La Bohème

Nach zwei Monaten ohne Bloggen hab ich mich ja bereits im letzten Beitrag gefragt, wie lange ich das hier noch machen möchte. Jemand hat geschrieben, dass ich solange weiter machen soll, wie es Spaß macht und ich muss sagen, dass es mir immer Spaß gemacht hat. Raus zu gehen in die Natur, Musik im Ohr und die Kamera in der Hand. Sich Gedanken machen, was mich bewegt, Ideen auszuprobieren – Kunst zu machen. So hat es auch nach diesem Dilemma nicht lange gedauert, dass ich wieder losgezogen bin und dem nachgegangen bin, was ich sonst so tue. Und ich muss sagen – es war befreiend. Genauso wie es jetzt gerade befreiend ist in die Tasten zu hauen und mir genau das von der Seele zu schreiben.

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Ich habe Identitätskrisen – mehrmals im Jahr. Ich lösche alles was es über mich im Internet zu finden gibt, verbanne meine digitale Scheinidentität, um dann nach zwei Wochen mit einem neuen Pseudonym aus dem Sumpf der Contentcreater zu kriechen und die selbe Masche zu fahren wie bisher – meist mit dem gleichen Erfolg oder noch weniger.  Das Leben als Künstler ist schwer – ob als Fotograf, Autor, Musiker oder sonst was. Du reißt dir den Arsch auf für nichts und wieder nichts. Wie lange dauert es Content zu kreieren? Wieviele Stunden hat man an den Arrangements gesessen? Wie viele Gedanken sind wieder gecancelt worden? Wer soll erreicht werden? Was willst du aussagen?

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Tausend Fragen und das Endergebnis? Für die Katz. Es ist wirklich erschreckend, wie wenig die Arbeit eines Künstlers gewertschätzt wird. Wenn nicht innerhalb der ersten Stunde genug Leute deine Kunst gesehen haben, verschwindet sie schneller in der Versenkung als du gucken kannst. Die Plattformen verschlucken dich einfach und spülen dich den Abfluss runter zu den ganzen anderen Individualisten, die da unten schwimmen, weil sie kein Geld für die VIP-Lounge ausgeben wollten oder die Sponsoren nicht da sind. Dann lieber im kleinsten Kreis präsentieren, um die Leute anzulocken, die sich wirklich für Kunst interessieren. Aber in was für einer Welt leben wir, in der man für seine eigene Kreativität bezahlen muss, um sie an den Mann zu bringen? Muss neuerdings alles exklusiv sein um interessant zu sein? Unvorstellbar – aber wahr.

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Menschen passen sich an und wenn sie nicht nach irgendetwas streben, dann sind sie nicht glücklich. Nur, dass das Glück heute nicht mehr darin besteht selbstständig zu sein, sich sein Essen selber zu kochen oder einfach das zu tun was man soll, sondern aus Followern, neusten Trends und der meisten Reichweite. Man wird quasi dazu gezwungen ständig seine Arbeit schlecht zu reden, weil jemand anders es besser gemacht hat und mehr Leute erreicht hat. Soll man die Kunst an den Nagel hängen? Das nagt am Selbstwertgefühl und das widerum führt dazu, dass man zu irgendwelchen Influencern aufblickt, die Dinge kauft, die genannte präsentieren und es ihnen gleich tun will. Doch der Traum platzt so schnell wie eine Seifenblase und man landet direkt wieder auf dem Boden der Tatsachen neben den Rechnungen, die sich nicht durch Advertisement und Affiliatelinks bezahlen lassen.

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Ich bin wieder vom Thema abgekommen, hab ich überhaupt ein Thema? Keine Ahnung. Naja, jedenfalls denke ich, dass das hier mit dem Blog unter dem Pseudonym Wanheda Wild unter Umständen weitergeht. Erstmal als Fotogalerie, weil ich keine andere Plattform kenne, auf der ich meine Arbeiten sonst hochladen könnte. Ich werde auch meine Seele nicht auf der nächst besten Kreuzung an einen Dämon verkaufen, nur weil ich irgendetwas sein könnte, was ich nicht will. Ich selbst bin die beste Form mich so auszudrücken wie ich bin, genau auf diese Weise wie ich es bisher getan habe. Ich wüsste nicht, wie ich mich neu erfinden sollte, um mein altes Ich am Strassenrand liegen zu lassen und in den nächsten Hippiebus gen Nirwana zu springen, der mir das Blaue vom Himmel verspricht und ich mich besser fühlen würde denn je. Deshalb werde ich weiter der „brotlosen Kunst“ – wie Z. immer so schön sagt – fröhnen und mich freuen, wenn jemand sagt, dass ihm das gefällt, was ich tue.

Von daher „viva la vie bohème!“.

