Last Summer Days

Gestern Abend hat mich die Abenteuerlust gepackt, als der Himmel anfing zu dämmern und ich mit dem Fahrrad in Richtung Knehden fuhr. Ich mag diese dunkle Stimmung im Sommer, denn dann kann ich so tun, als wäre es bereits Herbst. Also auf ins Abenteuer.

Die alte Asphaltstraße zog sich in die Länge und meine Reifen waren bereits mehr als platt und ich kam eigentlich nur schleppend voran, aber das störte mich nicht – denn eine leere Straße bei Dämmerung heißt gleichzeitig keine Menschen, die meinen Pfad kreuzen könnten. Der Weg ist gesäumt von Obstbäumen, die ihre Früchte so freiwillig darbieten, dass man nur noch die Hand ausstrecken muss, doch liegt das Obst faulig auf dem Boden und riecht gärig. Niemand scheint dieses Geschenk der Natur wertzuschätzen und so verfaulen ihre Schätze an der Straße. Äpfel, Pflaumen, Mirabellen.

Die Sonne im Westen wärmte mir noch kurz den Rücken, aber von Osten her verspürte ich eine leichte kühle Brise, die durch die Fasern meiner Jacke drang und die ersten Anzeichen des bevorstehenden Herbstes mitbrachte. Als ich das bemerkte fuhr ich ein wenig schneller, um die kalte Luft zu spüren, die mich die Hitze der letzten Wochen vergessen ließ. Die Pferdekoppel mit den Islandpferden war leer an diesem Abend, dennoch umhüllte die Sonne mit ihren letzten Strahlen die Gräser und abgebrochenen Äste mit einen leichten Schimmer. Der Wald lag still dar, keine Vögel waren zu hören. Absolute Stille. Die Felder sind bereits abgemäht, bis auf den Mais, der versucht sich aufrechtzuerhalten. In den wenigen Häusern an der Straße sind die Fenster geöffnet, um die Kühle willkommen zu heißen und das Zirpen der Grillen zu genießen.

Wolken ziehen vor die untergehende Sonne. Es wird jetzt wieder früher dunkel und die Krähen beginnen sich in Scharen zu sammeln. Ich fahre weiter zum alten Weinberg, der auf dem Hügel eine Eiche beherbergt, umringt von nichts weiter als dem Horizont. Der Radweg zieht sich hin, links der Beifuß, rechts das Springkraut. Die ersten gelben Blätter fallen tanzend zu Boden oder werden vom Wind in eine andere Richtung getragen. Ich begegne einem Jäger, der sich im Hochstand in Stellung bringt, um Ausschau nach Schwarzkitteln zu halten, die im Dickicht warten, dass die Nacht heran bricht, um nach Pilzen und schmackhaften Kräutern zu suchen. Ich lausche einen Moment, ob ich einen Schuss höre, doch es bleibt ruhig. Weiter an der Brücke vorbei, kann ich sehen, wie die Sonne sich allmählich hinter den Bäumen verabschiedet und schwarze Silhouetten zurücklässt.

Es ist kälter geworden und ein Gewitter zieht von Norden heran. Ich setzte mir die Grenze an den großen Strommasten, die sich über den Fichtenwald hinwegziehen, um den Rückweg nach Hause anzutreten. Der Asphalt des Radwegs sieht aus wie eine lange schwarze Zunge, die ins Nichts führt. Der Regen lässt nicht lange auf sich warten. Dicke Tropfen prasseln zu Boden, doch bei diesem kurzen Schauer sollte es bleiben. Ich genieße also die Kühle und die Einsamkeit. Diese Gefühle an einem der letzten Sommertage dieses Jahres lassen mich mit Vorfreude auf den Herbst blicken, wenn die Blätter fallen und der Nebel zurückkehrt zu mir.

Aufgenommen habe ich die Fotos mit der Sony Alpha 6000 und dem 16-50mm Objektiv.

