Tosende Kiefern und alte Filmrollen

Mein liebster Wald, eine Sturmlampe und ein tosender Wind in den Kiefern. Zu der Geschichte hinter den Fotos will ich gar nicht viel erzählen. Vor ein paar Tagen hatte ich mir eine Sturmlampe besorgt, um einige Ideen damit auszuprobieren. Wie gewohnt bin ich bepackt wie ein Esel los gefahren in meinen Lieblingswald ein Dorf weiter und hab mich von den Gegebenheiten überraschen lassen. In letzter Zeit wollte ich wieder mehr analog fotografieren und habe auch des öfteren bewusst nur meine Pentacon in der Tasche mitgenommen. Leider waren die letzten Umsetzungen damit nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Ich war im Stress und irgendwie auch davon überzeugt ein gutes Foto zu schießen. Von 12 kostbaren Abzügen und zwei Wochen des Wartens auf den entwickelten Film, kam dann nur ein gutes Foto heraus. Ich war etwas sauer auf mich selbst, weil ich einfach meine Filmrollen so verschleudert habe – für nichts.

Es war nur wieder einmal die Erfahrung mit mehr Gewissenhaftigkeit an die Dinge zu gehen und nicht einfach drauf loszuschießen wie mit einer DSLR. Wie dem auch sei bin ich dieses Mal wirklich gezielt vorgegangen, habe mich mit Perspektiven auseinandergesetzt und überlegt, was ich ablichten möchte, weil es nur 12 Fotos sind, die mir zur Verfügung stehen und es meine letzte Rolle 120mm-Film war. Diese 120mm Filmrollen kosten schon ein kleines Vermögen. Wenn man Glück hat, bekommt man gute Filmrollen zu einem moderaten Preis. Die Filme von Lomography sind meist in einer limitierten Auflage zu erhalten, daher immer schnell ausverkauft. Ich habe den Earl Grey B&W 100 ausprobiert, der im 3er-Pack erhältlich war und bin damit ganz zufrieden. Aber am liebsten lege ich Kodak Portra ein, weil die Farben wirklich der Hammer sind.

Bewusst schwarz-weiß zu fotografieren finde ich schwierig. Z. meinte, dass solche Kontraste besser wirken, wenn es draußen stürmisch und ungemütlich ist und er hatte Recht damit. An diesem Tag im Oktober war es verregnet, der Wind pfiff in jede Ritze und der Himmel war bedeckt mit einer grauen Decke aus Wolken. Der Wald knackte überall und die Baumkronen bogen sich unter dem tosenden Wind. Meine Haare hingen ständig im Gesicht, der Regen peitschte aus Nordosten über die Felder. Diese Sturmlampe anzuzünden war dann auch noch die nächste Geduldsprobe – 10 Streichhölzer für den ersten Versuch, die Flamme in Gang zu bringen. Zippo? Fehl am Platz.

Ich sammelte meine Gedanken und konzentrierte mich nun auf die Pentacon, alles andere blendete ich aus. 12 Auslösungen – hauptsächlich Naturaufnahmen und zwei Aufnahmen mit dem lustigen Selbstauslöser, der immer noch funktioniert. Offenen Blende 2.8, Belichtungszeit 250, ISO 100 – das wars. Ich hatte keine Ahnung, wie die letztendlichen Ergebnisse aussehen würden. Somit versenkte ich den Film beim Filmentwickler meines Vertrauens und wartete – zwei Wochen natürlich. Hier nun die Ergebnisse.

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Black Wood Analog – Pentacon Six TL auf Lomography Earl Grey B&W 100

Auf meiner Zenit ET bin ich leider kein Fan von Schwarz-Weiß-Film, doch an einem kalten Tag im Mai habe ich den Lomography Earl Gray in meine Pentacon eingelegt und einfach drauf los geknipst. Ich hab dann wieder zwei Wochen gewartet, bis ich die entwickelten Fotos abholen konnte. Ich hatte meine Erwartungen nicht allzu hochgeschraubt, aber die Ergebnisse haben mich überrascht. Die Kontraste sind sehr stark und das Weiß geht eher mehr ins Grau. Ich habe noch zwei Filme, die ich auf jeden Fall in der dunklen Jahreszeit verwenden werde, wenn es hoffentlich mehr regnet, um einen Vergleich für die Entwicklung zu haben. Mittlerweile habe ich mich an die Carl Zeiss Linse gewöhnt, sie ist recht unscharf mit f2.8, aber ab einer höheren Blende konnte sie bei mir letztendlich doch punkten. Das Bokeh spricht Bände bei 80mm und direktem Sonnenlicht. Ich kann auch sagen wie schwer es ist mit solch einem Metallklotz aus den 60ern Selbstportraits zu schießen. Der Selbstauslöser dauert so um die 10 Sekunden und ist ein herrliches Geräusch auf das man sich sehr konzentrieren muss, wenn man den richtigen Moment einfangen will. Ein Stativ ist wahrlich von Nöten, weil die Kamera nach vorne kippt aufgrund des Objektivs. Ich konnte auch nur mit Offenblende fotografieren, weil der Hebel am Objektiv leider nicht automatisch einrastet. Also alles manuell machen und auf gut Glück hoffen, dass das Ergebnis einigermaßen akzeptabel wird. Wie dem auch sei – hier nun die Ergebnisse…