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Mindesthaltbarkeitsdatum

Hat ein Blog ein Mindesthaltbarkeitsdatum? Ist ein Blog nur solange gut wie man ihn regelmäßig mit Content füllt? Wann hört ein Blog auf gut zu sein? Wie bewahre ich meinen Blog vor dem Klick auf die Löschen-Taste?

Mittlerweile ist schon wieder einige Zeit ins Land gezogen und der Blog auf dieser Plattform stinkt bereits seit Monaten wie ein alter gammliger Müllsack, der in einer Ecke hinter der Tür stehen gelassen wurde. Im März läuft mein Abo bei WordPress ab und bis jetzt habe ich mich noch nicht entschieden, ob ich hier weitermachen will oder nicht. Ich hab immer das Gefühl, dass ich mir hier etwas aufbauen könnte, aber anders herum frage ich mich auch immer wieder – wozu? Um zu einem Tagebuch zu werden fehlt mir die Lust, um irgendeinen hippen Lifestyle zu präsentieren bin ich zu geizig und um meiner Selbstdarstellung zu frönen zu bescheiden. Die Frage ist also: was soll ich jetzt machen? Die Kurve kratzen, so weitermachen wie bisher, andere Leute hier ranlassen oder etwas komplett anderes machen?

Fotografieren ist nach wie vor meine größte Leidenschaft, Schreiben ist es mal so mal so. Im Moment bin ich eine Couchpotato, zieh mir alle Staffeln von Supernatural zum zweiten Mal hintereinander rein und schlage irgendwie die Zeit tot, wenn nicht die Bandprobe ruft. Ja, ich spiele Bass und zwar in zwei Black Metal Projekten, nur mal so am Rande. Zwischenzeitlich muss ich natürlich arbeiten, aber bei meinem Job hab ich regelmäßig viel Freizeit, die sinnvoll genutzt werden will – wie Dreadlocks an anderen verrückten Leuten erstellen. Tja, ziemlich langweilig, was? Was könnte ich also mit diesem Blog anfangen? Präsidentin meiner eigenen Bananenrepublik werden? Hier geht es sowieso nach meinen Regeln und ich kann tun und lassen was ich will.

Ich denke – kommt Zeit, kommt Bart. Wer weiß, wenn die tristen Monate der Depression erst wieder vorbei sind, dann kann ich mich wahrscheinlich wieder nicht halten vor Ideen. Vielleicht trifft mich auch nächste Woche der Blitz und alles, was hier so steht liest dann eh kein Schwein mehr. Bis März ist ja noch etwas Zeit. Ich werde noch etwas überlegen und reflektieren und dann eine Entscheidung treffen.

Die Dinge, die man für ganz sicher hält, sind niemals wahr.

– Oscar Wilde

 

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Palast der Erinnerung

Erinnerungen – sie begleiten jeden Menschen tagtäglich. Die meisten erinnern sich an die guten Dinge und verdrängen die schlimmen Ereignisse. Assoziationen sind an Erinnerungen gekoppelt – zu jeder Zeit abrufbar. Mein Gedächtnispalast – ein Palast aus Erinnerungen wächst mit jedem Augenblick empor, den ich erlebe. Ein Spiel aus Licht und Schatten, einsame Korridore und dunkle Ecken. Ein Ort, den nur ich betreten kann.

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Vor langer Zeit habe ich damit begonnen meine Erinnerungen kategorisch abzuspeichern. Es klingt maschinell, wie ein System, das immer wieder aktualisiert werden muss, um auf dem neusten Stand zu sein. Selektiert, kategorisiert und abgelegt in alten Schachteln und Schränken, die auf dem Speicher verstauben oder von Motten zerfressen werden, denn es lebt niemand mehr, der sich daran erinnert. Eine leere Bibliothek aus verflossenen Sehnsüchten und Träumen.

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Doch irgendwo in den dunkelsten Ecken meines Geistes liegen verblasste Erinnerungen, die wie Tiere angekettet sind. Sie können nicht entkommen aus ihrem Verließ. Manchmal habe ich Angst diese Räume zu betreten. Sie sind doppelt gesichert, der Schlüssel an einem geheimen Ort versteckt. Ich höre ihre Schreie, wie sie in den Korridoren widerhallen und wie sie in der Ferne an den Wänden kratzen und versuchen zu mir durchzudringen.

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Die Mauern sind dick, aus Zement, doch das Fundament wurde auf Sand gebaut. Schritt für Schritt werde ich angezogen, ich höre das Flüstern in meinem Kopf. Es lockt mich an, ich habe schon den Schlüssel in der Hand. Ich entziehe mich dem Verlangen nach roher Erinnerung. Das erste Schloss hat sich gelöst. Stimmen und Bilder prasseln auf mich ein, Worte, die lange nicht mehr ausgesprochen wurden. Ich muss es einfach sehen. Ich muss mich sehen. Damals.