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Abenteuer in Brandenburg

Sonntag – seit Tagen sind die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Die Sonne scheint, der Himmel ist klar – jedoch ist der Wind, der aus dem Osten über das Land weht, mehr als unnachsichtig. Ein kräftige Brise peitscht uns entgegen als wir mal wieder der Unruhe der Stadt entfliehen wollen. Z. und ich sind gemütliche Menschen, die gerne mal den Alltag an sich vorbeiziehen lassen. Aber sonntags packt uns hin und wieder die Abenteuerlust und wir ziehen los in unbekannte Gefilde – brandenburgische Gefilde.

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Brandenburg ist ein naturreiches Bundesland und wird von vielen Leuten unterschätzt – gut, wir haben keine Berge, aber dafür wunderschöne Kiefer- und Buchenwälder, Biber, Wölfe und hin und wieder auch mal einen Elch, der die Ortschaft in Aufruhr versetzt, wenn er durch die Gärten spaziert. Brandenburg ist meine Heimat, gesäumt von tausend Seen, kleinen Flüssen und einer Vielzahl an Naturschutzgebieten.

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Unser Flecken Land ist dünn besiedelt und deshalb ist hier wahrscheinlich die Flora und Fauna so unberührt. So auch unser Weg durch den Wald – keine Menschenseele, die uns begegnet – auf der Suche nach einer Fischerhütte, die ich irgendwann mal auf einem Bild gesehen habe. Ich habe nicht den blassesten Schimmer, wo ich suchen soll. Ich wusste nur, dass sie sich in der Nähe eines Sees befindet, der offiziell nirgends angegeben wurde.

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Das Auto holpert über den Waldweg, die Sonne wirft lange Schatten und lässt unsere Fahrt ein wenig wie eine Prozession wirken. Die Bäume umringen uns. Das GPS zeigt an, dass sich drei Seen in der Nähe befinden. Z. steuert den ersten an. Der See ist nicht mehr als ein Tümpel, gefroren und immer wieder ist ein „klonk“ zuhören, was wie eine fremde Lebensform durch den Wald hallt. Der Wind kennt auch hier kein Erbarmen und wir ziehen uns die Kapuzen tief ins Gesicht. Ich kann nicht glauben, dass sich diese Hütte nicht hier befindet. Ich spüre, dass sie irgendwo sein muss.

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Ein paar hundert Meter weiter befindet sich der nächste See, versteckt hinter einer Schneise, die wohl oft von Wildschweinen besucht wird. Der Boden ist aufgewühlt, aber gefroren, deswegen kann ich nicht erkennen, ob sie vor kurzem hier waren. Z. meint, dass es sich nicht lohnt noch weiter zu gehen, doch ich lasse mich nicht davon abbringen, nach dieser Hütte zu suchen. Wir gehen noch tiefer in den Wald, hören die Äste knacken und weichen umgestürzten Birken aus, debattieren über neues Schuhwerk zum Wandern und unserer Liebe zur Natur.

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Und endlich – dort steht sie. Verlassen und ein bisschen verfallen. Im kargen Buchenwald steht sie allein, umringt von gefrorenem Wasser und wartet darauf entdeckt zu werden. Nicht ein Mucks ist zu hören – typisch Brandenburg. Der Steg ist glatt, aber stabil und ich bin aufgeregt, dass mich meine Intuition hier her geführt hat. Z. traut sich gleich auf die Veranda und untersucht alles. Ich genieße den Ausblick und die Wärme der Sonne. Die Kälte hat meine Hände steif gefroren, aber das ist egal, denn ich bin da wo ich hin wollte. Das Holz der Hütte ist dunkel gefärbt, kein Strom, kein fließendes Wasser. Alles wirkt als wäre es aus einer anderen Zeit. Das Skelett eines alten Kahns liegt am Ufer, die Lappen auf der Leine wehen im Wind. Wir verweilen einen Moment, malen uns aus, wie wir hier im Sommer sitzen – abgeschieden von der Zivilisation.

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Ich bin glücklich – ich weiß, wo ich zuhause bin.

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