Smother

In the darkness I will meet my creators
And they will all agree, that I’m a suffocator

I should go now quietly
For my bones have found a place to lie down and sleep
Where all my layers can become reeds
All my limbs can become trees
All my children can become me
What a mess I leave

Smother – Daughter

Es kommt wie ein Dolchstoß, wenn ich mich gerade in einem „glücklichen“ Moment befinde. Eben hatte ich noch die Kontrolle und plötzlich bin ich wie eine im Meer Umhertreibende an ein Stück Treibholz geklammert, das sich Hoffnung nennt, auf der Suche nach einem Stück Land, das mir wieder Boden unter den Füßen gibt. Irgendwo dort ist eine Kiste mit Wundern vergraben, die ich nur aus der Erde holen darf, wenn ich sie wirklich brauche. Die Schaufel habe ich weggeworfen, damit es nicht zu einfach für mich ist, an die Wunder heran zu kommen, sie einfach zu verschwenden, wenn mir danach ist. 10 Fuß entfernt von dem, was es zu unterdrücken gilt, wühle ich die Erde auf. Ich reiße sie auf, weil ich es nicht mehr aushalte. Ich reiße mir die Fingernägel ab, schlucke die schwarze Erde, die mir entgegen fliegt, auf die Gier nach einem Wunder. Ich spüre das Holz unter meinen Nägeln kratzen und hole die Truhe aus ihrem dunklen Verließ. Jetzt oder nie…

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Analoges Tagträumen

Das Equipment, welches wir gebrauchen spielt nur eine kleine Rolle. Vielmehr kommt es darauf an, es zu beherrschen. – Sam Abell

Im vergangenen Jahr hat mich das Analog-Fieber wieder einmal gepackt und ich war auf der Suche nach einer Kamera mit Lichtschachtsucher. Ich wollte gleich in die große Liga einsteigen und hab mir einen Wolf gesucht, denn von diesen Kameras gab es viele und wenn man keine Ahnung davon hatte, wie ich, dann fand man sich im analogen Dschungel bald nicht mehr zurecht. Ich stieß auf die Pentax67 – ein richtig schönes altes Ding, doch zu teuer. Ich war Anfänger und wollte gleich das Beste vom Besten. Aber meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass teure Technik nicht gleich einen professionellen Fotografen aus mir macht. Also dachte ich mir, dass ich meiner Hausmarke Canon treu bleiben sollte und informierte mich über die Canon F-1. Die war aber fast genauso teuer wie die Pentax67 und so langsam verzweifelte ich, ob ich nun überhaupt noch die richtige Kamera finden würde.

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Vor Jahren hatte ich einmal drei alte analoge Kameras geschenkt bekommen, die leider nicht mehr funktionierten. Sie standen als schöne Deko in meinen Regal und starrten mich an – ich starrte zurück, sah mir die Objektive genauer an und suchte nach Carl Zeiss. Bing schlug jede Menge Objektive vor, ob alt oder neu, die waren nicht billig. Dann erschien ein Foto, welches swirly Bokeh aufwies, jeder der mich kennt, weiß, dass ich ein Bokeh-Fanatiker bin – und es war um mich geschehen. Ich öffnete den Link des Fotos und stieß auf die Pentacon SixTL, ein analoger Riese aus den 60gern. Tja, was soll ich sagen – es war Liebe auf den ersten Klick.

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Ich sog Youtube-Videos auf, die zeigten, wie man mit der Pentacon umgehen würde und wie die Arbeiten aussahen. Ich schlief eine Nacht darüber und beschloss mir diesen Metallklotz zu kaufen. Ich begab mich also weiter auf die Suche nach einem guten Angebot und wurde schnell fündig bei einem Fotografie-Museum, die noch eine Pentacon in gutem Zustand besaßen. Das war aber nur der Body. Ein Objektiv zu finden war dann wesentlich schwieriger. Die meisten kamen aus Russland oder der Ukraine und ich war mir unsicher, ob bei mir nicht eine russische Antiquität mit Glaspilz ankommen würde oder sogar mit gebrochener Linse. Dennoch war das Glück auf meiner Seite und ich konnte an ein Modell kommen, dass meinen Ansprüchen vollkommen genügte. Das Carl Zeiss Jena 80mm f2.8 stopfte nun das Loch zum analogen Traum.

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So, jetzt war die Welt erstmal spiegelverkehrt, als ich das erste Mal durch den Sucher schaute, man blickt nämlich von  oben rein und dann ist man erstmal etwas orientierungslos. Es gibt zwar noch andere Sucheraufsätze, aber den Lichtschachtsucher fand ich am besten. Ich bestellte mir dann den Portra 120mm-Film von Kodak, der 5 Filme mit jeweils 12 Abzügen enthielt und legte los. Das Fotografieren mit der Pentacon ist wirklich eine außergewöhnliche Erfahrung. Da die Anzahl an Bildern auf dem Film stark begrenzt ist, sollte man sich genau überlegen, was man fotografieren möchte. Die Pentacon ist keine Schnappschuss-Kamera, sie ist etwas für die besondere Gelegenheit, sie hebt sich von der Masse ab. Sie ist sehr schwer, deshalb nur mit zwei Händen zu bedienen, aber auf ein Stativ gespannt, kann man auch Selbstportraits fotografieren, dank des Zeitverzögerungsmechanismus.