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Den Namen – ich soll den Namen aussprechen. Er ist das Passwort und es kommt mir so leicht von den Lippen, dass ich fast den Verstand verliere. Das zweite Schloss öffnet sich. Staub kommt durch die Tür, schwere Schritte und ein leises Stöhnen sind zu vernehmen. Das letzte Hindernis sind die Eisenketten, am Boden festgeschmiedet sind sie unüberwindbar, aber mit jeder Sekunde, die ich hier unten bin, wird die schemenhafte Gestalt stärker. Sie nährt sich von mir und ich kann mich dem nicht widersetzen. Das Biest ist entfesselt – das Grauen beginnt von vorn.

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Es verbreitet Chaos und Schrecken. Das Verließ ist jetzt kein Hindernis mehr. Es nährt sich von schlechten Erinnerungen und bahnt sich seinen Weg in die Eingangshalle meines Gedächtnispalastes. Langsam, aber sicher bröckelt er in sich zusammen und das, was sich dort jahrelang versteckt hat, tritt ins Licht. Es wartet auf seine Vorstellung, hinter dem Vorhang und vorn das gespannte Publikum.

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Was wird dieses Mal passieren? Mehr Schmerz, mehr Angst, mehr Wahnsinn? Ich weiß es nicht. Negative Energien scheinen mein Handeln zu steuern und ich verliere die Kontrolle, gebe mich meinen Reminiszenzen hin und schwelge darin. Alles regnet auf mich nieder. Alles, was es zu verdrängen gibt. Bin ich nun der Verräter oder der Verratene? Es wird ein Akt aus meinem Leben gespielt mit mir in der Hauptrolle. Ich bin Protagonist, mein verdrängtes Ich der Antagonist.

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H: Den Ort seiner Kindheit zu sehen bringt keine Heilung, doch es hilft zu ermessen, ob man gebrochen ist. Wie und warum. Sofern man es wissen will.

W: Ich will es wissen. Hat hier die Konstruktion begonnen?

H: Meines Palastes der Erinnerung? Seine Tore im Zentrum meines Geistes und da sind Sie und tasten nach der Klinke.

W: Die Räume in Ihrem Geist, die Ihren frühsten Jahren geweiht sind. Sind sie anders als die anderen? Sind sie anders als dieser Raum?

H: Dieser Raum enthält Klang und Bewegung, riesige Schlangen, die sich in der Dunkelheit wälzen. Andere Räume sind statische Szenen, Bruchstückhaft, wie bemalte Glassplitter.

W: Jedes Ding an Erinnerung gekoppelt und jede führt zu weiteren Erinnerungen. Räume, die sie zu betreten Sie sich nicht überwinden können. Nichts, das daraus entkommt, kann Ihnen Trost spenden.

H: Manche der Räume sind von Schreien erfüllt, doch sie hallen nicht in den Fluren wieder, denn ich höre Musik.

WESTERN BORDERLANDS

Der lange Weg nach Westen. Es gab nur diese Richtung, keinen Anhaltspunkt, keinen Ort, wo ich dich finden würde. Meine Reise war weder geplant noch gewollt, aber ich musste dich wiederfinden, denn du bedeutest mir alles. Du wurdest mir aus meinen Armen entrissen, hast geschrien und dich gewehrt. Doch alles andere war mächtiger – mächtiger als du und mächtiger als ich.

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Alles was zurück blieb war ein Krater. Ein Krater, in dem einst mein Herz gesteckt hatte. Nun ist dort ein schwarzes Loch, welches nicht gefüllt werden kann, bis ich dich wieder in meine Arme schließen kann. Ich bin verlassen und leer. Die Dunkelheit umfängt mich und mit jedem Tag, den du nicht an meiner Seite bist, verblassen die Erinnerungen an dich. Doch tief in diesem schwarzen Höllenkreis schlummert ein Funken, der das Feuer in meinem Herz von neuem entfacht und mir die Kraft und den Mut schenkt, um dich zu kämpfen, dich zu retten aus der erbarmungslosen Gefangenschaft, in die du gesteckt wurdest.

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Weiter treibt mich mein Weg voran an die Küste, die so weit entfernt scheint, dass ich fast glaube sie nicht mehr erreichen zu können. Der Wind weht nach Westen und trägt die Hoffnung mit sich hinfort, die irgendwo in den Tiefen meiner Gedanken verloren liegt. Jeder Tag ist eine Herausforderung. Doch ich gehe immer weiter Richtung Westen, Schritt für Schritt. Ich beginne Tagebuch zu führen, um meine Erinnerungen festzuhalten, die mir mit jeder Sekunde entgleiten. Tausende Seiten könnte ich füllen, wem jedoch soll ich davon erzählen? Ich bin allein. Du bist allein.

