Analoges Tagträumen

Das Equipment, welches wir gebrauchen spielt nur eine kleine Rolle. Vielmehr kommt es darauf an, es zu beherrschen. – Sam Abell

Im vergangenen Jahr hat mich das Analog-Fieber wieder einmal gepackt und ich war auf der Suche nach einer Kamera mit Lichtschachtsucher. Ich wollte gleich in die große Liga einsteigen und hab mir einen Wolf gesucht, denn von diesen Kameras gab es viele und wenn man keine Ahnung davon hatte, wie ich, dann fand man sich im analogen Dschungel bald nicht mehr zurecht. Ich stieß auf die Pentax67 – ein richtig schönes altes Ding, doch zu teuer. Ich war Anfänger und wollte gleich das Beste vom Besten. Aber meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass teure Technik nicht gleich einen professionellen Fotografen aus mir macht. Also dachte ich mir, dass ich meiner Hausmarke Canon treu bleiben sollte und informierte mich über die Canon F-1. Die war aber fast genauso teuer wie die Pentax67 und so langsam verzweifelte ich, ob ich nun überhaupt noch die richtige Kamera finden würde.

IMG_0326

Vor Jahren hatte ich einmal drei alte analoge Kameras geschenkt bekommen, die leider nicht mehr funktionierten. Sie standen als schöne Deko in meinen Regal und starrten mich an – ich starrte zurück, sah mir die Objektive genauer an und suchte nach Carl Zeiss. Bing schlug jede Menge Objektive vor, ob alt oder neu, die waren nicht billig. Dann erschien ein Foto, welches swirly Bokeh aufwies, jeder der mich kennt, weiß, dass ich ein Bokeh-Fanatiker bin – und es war um mich geschehen. Ich öffnete den Link des Fotos und stieß auf die Pentacon SixTL, ein analoger Riese aus den 60gern. Tja, was soll ich sagen – es war Liebe auf den ersten Klick.

IMG_0281

Ich sog Youtube-Videos auf, die zeigten, wie man mit der Pentacon umgehen würde und wie die Arbeiten aussahen. Ich schlief eine Nacht darüber und beschloss mir diesen Metallklotz zu kaufen. Ich begab mich also weiter auf die Suche nach einem guten Angebot und wurde schnell fündig bei einem Fotografie-Museum, die noch eine Pentacon in gutem Zustand besaßen. Das war aber nur der Body. Ein Objektiv zu finden war dann wesentlich schwieriger. Die meisten kamen aus Russland oder der Ukraine und ich war mir unsicher, ob bei mir nicht eine russische Antiquität mit Glaspilz ankommen würde oder sogar mit gebrochener Linse. Dennoch war das Glück auf meiner Seite und ich konnte an ein Modell kommen, dass meinen Ansprüchen vollkommen genügte. Das Carl Zeiss Jena 80mm f2.8 stopfte nun das Loch zum analogen Traum.

IMG_0282

So, jetzt war die Welt erstmal spiegelverkehrt, als ich das erste Mal durch den Sucher schaute, man blickt nämlich von  oben rein und dann ist man erstmal etwas orientierungslos. Es gibt zwar noch andere Sucheraufsätze, aber den Lichtschachtsucher fand ich am besten. Ich bestellte mir dann den Portra 120mm-Film von Kodak, der 5 Filme mit jeweils 12 Abzügen enthielt und legte los. Das Fotografieren mit der Pentacon ist wirklich eine außergewöhnliche Erfahrung. Da die Anzahl an Bildern auf dem Film stark begrenzt ist, sollte man sich genau überlegen, was man fotografieren möchte. Die Pentacon ist keine Schnappschuss-Kamera, sie ist etwas für die besondere Gelegenheit, sie hebt sich von der Masse ab. Sie ist sehr schwer, deshalb nur mit zwei Händen zu bedienen, aber auf ein Stativ gespannt, kann man auch Selbstportraits fotografieren, dank des Zeitverzögerungsmechanismus.

