenn er sich noch so sehr anstrengt. Umringt von Tannennadeln und dem Geruch von frischem Baumharz – ich bin im Herzen des Waldes. Ich lehne mich an einen Baum und lausche wieder, ob mich jemand bemerkt hat. Stille – nur das leise Rascheln der Äste im Wind. Ich stelle mir vor, wer vor mir in diesem Gebiet gewesen sein mag. Ein Förster wahrscheinlich, denn nicht unweit steht eine Kanzel, die mir öfter als Ausguck dient. Es ist kalt, die Sonne hat an Wärme verloren, doch ich habe vorgesorgt und mir Tee mitgebracht. Eine Tasse Tee auf dem Waldboden genießen und für einen Moment die Sorgen der Welt vergessen. Das hat etwas ursprüngliches – an einem Ort zu sein, der nur sich selbst gehört und man selbst wird für einen Augenblick ein Teil davon.

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Es ist Zeit. Ich muss aufbrechen. Den Wald hinter mir lassen. Seine Wächter krächzen in den Bäumen. Sie schlagen Alarm. Bin ich es, die sie auffordern zu gehen? Ich packe meine Sachen zusammen und blicke mich um, niemand außer mir ist hier. Am Himmel kann ich zwei Raben entdecken, sie haben mich gesehen, drehen und landen über mir mit lauten Rufen. Ich werde verstoßen. Habe ich die Regeln gebrochen? Habe ich die Besonderheit dieses Ortes zu lange ausgekostet? Die Tannen tanzen in der Brise des Windes, er hallt im Geäst wieder – es sieht nach Aufbruch aus. Ich verlasse die Lichtung und gehe mit einem Gefühl zurück nicht allein zu sein. Und dort steht es – ein schwarzes Reh. Wir sehen uns an und der Respekt den ich spüre, ist nicht in Worte zu fassen. Ein Bewohner des Waldes, der sich selten offenbart. Ich bewege mich nicht und warte, bis es entscheidet, welchen Weg es einschlägt. Es verschwindet im Dickicht, so schnell wie es gekommen ist, lässt es mich allein zurück in seinem Reich. Ein letztes Mal lausche ich den Tannen, sie flüstern mir Geschichten zu, ihre Geheimnisse werden zu meinen.

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