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Die Ebenen werden weiter, meine Füße immer schwerer. Der Pfad, den ich beschreite bleibt mir verborgen. Ich wandere Tag und Nacht, bei Regen und Sonne. Wo bist du? Wann bist du? Die Schmerzen werden langsam unerträglich über deinen Verlust. Verlust – bist du mein Verlust? Ich denke, dass du tot bist. Du bist gestorben, als ich dich verloren habe. Wieso sage ich so etwas? Habe ich dich begraben zusammen mit den Erinnerungen an dich? Aber ich will mich erinnern, doch sie liegen zu lange zurück um noch darüber zu sprechen oder zu schreiben. Der Mut verlässt mich. Ich kann nicht mehr weiter gehen. Die Schmerzen in den Beinen brennen.

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Endlich! Das Ziel ist nahe. Das Grenzland liegt vor mir. Nur noch ein paar Meilen zwischen mir und dir. Steh auf! Gib dich nicht dem Schwermut hin, Misstrauen wird dir nicht helfen. Vertraue auf deine Intuition. Ich mache mich bereit, packe meine Habseligkeiten für den letzten Marsch, um dich zu finden. Ich spüre etwas. Ein Gefühl der Wärme. Feuer. Die Hoffnung ist erneut entflammt, denn du bist in der Nähe. Wie lange habe ich nur nach dir gesucht? Viel mehr noch – was hat es mich an Kraft gekostet, dich zu finden? Doch ich weiß, du bist da. Am Leben. Für dich, für mich, für uns.

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Ich sehe dich. Jetzt. In diesem Augenblick. Ich werde dich retten. Werde DICH retten…

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Wilder´s Diaries

Ich reise niemals ohne mein Tagebuch. Man sollte immer etwas Aufregendes zu lesen bei sich haben.

– Oscar Wilde

Ich und mein Iphone – es ist manchmal mein Tagebuch, hält die Augenblicke für mich fest, wenn ich schon gar nicht mehr dran denke. Über die letzten Monate hat sich einiges an Material angehäuft und ich musste mal wieder meinen Feed entrümpeln und Platz schaffen für Neues. Es ist irgendwie merkwürdig welche Perspektiven mit dem IPhone entstehen, die ich mit meiner DSLR so gut wie nie nutze. Ich hab bei Instagram einen Account unter dem Namen wildersdiaries angelegt, der schon einiges an Schnappschüssen festhält. Aber hier kommen nun die schönsten Fotos zusammen, die ich über den Sommer/Herbst gemacht habe. Die Kategorie IPhonography wird somit in Wilder´s Diaries fallen, weil es besser zur Ästhetik des Blogs passt.

Die Stimmung der Fotos ist sehr düster, obwohl es an diesem Tag sehr heiß war. Der Juni war geprägt von dunklen Himmeln und dem Geruch von Weizen.

Ende Juli war es genauso heiß und die Lust am Fotografieren ist mit jeder Sekunde geschmolzen unter der unbarmherzigen Hand der Sonne.

Der erste Regen nach Monaten hing noch in der Luft an diesem frühen Morgen. Der August stimmte langsam auf den Herbst ein, denn überall gab es bereits herabfallende Blätter. Auch der lang Urlaub ging langsam zu Ende.

Staub, überall Staub. Die Felder waren bereits abgemäht in diesen ersten Septemberwochen und der Boden lächzte immer noch nach Feuchtigkeit. Alles was ich fand waren Dürre und Verwesung.

Wieder im Arbeitsalltag angekommen waren Ausflüge in den Wald leider Mangelware, doch ich nahm mir die Zeit und bin mit Z. in neue Gefilde aufgebrochen. Der Wald war still Ende September, gab mir aber neue Energie und Vorfreude auf den Herbst.

Und da ist er nun – der Oktober. Rote Himmel, fallende Blätter und ein pfeifender Wind. Die Sonne steht tief und zaubert einen goldenen Schimmer über alles was sich bewegt. Der Altweibersommer scheint dieses Jahr nicht zu Ende gehen zu wollen.

Was soll ich sagen? Der Herbst ist endlich da, auch wenn man noch keine Mütze braucht.

Ein kühler Morgen mitte Oktober. Die Kraniche ruhen auf den Feldern und der Dunst sammelt sich mit der aufgehenden Sonne auf dem See. Die Dörfer sind ruhig und ich bahne mir einen Weg raus aus der Zivilisation.

Selbstverliebt, oder was?

Ist es Selbstverliebtheit, wenn ich ständig vor der Kamera posiere, obwohl ich auch andere Dinge in Szene setzen könnte? Kommt es irgendwie arrogant rüber, wenn man durch meine Beiträge scrollt und immer nur das gleiche Gesicht sieht? Denken die Leute ich wäre einsam und hätte keine Freunde, die mit mir Zeit verbringen oder dass ich einfach Langeweile hätte?