Kamera: Pentacon Six TL

Objektiv: Carl Zeiss 80mm f2.8

Film: Lomography Earl Grey ISO 100 120mm

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Analoges Tagträumen

Das Equipment, welches wir gebrauchen spielt nur eine kleine Rolle. Vielmehr kommt es darauf an, es zu beherrschen. – Sam Abell

Im vergangenen Jahr hat mich das Analog-Fieber wieder einmal gepackt und ich war auf der Suche nach einer Kamera mit Lichtschachtsucher. Ich wollte gleich in die große Liga einsteigen und hab mir einen Wolf gesucht, denn von diesen Kameras gab es viele und wenn man keine Ahnung davon hatte, wie ich, dann fand man sich im analogen Dschungel bald nicht mehr zurecht. Ich stieß auf die Pentax67 – ein richtig schönes altes Ding, doch zu teuer. Ich war Anfänger und wollte gleich das Beste vom Besten. Aber meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass teure Technik nicht gleich einen professionellen Fotografen aus mir macht. Also dachte ich mir, dass ich meiner Hausmarke Canon treu bleiben sollte und informierte mich über die Canon F-1. Die war aber fast genauso teuer wie die Pentax67 und so langsam verzweifelte ich, ob ich nun überhaupt noch die richtige Kamera finden würde.

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Vor Jahren hatte ich einmal drei alte analoge Kameras geschenkt bekommen, die leider nicht mehr funktionierten. Sie standen als schöne Deko in meinen Regal und starrten mich an – ich starrte zurück, sah mir die Objektive genauer an und suchte nach Carl Zeiss. Bing schlug jede Menge Objektive vor, ob alt oder neu, die waren nicht billig. Dann erschien ein Foto, welches swirly Bokeh aufwies, jeder der mich kennt, weiß, dass ich ein Bokeh-Fanatiker bin – und es war um mich geschehen. Ich öffnete den Link des Fotos und stieß auf die Pentacon SixTL, ein analoger Riese aus den 60gern. Tja, was soll ich sagen – es war Liebe auf den ersten Klick.

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Ich sog Youtube-Videos auf, die zeigten, wie man mit der Pentacon umgehen würde und wie die Arbeiten aussahen. Ich schlief eine Nacht darüber und beschloss mir diesen Metallklotz zu kaufen. Ich begab mich also weiter auf die Suche nach einem guten Angebot und wurde schnell fündig bei einem Fotografie-Museum, die noch eine Pentacon in gutem Zustand besaßen. Das war aber nur der Body. Ein Objektiv zu finden war dann wesentlich schwieriger. Die meisten kamen aus Russland oder der Ukraine und ich war mir unsicher, ob bei mir nicht eine russische Antiquität mit Glaspilz ankommen würde oder sogar mit gebrochener Linse. Dennoch war das Glück auf meiner Seite und ich konnte an ein Modell kommen, dass meinen Ansprüchen vollkommen genügte. Das Carl Zeiss Jena 80mm f2.8 stopfte nun das Loch zum analogen Traum.

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So, jetzt war die Welt erstmal spiegelverkehrt, als ich das erste Mal durch den Sucher schaute, man blickt nämlich von  oben rein und dann ist man erstmal etwas orientierungslos. Es gibt zwar noch andere Sucheraufsätze, aber den Lichtschachtsucher fand ich am besten. Ich bestellte mir dann den Portra 120mm-Film von Kodak, der 5 Filme mit jeweils 12 Abzügen enthielt und legte los. Das Fotografieren mit der Pentacon ist wirklich eine außergewöhnliche Erfahrung. Da die Anzahl an Bildern auf dem Film stark begrenzt ist, sollte man sich genau überlegen, was man fotografieren möchte. Die Pentacon ist keine Schnappschuss-Kamera, sie ist etwas für die besondere Gelegenheit, sie hebt sich von der Masse ab. Sie ist sehr schwer, deshalb nur mit zwei Händen zu bedienen, aber auf ein Stativ gespannt, kann man auch Selbstportraits fotografieren, dank des Zeitverzögerungsmechanismus.

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Den Sommer verbrachte ich dann damit ein paar Filme mit den Momenten, die ich für würdig erachtete, zu belichten und überlegte dann, wie ich die Filme entwickeln sollte. Ein hessischer Fotograf, der fast nur analog arbeitete, gab mir einige Tipps, wie ich es selber machen könnte. Da ich aber keine Ahnung davon hatte und mich im Umgang mit den Chemikalien sehr unsicher fühlte, lagen die Filme dann ewig herum und warteten darauf zu enthüllen, was sie eingefangen hatten. Monate später ging ich mit allen Filmen in die Drogerie meines Vertrauens und warf die Filme auf gut Glück einfach mit in den Entwicklungsservice, den ich auch für die Canon 1000FN benutze.

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Ich ging dann jeden Tag nachsehen und war schon ganz aufgeregt, wie die Fotos wohl aussehen würden. Es dauerte ein paar Tage, aber ich hatte dann tatsächliche meine entwickelten Filme bekommen. Quadratische Kostbarkeiten, die ich mit einer Erwartung aus der Entwicklertasche riss. Ich muss zugeben, dass ich von mir und meinem fotografischen Auge zu viel erwartet habe. Die meisten Abzüge waren verschwommen oder überbelichtet. Aber was sollte man als Anfänger auch anderes erwarten? Gleich am nächsten Tag bin ich wieder mit der Pentacon losgezogen und habe nach einzigartigen Kompositionen gesucht. Der Film wird gerade entwickelt.

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