IMG_0284

Den Sommer verbrachte ich dann damit ein paar Filme mit den Momenten, die ich für würdig erachtete, zu belichten und überlegte dann, wie ich die Filme entwickeln sollte. Ein hessischer Fotograf, der fast nur analog arbeitete, gab mir einige Tipps, wie ich es selber machen könnte. Da ich aber keine Ahnung davon hatte und mich im Umgang mit den Chemikalien sehr unsicher fühlte, lagen die Filme dann ewig herum und warteten darauf zu enthüllen, was sie eingefangen hatten. Monate später ging ich mit allen Filmen in die Drogerie meines Vertrauens und warf die Filme auf gut Glück einfach mit in den Entwicklungsservice, den ich auch für die Canon 1000FN benutze.

IMG_0280

Ich ging dann jeden Tag nachsehen und war schon ganz aufgeregt, wie die Fotos wohl aussehen würden. Es dauerte ein paar Tage, aber ich hatte dann tatsächliche meine entwickelten Filme bekommen. Quadratische Kostbarkeiten, die ich mit einer Erwartung aus der Entwicklertasche riss. Ich muss zugeben, dass ich von mir und meinem fotografischen Auge zu viel erwartet habe. Die meisten Abzüge waren verschwommen oder überbelichtet. Aber was sollte man als Anfänger auch anderes erwarten? Gleich am nächsten Tag bin ich wieder mit der Pentacon losgezogen und habe nach einzigartigen Kompositionen gesucht. Der Film wird gerade entwickelt.

IMG_0283IMG_0285

Werbeanzeigen

Eine Bibliothek aus Fotobüchern

Ich bin eine fleißige Leserin des Onlinemagazines „kwerfeldein„. Immer wieder werden dort Sachen vorgerstellt, die schnell das Herz eines jeden Fotografen höher schlagen lassen. So war es auch mit einem Fotobuch im Miniformat, eine tolle Möglichkeit für den Faulenzer von heute seine Sachen gedruckt zu bekommen oder einfach als kleines Geschenk, für die Leute, die immer meckern, dass man keine Prints verkauft. Das gibt es in drei verschiedenen Varianten und beginnt mit einem Preis von 4,95 €, also relativ günstig und erschwinglich in der Anschaffung.

IMG_1856IMG_1857IMG_1859

Ich bin zum Beispiel jemand, der es nie schafft Prints von seinen Arbeiten anfertigen zu lassen oder die Sachen einfach simpel auszudrucken und dann an die Wand zu hängen. In meiner Wohnung hängt nicht ein einziges Bild meiner Arbeiten. Alle verstauben in digitalen Räumen oder Festplatten. Ich wühle mich dann durch die Massen von Kontent, den ich produziert habe und kann mich an die meisten Sachen gar nicht mehr erinnern oder frage mich, warum ich mich nicht an meiner eigenen Kunst ergötzen kann. Lieber sehe ich meine Fotos über Social-Media-Plattformen auf Bildschirmen flimmern, als dass ich es auch in Händen halten könnte. Damit sollte jetzt Schluss sein. Ich habe bereits Anfang des Jahres damit begonnen meine liebsten Werke auszuwählen und sie in einem Fotobuch zu verewigen. Das Problem war dann aber, dass ich mich schlecht entscheiden konnte und am liebsten jedem Thema ein Buch gegönnt hätte. Doch das wäre mein finanzieller Ruin, auch wenn ich danach eine Bibliothek mit Fotobüchern eröffnen könnte. Natürlich würde diese Bibliothek meinen Namen tragen und sie wäre ein Art Vermächtnis an mich selbst, aber so ich-bezogen bin ich nicht.

IMG_1862IMG_1866IMG_1873

Deshalb war für mich das Angebot von FotoPremio dann die beste Entscheidung meiner Leidenschaft zur Ewigkeit zu verhelfen und noch nicht mal viel Geld dafür ausgeben zu müssen. Ich will jetzt hier auch gar nicht noch darauf eingehen, wie sich die Seite gestaltet und wie man dort ein Buch erstellen kann. Katja von Kwerfeldein hat das alles bereits sehr schön in ihrem Post rezensiert, also kann man sich das gerne selber durchlesen und ich erspare mir die Mühe, dasselbe noch einmal zu erklären.

Mein Fazit: Ich bin mit diesen kleinen Fotobüchern mehr als zufrieden, kann sie in mehreren Stückzahlen drucken lassen und dann damit machen was ich will. Ob nun als Geschenk an mich selbst oder andere, Mini-Portfolio für unterwegs und in die Tasche gesteckt oder doch für die Eröffnung meiner eigenen Bibliothek.

IMG_1875