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Diese Fragen habe ich mir schon des öfteren gestellt, bin aber nie zu einer richtigen Antwort gekommen. Der Großteil des Blogs besteht aus Selbstportraits von mir, die wohl irgendwie das darstellen sollen, was ich nicht in Worte fassen kann oder nach außen bringen kann. Ich bin ein stiller und introvertierter Mensch und auf meinen Fotos muss ich nichts verbalisieren, um etwas ausdrücken zu können. Diese Fotos sind meist ein stiller Reminder für mich in der gegenwärtigen Situation, in der ich gerade stecke. Manchmal fahre ich mit irgendwelchen wirren Ideen raus in den Wald und habe sie schon wieder vergessen, wenn ich dort angekommen bin. Es läuft immer alles etwas chaotisch, weil ein Bild in meinem Kopf schon entstanden ist und ich wie ein Eichelhäher irgendwo eine Idee vergraben habe, mich aber später nicht mehr dran erinnern kann, wo ich sie gelassen habe oder wie ich sie umsetzten wollte.

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Stativ aufbauen, Kamera einschalten, Objektiv checken, Selbstauslöser aktivieren – vier simple Schritte, die mir ins Blut übergegangen sind. Früher habe ich mich merkwürdig gefühlt vor der Kamera zu posieren. Ich kam mir irgendwie nackt vor, als ob andere Menschen etwas von mir sehen könnten, was ich eigentlich für mich behalten wollte. Ich fühlte mich unwohl, wenn Leute in der Nähe waren und mich beobachteten. Dann tat ich immer so, als würde ich schwer beschäftigt sein die Landschaft zu fotografieren und habe wirr in den Einstellungen meiner Kamera gesucht. Deswegen suche ich mir wohl immer die abgelegensten Orte zu den unmenschlichsten Zeiten, weil ich weiß, dass ich dort allein und ungestört sein kann. Ich kann springen, mich verrenken, schnell umziehen oder vor der Kamera wegrennen, um Dynamik im Bild zu erzeugen.

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Da stand ich nun also mitten im Nirgendwo – ein Mädchen allein mit ihrer Kamera ohne Ahnung, was dabei herauskommen würde.  Aber nach einer gewissen Zeit fiel es mir leichter und ich wurde selbstbewusster, weil ich mich als Person jedes Mal in einem anderem Licht sehen konnte. Ich konnte machen was ich wollte und fühlte mich wohl, weil niemand von außen sich in meinen Arbeitsprozess einmischen konnte. Natürlich bin ich selbst mein größter Kritiker und versuche ständig etwas anders zu machen, aber irgendwie hat sich dadurch mein Stil entwickelt, den ich leider selbst nicht beschreiben kann. Manchmal bin ich die Wahrheit und manchmal bin ich eine Lüge – wie das zustande kommt? Während des Bearbeitungsprozesses entwickelt sich in meinen Gedanken eine Geschichte zu den Bildern, die ich dann in einer bestimmten Reihenfolge zusammensetzen kann. Manchmal mit mehr Sinn, manchmal ohne Sinn.

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Auf meinen Fotos sieht man mich so gut wie nie lächeln. Ich lache – ständig, am liebsten mit Z. oder über Z., das bin ich und nicht die Person, die ich auf den Fotos darstelle, manchmal mehr, manchmal weniger.

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Entstanden sind die Fotos an einem heißen Vormittag im Juli mit dem Lensbaby Twist60 und der Canon EOS80D.

Zeit ist relativ – eine Zwischenbilanz

Der Sommer ist zu Ende und der September klopft an der Tür, um die Schwelle zu meiner liebsten Jahreszeit zu überschreiten. Der Herbst ist mit Ach und Krach eingekehrt. Die Luft hat sich verändert, es wird endlich früher dunkel und der Abendhimmel zeigt sich in den schönsten Rottönen. Am Morgen sammelt sich der Nebel in den Senken der Wiesen und Felder, wartet darauf, dass die Sonne am Horizont hervorbricht, um alles in ein goldenes Licht zu tauchen. An all diesen Dingen empfinde ich Freude, denn ich bin ein Herbstmensch.

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Gleichtzeitig ruft diese Zeit einen Moment aus meinen Gedächtnis zurück, die meine Emotionen in das Gegenteil verwandelt. Eine Epoche voller Aufruhe, Verzweiflung und Unwissenheit. Ein Gemütszustand, an den ich mich nicht gern zurückerinnere, der mich aber jeden Tag begleitet und mit dem Dahingleiten der vergangenen Monate habe ich verstanden, dass es wieder besser wird. Ich wurde mit den schlimmsten Ängsten meines Lebens konfrontiert, habe kaum Nächte durchgeschlafen und immer neue Zustände an mir erlebt, die ich nicht kannte – ich musste mir selbst helfen und verstehen, was gerade mit mir und meinem Leben passierte. Ich war ahnungslos, wie ich das schaffen sollte und es hat viel Zeit und Kraft gekostet  – aber ich bin noch hier.

