La Bohème

Nach zwei Monaten ohne Bloggen hab ich mich ja bereits im letzten Beitrag gefragt, wie lange ich das hier noch machen möchte. Jemand hat geschrieben, dass ich solange weiter machen soll, wie es Spaß macht und ich muss sagen, dass es mir immer Spaß gemacht hat. Raus zu gehen in die Natur, Musik im Ohr und die Kamera in der Hand. Sich Gedanken machen, was mich bewegt, Ideen auszuprobieren – Kunst zu machen. So hat es auch nach diesem Dilemma nicht lange gedauert, dass ich wieder losgezogen bin und dem nachgegangen bin, was ich sonst so tue. Und ich muss sagen – es war befreiend. Genauso wie es jetzt gerade befreiend ist in die Tasten zu hauen und mir genau das von der Seele zu schreiben.

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Ich habe Identitätskrisen – mehrmals im Jahr. Ich lösche alles was es über mich im Internet zu finden gibt, verbanne meine digitale Scheinidentität, um dann nach zwei Wochen mit einem neuen Pseudonym aus dem Sumpf der Contentcreater zu kriechen und die selbe Masche zu fahren wie bisher – meist mit dem gleichen Erfolg oder noch weniger.  Das Leben als Künstler ist schwer – ob als Fotograf, Autor, Musiker oder sonst was. Du reißt dir den Arsch auf für nichts und wieder nichts. Wie lange dauert es Content zu kreieren? Wieviele Stunden hat man an den Arrangements gesessen? Wie viele Gedanken sind wieder gecancelt worden? Wer soll erreicht werden? Was willst du aussagen?

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Tausend Fragen und das Endergebnis? Für die Katz. Es ist wirklich erschreckend, wie wenig die Arbeit eines Künstlers gewertschätzt wird. Wenn nicht innerhalb der ersten Stunde genug Leute deine Kunst gesehen haben, verschwindet sie schneller in der Versenkung als du gucken kannst. Die Plattformen verschlucken dich einfach und spülen dich den Abfluss runter zu den ganzen anderen Individualisten, die da unten schwimmen, weil sie kein Geld für die VIP-Lounge ausgeben wollten oder die Sponsoren nicht da sind. Dann lieber im kleinsten Kreis präsentieren, um die Leute anzulocken, die sich wirklich für Kunst interessieren. Aber in was für einer Welt leben wir, in der man für seine eigene Kreativität bezahlen muss, um sie an den Mann zu bringen? Muss neuerdings alles exklusiv sein um interessant zu sein? Unvorstellbar – aber wahr.

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Menschen passen sich an und wenn sie nicht nach irgendetwas streben, dann sind sie nicht glücklich. Nur, dass das Glück heute nicht mehr darin besteht selbstständig zu sein, sich sein Essen selber zu kochen oder einfach das zu tun was man soll, sondern aus Followern, neusten Trends und der meisten Reichweite. Man wird quasi dazu gezwungen ständig seine Arbeit schlecht zu reden, weil jemand anders es besser gemacht hat und mehr Leute erreicht hat. Soll man die Kunst an den Nagel hängen? Das nagt am Selbstwertgefühl und das widerum führt dazu, dass man zu irgendwelchen Influencern aufblickt, die Dinge kauft, die genannte präsentieren und es ihnen gleich tun will. Doch der Traum platzt so schnell wie eine Seifenblase und man landet direkt wieder auf dem Boden der Tatsachen neben den Rechnungen, die sich nicht durch Advertisement und Affiliatelinks bezahlen lassen.

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Ich bin wieder vom Thema abgekommen, hab ich überhaupt ein Thema? Keine Ahnung. Naja, jedenfalls denke ich, dass das hier mit dem Blog unter dem Pseudonym Wanheda Wild unter Umständen weitergeht. Erstmal als Fotogalerie, weil ich keine andere Plattform kenne, auf der ich meine Arbeiten sonst hochladen könnte. Ich werde auch meine Seele nicht auf der nächst besten Kreuzung an einen Dämon verkaufen, nur weil ich irgendetwas sein könnte, was ich nicht will. Ich selbst bin die beste Form mich so auszudrücken wie ich bin, genau auf diese Weise wie ich es bisher getan habe. Ich wüsste nicht, wie ich mich neu erfinden sollte, um mein altes Ich am Strassenrand liegen zu lassen und in den nächsten Hippiebus gen Nirwana zu springen, der mir das Blaue vom Himmel verspricht und ich mich besser fühlen würde denn je. Deshalb werde ich weiter der „brotlosen Kunst“ – wie Z. immer so schön sagt – fröhnen und mich freuen, wenn jemand sagt, dass ihm das gefällt, was ich tue.

Von daher „viva la vie bohème!“.

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Wilder´s Diaries

Ich reise niemals ohne mein Tagebuch. Man sollte immer etwas Aufregendes zu lesen bei sich haben.

– Oscar Wilde

Ich und mein Iphone – es ist manchmal mein Tagebuch, hält die Augenblicke für mich fest, wenn ich schon gar nicht mehr dran denke. Über die letzten Monate hat sich einiges an Material angehäuft und ich musste mal wieder meinen Feed entrümpeln und Platz schaffen für Neues. Es ist irgendwie merkwürdig welche Perspektiven mit dem IPhone entstehen, die ich mit meiner DSLR so gut wie nie nutze. Ich hab bei Instagram einen Account unter dem Namen wildersdiaries angelegt, der schon einiges an Schnappschüssen festhält. Aber hier kommen nun die schönsten Fotos zusammen, die ich über den Sommer/Herbst gemacht habe. Die Kategorie IPhonography wird somit in Wilder´s Diaries fallen, weil es besser zur Ästhetik des Blogs passt.

