Keine Götter des Olymp

An manchen Tagen kann ich meinen Schatten nicht sehen, er ist mir wohl entflogt. An anderen Tagen folgt er mich auf Schritt und Tritt, denn er ist der einzige Follower, der real ist – nämlich ich.

Tja, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. So trist wie das Wetter heute ist, so ist auch meine momentane Stimmung auf den Blog und das Internet. In der letzen Zeit war ich kaum noch kreativ, weil ich mich ständig mit anderen verglichen habe oder etwas kreieren wollte, das ich eigentlich gar nicht bin. Auf der Suche nach der Aufmerksamkeit  derer, die man anhimmelt und vergöttert. Ich mache mich selbst klein, weil ich denke, dass meine Helden und Götter über mir stehen und ich mit ihnen nie auf einer Stufe stehen werde.

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Doch die Helden und Götter, die den Olymp des Internets erklommen haben, sind auch nur Sterbliche, die dafür sorgen, dass ich meine eigene Realität verzerre und sie zu etwas mache, was sie nicht sind. Das mag sich jetzt abgeschmackt anhören, aber ich habe mir geschworen, jeden wie den Nachbarn von nebenan zu sehen. Man kennt sich vom Sehen und tauscht einen Gruß aus, hört hin und wieder ein Gerücht, doch eigentlich kennt man sich überhaupt nicht. Gleichermaßen ist das mit den Leuten, die man nur aus dem Internet kennt.

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Wenn etwas angepriesen wird, was unbedingt in meinen Besitz kommen muss, die Meinung zum Thema Nachhaltigkeit und Second-Hand-Kleidung angelegt wird oder  man gar die selbe Haarfarbe wie sein Lieblings-Influencer hat, dann assoziieren wir die kleinsten Gemeinsamkeiten als eine Art Verbindung, die man aber auch mit tausend anderen Menschen gemeinsam hat. Das ist ein Phänomen, das ich auch an mir selbst beobachtet habe, mich habe so beeinflussen lassen von den Meinungen dieser Internet-Helden, dass ich mich im Spiegel selber nicht mehr erkannt habe. Erschreckend, wie schnell man auf das Rad mit aufsteigt, um sich vorzugaukeln, dass man dadurch zu jemand besserem wird.

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Und das ist das, was mich wütend macht. Wir sind immer weniger wir selbst und werden immer schneller zu jemand anderem. Es gibt genug Menschen da draußen, die uns weiß machen wollen, dass sie es ehrlich mit uns meinen und davor warnen, dass ihr Leben hinter dem Bildschirm auch nicht rosig ist. Authentisch nennt man das, doch wissen wir genau, dass es nur um Folgendes geht: mehr Follower, mehr Produktplatzierungen, mehr Bewunderung. Und so geht dieser Teufelskreis wieder von vorn los. Like hier, Kommentar da, weil der Influencer ein Foto ohne Make-Up gepostet hat, sich aber mit den Beauty-Produkten von XXX am besten fühlt und diese zufällig in der Hand hält.

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Doch das ist das, was die meisten von euch ausblenden. Denn ihr wollt so sein wie sie. Und schon steht man wieder unten am Olymp, senkt bedächtig das Haupt und hält die neue Kerbholz empor, um den Göttern zu huldigen und gesehen zu werden. Ich habe selber zu diesen huldigenden und gottesfürchtigen Individuen gezählt, das kann ich mir eingestehen ohne im Konflikt mit mir zu sein. Jeder Mensch zeigt Schwäche, denn sie ist natürlich, nur stärker geht man daraus hervor, wenn man sie sich auch eingestehen kann.

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Man nehme diesen Blogbeitrag so wie man will: als Reflexion für sich selbst, um auf die Blogger und Influencer zu schimpfen oder als Warnung es anders zu machen. Lesen, teilen, kommentieren, ignorieren – macht damit was ihr wollt. Ich fühle mich jetzt jedenfalls freier.

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Selbstfürsorge

Wohin gehe ich, wenn ich allein sein möchte? Wohin, wenn alles um mich herum zu explodieren droht? Ich gehe nicht in mich, denn in der lauten Gesellschaft anderer Menschen schaffe ich das nicht. Ich brauche einen Rückzugsort, fernab von allem, was mich täglich umgibt. Manchmal klettere ich über Mauern, übersehe ganz bewusst das „Betreten verboten“, um etwas Zeit für mich zu haben. Man mag von mir denken, ich wäre einsam und hätte niemanden zum Reden, doch die Wahrheit ist: ich bin einfach gern allein. Dort ist niemand der mich bevormundet oder versucht mich umzukrempeln. Ich erwische mich viel zu oft dabei, wie ich versuche es anderen recht zu machen, nur mir selbst nicht.

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Mein Gehirn fühlt sich ausgewaschen an, es ist dreckig, weil mich jeder mit seinen Problemen oder sinnlosen Gedankenwelten belastet. Diese Seelenjäger, die überall warten und sich in mir einnisten wollen, um mich meiner Energie zu berauben. Sie wollen, dass ihre Probleme zu meinen werden und ich mache mir über das Seelenleben anderer Menschen mehr Gedanken als über mein eigenes. Ich spüre, wie ich beginne von innen zu verrotten, wie ich geistig zerfalle, weil alles andere wichtiger erscheint als ich selbst. Ich brauche frische Luft und Freiheit zum Denken. Diese Gedanken, die nicht mir gehören, müssen raus – deshalb muss ich weg. Mich auf die Suche nach neuen Wegen machen, um dem zu entfliehen, wozu andere mich machen wollen – ihrem Sklaven.

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Alles was ich dagegen tun kann ist, die Wege dieser Dinge nicht zu kreuzen und einfach zu verschwinden, mich in meinen eigenen Kaskaden zu verbarrikadieren und niemanden hineinzulassen. Doch irgendetwas hält mich hier, hält mich fest wie ein Magnet ohne das ich nicht existieren kann und sorgt dafür, dass ich die Tore nicht verschließen kann. Ich suche einen Ausweg, aber er ist nie so weit entfernt, dass ich nicht wieder zurückkehren kann. Und so suche ich nach neuen Wegen, um meine Zeit zu verschwenden, nicht an die Probleme anderer zu denken. Egoistisch würde man mich nennen, doch ich nenne es Selbstfürsorge.

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Meine Gedanken können frei existieren, mich umkreisen, mich verschlingen, sie flüstern mir ins Ohr oder schreien mir direkt ins Gesicht, doch ohne sie fühle ich mich taub. Ich brauche sie – sie zu verdrängen wäre als würde ich ein wildes Tier in einen Käfig sperren und sie würden gegen die Gitterstäbe drücken bis sie zu bersten drohen. Ich lasse sie also frei – schreie oder schreibe sie heraus und warte darauf, was passiert. Allein, weil ich gern allein bin. Manchmal sitze ich gern in der Stille und lasse die Welt an mir vorbeiziehen, weil ich gerade an nichts denke. Verschwendete Zeit denkt man jetzt, aber nein – es ist die beste Reinigung für die Seele. Dann merke ich nicht, ob nur Sekunden oder bereits Stunden vergangen sind. Ich lasse es einfach geschehen, mich von niemandem aufhalten.

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Nach solchen Momenten blicke ich nach oben, sehe wie sich Blätter im Wind wiegen und die Welt sich trotzdem weiterdreht.

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