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Genau vor einem Jahr habe ich mit diesem Blog angefangen. Ich fühlte mich wie John Watson – einsam, etwas verlassen und zu introvertiert, um ein Abendteuer zu erleben. Also habe ich einfach drauflosgeschrieben, mir Gedanken gemacht und sie mit Bildern untermalt. Ich fühlte mich ein wenig komisch meine Gedankenwelt mit dem Äther des Internets zu teilen. Ich wollte nicht so erscheinen, als hätte ich einen akuten Geltungsdrang, dem schnell Abhilfe geschaffen werden musste, aber ich wollte mich nicht weiter verstecken, denn ich brauchte jemanden zum Reden, auch wenn dieser jemand nur der Laptop und die leere Seite mit dem blinkendem Tab war. Ich fühlte mich weniger verlassen, weil ich einfach alles aufgeschrieben habe, was ich niemanden erzählen konnte oder wollte. Eine Art Selbsttherapie hat damit für mich gestartet. Ich habe reflektiert und selektiert, um gewisse Dinge zu verarbeiten und mir einen Weg aus diesem Sumpf der negativen Gefühle zu bahnen. Mit Erfolg – mal mehr, mal weniger.

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Nach den ersten Blogbeiträgen stellte sich mir die Frage, ob das etwas längerfristiges werden könnte und ich habe laut gelacht und mir selbst gesagt, die Ausdauer würde ich nicht besitzen. Ich bin ein Mensch mit tausenden Ideen am Tag, mein Kopf explodiert manchmal vor Kreativität und ich weiß nicht wohin damit. Der Blog hat sich zu einem meiner vielen Ventile entwickelt, wenn in meinem Gehirn wieder nur Gedankenblitze herrschen und ich einfach herausschreien will, was auch raus muss. Natürlich schreie ich nicht. Ich bin in allen Lebenslagen ein stiller Beobachter und diese Entwicklung mit dem Schreiben und dem Fotografieren habe ich ebenfalls still beobachtet, um ein Fazit zu treffen und den Zwischenzustand zu beurteilen. Ich fühle mich damit auf jeden Fall besser – stabiler, wenn man den Server, auf dem der Blog liegt, als Säule oder festen Standpunkt im Leben bezeichnen kann. Es hilft mir und vielleicht ja auch dem ein oder anderen.

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Ich denke, dass es weiter geht wie gehabt. Das Rad der Zeit bleibt nicht stehen, denn Benjamin Linus hat es weiterbewegt. Ich werde auf dieser kleinen Plattform nicht die Welt mit dem verändern, was ich hier schreibe, aber es wird meinen Mikrokosmos weiterdrehen oder verändern und mir immer geben, was ich gerade brauche. Einen Raum in mitten tausend anderer Räume – Tagebuch, Galerie, Weltbewegung. Ich kann also beruhigt mit den Dingen vorangehen, die mich prägen und bewegen. Sie geben mir die Freiheit mich und meine Gedankenwelten ins Gleichgewicht zu bringen, zu fokussieren und mich mit Zufriedenheit zu erfüllen.

Bis dahin und mahalo…

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Keine Götter des Olymp

An manchen Tagen kann ich meinen Schatten nicht sehen, er ist mir wohl entflogt. An anderen Tagen folgt er mich auf Schritt und Tritt, denn er ist der einzige Follower, der real ist – nämlich ich.

Tja, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. So trist wie das Wetter heute ist, so ist auch meine momentane Stimmung auf den Blog und das Internet. In der letzen Zeit war ich kaum noch kreativ, weil ich mich ständig mit anderen verglichen habe oder etwas kreieren wollte, das ich eigentlich gar nicht bin. Auf der Suche nach der Aufmerksamkeit  derer, die man anhimmelt und vergöttert. Ich mache mich selbst klein, weil ich denke, dass meine Helden und Götter über mir stehen und ich mit ihnen nie auf einer Stufe stehen werde.

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Doch die Helden und Götter, die den Olymp des Internets erklommen haben, sind auch nur Sterbliche, die dafür sorgen, dass ich meine eigene Realität verzerre und sie zu etwas mache, was sie nicht sind. Das mag sich jetzt abgeschmackt anhören, aber ich habe mir geschworen, jeden wie den Nachbarn von nebenan zu sehen. Man kennt sich vom Sehen und tauscht einen Gruß aus, hört hin und wieder ein Gerücht, doch eigentlich kennt man sich überhaupt nicht. Gleichermaßen ist das mit den Leuten, die man nur aus dem Internet kennt.

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Wenn etwas angepriesen wird, was unbedingt in meinen Besitz kommen muss, die Meinung zum Thema Nachhaltigkeit und Second-Hand-Kleidung angelegt wird oder  man gar die selbe Haarfarbe wie sein Lieblings-Influencer hat, dann assoziieren wir die kleinsten Gemeinsamkeiten als eine Art Verbindung, die man aber auch mit tausend anderen Menschen gemeinsam hat. Das ist ein Phänomen, das ich auch an mir selbst beobachtet habe, mich habe so beeinflussen lassen von den Meinungen dieser Internet-Helden, dass ich mich im Spiegel selber nicht mehr erkannt habe. Erschreckend, wie schnell man auf das Rad mit aufsteigt, um sich vorzugaukeln, dass man dadurch zu jemand besserem wird.