Die Stimmung der Fotos ist sehr düster, obwohl es an diesem Tag sehr heiß war. Der Juni war geprägt von dunklen Himmeln und dem Geruch von Weizen.

Ende Juli war es genauso heiß und die Lust am Fotografieren ist mit jeder Sekunde geschmolzen unter der unbarmherzigen Hand der Sonne.

Der erste Regen nach Monaten hing noch in der Luft an diesem frühen Morgen. Der August stimmte langsam auf den Herbst ein, denn überall gab es bereits herabfallende Blätter. Auch der lang Urlaub ging langsam zu Ende.

Staub, überall Staub. Die Felder waren bereits abgemäht in diesen ersten Septemberwochen und der Boden lächzte immer noch nach Feuchtigkeit. Alles was ich fand waren Dürre und Verwesung.

Wieder im Arbeitsalltag angekommen waren Ausflüge in den Wald leider Mangelware, doch ich nahm mir die Zeit und bin mit Z. in neue Gefilde aufgebrochen. Der Wald war still Ende September, gab mir aber neue Energie und Vorfreude auf den Herbst.

Und da ist er nun – der Oktober. Rote Himmel, fallende Blätter und ein pfeifender Wind. Die Sonne steht tief und zaubert einen goldenen Schimmer über alles was sich bewegt. Der Altweibersommer scheint dieses Jahr nicht zu Ende gehen zu wollen.

Was soll ich sagen? Der Herbst ist endlich da, auch wenn man noch keine Mütze braucht.

Ein kühler Morgen mitte Oktober. Die Kraniche ruhen auf den Feldern und der Dunst sammelt sich mit der aufgehenden Sonne auf dem See. Die Dörfer sind ruhig und ich bahne mir einen Weg raus aus der Zivilisation.

Keine Götter des Olymp

An manchen Tagen kann ich meinen Schatten nicht sehen, er ist mir wohl entflogt. An anderen Tagen folgt er mich auf Schritt und Tritt, denn er ist der einzige Follower, der real ist – nämlich ich.

Tja, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. So trist wie das Wetter heute ist, so ist auch meine momentane Stimmung auf den Blog und das Internet. In der letzen Zeit war ich kaum noch kreativ, weil ich mich ständig mit anderen verglichen habe oder etwas kreieren wollte, das ich eigentlich gar nicht bin. Auf der Suche nach der Aufmerksamkeit  derer, die man anhimmelt und vergöttert. Ich mache mich selbst klein, weil ich denke, dass meine Helden und Götter über mir stehen und ich mit ihnen nie auf einer Stufe stehen werde.

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Doch die Helden und Götter, die den Olymp des Internets erklommen haben, sind auch nur Sterbliche, die dafür sorgen, dass ich meine eigene Realität verzerre und sie zu etwas mache, was sie nicht sind. Das mag sich jetzt abgeschmackt anhören, aber ich habe mir geschworen, jeden wie den Nachbarn von nebenan zu sehen. Man kennt sich vom Sehen und tauscht einen Gruß aus, hört hin und wieder ein Gerücht, doch eigentlich kennt man sich überhaupt nicht. Gleichermaßen ist das mit den Leuten, die man nur aus dem Internet kennt.

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Wenn etwas angepriesen wird, was unbedingt in meinen Besitz kommen muss, die Meinung zum Thema Nachhaltigkeit und Second-Hand-Kleidung angelegt wird oder  man gar die selbe Haarfarbe wie sein Lieblings-Influencer hat, dann assoziieren wir die kleinsten Gemeinsamkeiten als eine Art Verbindung, die man aber auch mit tausend anderen Menschen gemeinsam hat. Das ist ein Phänomen, das ich auch an mir selbst beobachtet habe, mich habe so beeinflussen lassen von den Meinungen dieser Internet-Helden, dass ich mich im Spiegel selber nicht mehr erkannt habe. Erschreckend, wie schnell man auf das Rad mit aufsteigt, um sich vorzugaukeln, dass man dadurch zu jemand besserem wird.

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Und das ist das, was mich wütend macht. Wir sind immer weniger wir selbst und werden immer schneller zu jemand anderem. Es gibt genug Menschen da draußen, die uns weiß machen wollen, dass sie es ehrlich mit uns meinen und davor warnen, dass ihr Leben hinter dem Bildschirm auch nicht rosig ist. Authentisch nennt man das, doch wissen wir genau, dass es nur um Folgendes geht: mehr Follower, mehr Produktplatzierungen, mehr Bewunderung. Und so geht dieser Teufelskreis wieder von vorn los. Like hier, Kommentar da, weil der Influencer ein Foto ohne Make-Up gepostet hat, sich aber mit den Beauty-Produkten von XXX am besten fühlt und diese zufällig in der Hand hält.

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Doch das ist das, was die meisten von euch ausblenden. Denn ihr wollt so sein wie sie. Und schon steht man wieder unten am Olymp, senkt bedächtig das Haupt und hält die neue Kerbholz empor, um den Göttern zu huldigen und gesehen zu werden. Ich habe selber zu diesen huldigenden und gottesfürchtigen Individuen gezählt, das kann ich mir eingestehen ohne im Konflikt mit mir zu sein. Jeder Mensch zeigt Schwäche, denn sie ist natürlich, nur stärker geht man daraus hervor, wenn man sie sich auch eingestehen kann.

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Man nehme diesen Blogbeitrag so wie man will: als Reflexion für sich selbst, um auf die Blogger und Influencer zu schimpfen oder als Warnung es anders zu machen. Lesen, teilen, kommentieren, ignorieren – macht damit was ihr wollt. Ich fühle mich jetzt jedenfalls freier.

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