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Und das ist das, was mich wütend macht. Wir sind immer weniger wir selbst und werden immer schneller zu jemand anderem. Es gibt genug Menschen da draußen, die uns weiß machen wollen, dass sie es ehrlich mit uns meinen und davor warnen, dass ihr Leben hinter dem Bildschirm auch nicht rosig ist. Authentisch nennt man das, doch wissen wir genau, dass es nur um Folgendes geht: mehr Follower, mehr Produktplatzierungen, mehr Bewunderung. Und so geht dieser Teufelskreis wieder von vorn los. Like hier, Kommentar da, weil der Influencer ein Foto ohne Make-Up gepostet hat, sich aber mit den Beauty-Produkten von XXX am besten fühlt und diese zufällig in der Hand hält.

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Doch das ist das, was die meisten von euch ausblenden. Denn ihr wollt so sein wie sie. Und schon steht man wieder unten am Olymp, senkt bedächtig das Haupt und hält die neue Kerbholz empor, um den Göttern zu huldigen und gesehen zu werden. Ich habe selber zu diesen huldigenden und gottesfürchtigen Individuen gezählt, das kann ich mir eingestehen ohne im Konflikt mit mir zu sein. Jeder Mensch zeigt Schwäche, denn sie ist natürlich, nur stärker geht man daraus hervor, wenn man sie sich auch eingestehen kann.

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Man nehme diesen Blogbeitrag so wie man will: als Reflexion für sich selbst, um auf die Blogger und Influencer zu schimpfen oder als Warnung es anders zu machen. Lesen, teilen, kommentieren, ignorieren – macht damit was ihr wollt. Ich fühle mich jetzt jedenfalls freier.

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Selbstfürsorge

Wohin gehe ich, wenn ich allein sein möchte? Wohin, wenn alles um mich herum zu explodieren droht? Ich gehe nicht in mich, denn in der lauten Gesellschaft anderer Menschen schaffe ich das nicht. Ich brauche einen Rückzugsort, fernab von allem, was mich täglich umgibt. Manchmal klettere ich über Mauern, übersehe ganz bewusst das „Betreten verboten“, um etwas Zeit für mich zu haben. Man mag von mir denken, ich wäre einsam und hätte niemanden zum Reden, doch die Wahrheit ist: ich bin einfach gern allein. Dort ist niemand der mich bevormundet oder versucht mich umzukrempeln. Ich erwische mich viel zu oft dabei, wie ich versuche es anderen recht zu machen, nur mir selbst nicht.

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Mein Gehirn fühlt sich ausgewaschen an, es ist dreckig, weil mich jeder mit seinen Problemen oder sinnlosen Gedankenwelten belastet. Diese Seelenjäger, die überall warten und sich in mir einnisten wollen, um mich meiner Energie zu berauben. Sie wollen, dass ihre Probleme zu meinen werden und ich mache mir über das Seelenleben anderer Menschen mehr Gedanken als über mein eigenes. Ich spüre, wie ich beginne von innen zu verrotten, wie ich geistig zerfalle, weil alles andere wichtiger erscheint als ich selbst. Ich brauche frische Luft und Freiheit zum Denken. Diese Gedanken, die nicht mir gehören, müssen raus – deshalb muss ich weg. Mich auf die Suche nach neuen Wegen machen, um dem zu entfliehen, wozu andere mich machen wollen – ihrem Sklaven.

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Alles was ich dagegen tun kann ist, die Wege dieser Dinge nicht zu kreuzen und einfach zu verschwinden, mich in meinen eigenen Kaskaden zu verbarrikadieren und niemanden hineinzulassen. Doch irgendetwas hält mich hier, hält mich fest wie ein Magnet ohne das ich nicht existieren kann und sorgt dafür, dass ich die Tore nicht verschließen kann. Ich suche einen Ausweg, aber er ist nie so weit entfernt, dass ich nicht wieder zurückkehren kann. Und so suche ich nach neuen Wegen, um meine Zeit zu verschwenden, nicht an die Probleme anderer zu denken. Egoistisch würde man mich nennen, doch ich nenne es Selbstfürsorge.

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Meine Gedanken können frei existieren, mich umkreisen, mich verschlingen, sie flüstern mir ins Ohr oder schreien mir direkt ins Gesicht, doch ohne sie fühle ich mich taub. Ich brauche sie – sie zu verdrängen wäre als würde ich ein wildes Tier in einen Käfig sperren und sie würden gegen die Gitterstäbe drücken bis sie zu bersten drohen. Ich lasse sie also frei – schreie oder schreibe sie heraus und warte darauf, was passiert. Allein, weil ich gern allein bin. Manchmal sitze ich gern in der Stille und lasse die Welt an mir vorbeiziehen, weil ich gerade an nichts denke. Verschwendete Zeit denkt man jetzt, aber nein – es ist die beste Reinigung für die Seele. Dann merke ich nicht, ob nur Sekunden oder bereits Stunden vergangen sind. Ich lasse es einfach geschehen, mich von niemandem aufhalten.

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Nach solchen Momenten blicke ich nach oben, sehe wie sich Blätter im Wind wiegen und die Welt sich trotzdem weiterdreht.

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Wiegt euch nicht in Instagram

Da erwische ich mich wieder selbst, wie ich fleißig Content für Instagram produziere, mir etliche Hashtags herausuche, die zum Bild passen und dann den Upload-Button drücke. Vor ein paar Wochen habe ich mich schrecklich darüber aufgeregt, dass ich mich von dieser Plattform so abhängig mache. Ich konnte hochladen was ich wollte, aber die Reichweite blieb aus. Es kam mir schon etwas spanisch vor, denn der Content, den ich normalerweise produziere, wird gut geliket und verbreitet sich recht schnell, doch irgendwas schien meine Reichweite zu blocken, als wäre ich in einer Art Sperre gelandet oder einer Filterblase.

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Z. befasste sich ebenfalls mit diesem Phänomen und wagte ein Experiment. Über seinen Account lud er meine Bilder hoch und dachte sich dazu abstruse Hashtags aus, so wie Hackbraten oder Gartenzaun. Innerhalb kürzester Zeit flatterten die Herzen über den Homescreen und ich dachte mir, dass das doch wohl nicht wahr sein konnte. Für mich war Instagram dann erst einmal Geschichte. Ich suchte nach einer anderen Plattform, die mir die Möglichkeit gab, meine Arbeiten ins Netz zu stellen zu gleichen Konditionen wie Instagram, nur ohne Bevorzugung für Posts, die bezahlt wurden.

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Wie aus dem Nichts kam dann VERO aus dem Boden gesprossen. Ich hatte bereits durch einige Fotografen, die ich verfolge, davon gehört und gönnte mir einfach mal den Spaß und meldete mich dort an. Die App besticht durch ihr dunkles Design und ihre Aufmachung, die mich persönlich sehr angesprochen hat. Aber es ist eben nicht die eierlegende Wollmilchsau. Natürlich war die Zeit sehr ungünstig, weil sich gerade gefühlt jeder dort ein Konto angelegt hatte und die App ständig abstürzte oder der Server Probleme hatte mit der Masse an Traffic. Vero predigt den Leitsatz „true social“. Ob ich das auch glaube? Nein, denn alles was sich in der digitalen Welt abspielt, kann nicht true sein. Es gibt immer zwei Seiten.

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Die einen glauben, dass sie sich nur über die Zahl ihrer Follower und Likes definieren können und dadurch zu etwas Besonderem werden, doch wenn der Account gelöscht oder gehackt wird, dann bleibt nichts übrig von der Bewunderung der Bots und Fakeprofile im Äther des Netz. Ich stehe da eher auf der anderen Seite. Natürlich uploade ich Sachen im Internet, aber ich sehe das eher als Portfolio, welches überall und von jedermann einsehbar ist. Hin und wieder stolpert dann  jemand über mein Profil und lässt einen Like oder ein Kommentar da, aber nur weil es ihm wirklich gefällt und nicht, weil eine Followerapp mich in den Algorhytmus eingespeist hat. Und da stellt sich mir wieder die Frage – wie true bin ich und wie true ist die Sache mit den Apps, die uns Verbindung garantieren?

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Ich gebe zu, dass ich mich darüber freue, wenn jemand mich anschreibt, der meine Arbeit gut findet, aber das kommt sehr selten vor. Manchmal erwische ich mich auch dabei, wie ich mich darüber ärgere, dass die Mühe, die ich mir mit den Fotos mache nicht gewertschätzt wird, aber auch das kommt selten vor. Ich bin eben auch nur ein Mensch, der hin und wieder gegen seine Prinzipien verstößt, aber das ist okay, denn so kann man sein Verhalten reflektieren und sich weiter entwickeln.

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Ich kann euch nur sagen, ihr seid echt so wie ihr seid – ohne Filter und Hashtags. Menschen, im echten Leben, finden euch, wenn sie euch auf der Straße begegnen, beim Einkaufen anrempeln oder nach der Zeit fragen. Das ist das echte Leben, nicht das was auf dem Bildschirm des Smartphones steht. Die Waage zwischen der realen und digitalen Welt wird sich nie ausgleichen, aber wir selber bestimmen, welches Gewicht wir mit unserem Gramm bewegen wollen.

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Das Buch ist übrigens „A Field Guide To The Birds East Of The Rockies“ von Roger Tory Peterson, wunderschön illustriert und perfekt für den Hobby-Ornithologen.