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Den Sommer verbrachte ich dann damit ein paar Filme mit den Momenten, die ich für würdig erachtete, zu belichten und überlegte dann, wie ich die Filme entwickeln sollte. Ein hessischer Fotograf, der fast nur analog arbeitete, gab mir einige Tipps, wie ich es selber machen könnte. Da ich aber keine Ahnung davon hatte und mich im Umgang mit den Chemikalien sehr unsicher fühlte, lagen die Filme dann ewig herum und warteten darauf zu enthüllen, was sie eingefangen hatten. Monate später ging ich mit allen Filmen in die Drogerie meines Vertrauens und warf die Filme auf gut Glück einfach mit in den Entwicklungsservice, den ich auch für die Canon 1000FN benutze.

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Ich ging dann jeden Tag nachsehen und war schon ganz aufgeregt, wie die Fotos wohl aussehen würden. Es dauerte ein paar Tage, aber ich hatte dann tatsächliche meine entwickelten Filme bekommen. Quadratische Kostbarkeiten, die ich mit einer Erwartung aus der Entwicklertasche riss. Ich muss zugeben, dass ich von mir und meinem fotografischen Auge zu viel erwartet habe. Die meisten Abzüge waren verschwommen oder überbelichtet. Aber was sollte man als Anfänger auch anderes erwarten? Gleich am nächsten Tag bin ich wieder mit der Pentacon losgezogen und habe nach einzigartigen Kompositionen gesucht. Der Film wird gerade entwickelt.

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Rückkehr

Es ist Winter, doch das sanfte Kleid des Schnees bleibt den Hallen meiner Heimat fern. Alles was geblieben ist, ist die weiße Unendlichkeit – ein Dunst aus verblassten Leben und Erinnerungen. Sie lässt mich unablässig in die Ferne blicken, auf der Suche nach einem bekannten Gesicht. Doch niemand tritt hinter dem Schleier hervor oder vermag sich meiner zu erinnern.

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Eine Grenze zwischen dieser und der nächsten Welt gibt es nicht. Die Grenze, die ich mir selbst schaffe, ist die zwischen Wahnsinn und Verstand. Den Unterschied erkannte ich erst als es bereits zu spät war. Zu weit war ich vom Ufer abgetrieben in den Gewässern meines Bewusstseins und habe den Rückweg nicht mehr finden können. Auf der anderen Seite war es ruhig. Totenstill. Meine Gedanken fingen an zu kreisen. Leben, Geschichten, Träume, Verlust, Erinnerungen – alle kamen dort zu Tage, wo sie eingeschlossen waren. All die Stimmen werden lauter – ich habe den Verstand verloren. Ich habe euch begraben!

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Ich habe eure kalten Leiber in die Erde gelegt. Es war nicht mehr viel davon übrig. Gebrochene Hüllen, kalt, starr, ohne vollendetes Lebensziel. Ich habe euch dem Jenseits übergeben und dennoch verfolgt ihr mich in meinen Träumen wie ein Diarium längst vergessener Zeiten. Ihr wart einst wie ich. Ich war einst wie ihr. Oder bin ich wie ihr? Ein Geist, der andere heimsucht, um sie die Angst spüren zu lassen, die sie mich einst spüren ließen?

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Ich war lange fort und hatte gehofft, dass ich bei meiner Rückkehr etwas wiederfinden würde, dass ich vor langer Zeit verloren hatte. Ich erinnere mich an das Selbst, dass ich einst hier zurück gelassen haben, doch jetzt liegt es verscharrt zwischen Matsch, Blut und zerbrochenen Träumen. Eine innere Leere kleidet mich aus, die mit nichts in der Welt gefüllt werden kann als dem sanften Klang der Äste im Wind.

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Orientierung

Ich blicke nach Osten, dann nach Westen. Zwei verschiedene Richtungen, die ich einschlagen könnte, doch wofür soll ich mich entscheiden? Die Karte vor mir fordert diese Entscheidung. Ahnungslos was auf der anderen Seite auf mich lauert, verharre ich an der Stelle, an der sich mein Leben verändern könnte.

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Wie soll ich diese Entscheidung treffen? Woran mache ich sie fest? Ist es die Intuition, im richtigen Moment, die richtige Entscheidung zu treffen? Ist es Schicksal, welches schon seit ewigen Zeiten vorherbestimmt ist und auf den Tag seiner Erfüllung wartet? Oder sind es chemischen Prozesse, die in unseren Gehirnen ablaufen? Vielleicht habe ich die Entscheidung bereits getroffen, kann mich nur nicht mehr daran erinnern, weil es in einem anderen Leben passiert ist. Wann habe ich dieses andere Leben gelebt? In der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft? Wer war das ich von gestern und wer wird das ich von morgen sein? Sind meine Entscheidungen dort richtig gewesen oder werden sie es sein?

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Ich kreuze die Wege vieler Menschen auf meiner Reise in die Zukunft. Ich berühre ihr Leben und sie berühren meines. Ich orientiere mich an ihnen, nehme mit, was sie mir zu sagen haben, gebe ihnen etwas anderes dafür. Woher stammt dieses Wissen? Umhüllt es uns wie eine höhere Macht, nährt es uns, wann immer wir auf der Suche nach dem Sinn sind, um zu tun, was wir tun?  Woran orientieren wir uns, wenn es um Entscheidungen geht? An Paragraphen, dem Moralkodex oder den Steinen, die jemand zu Boden wirft? Doch warum? Es ist immer wieder die selbe Frage, die sich mir stellt. Warum ist eine große Frage und es gibt darauf viel zu viele Antworten. Doch die Wahrheit ist: es gibt nie die richtige Antwort.

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Manchmal wünschte ich mir, ich wäre ein Vogel. Dann könnte ich mich am Magnetfeld der Erde orientieren, um den richtigen Weg zu finden. Doch ich blicke in alle vier Himmelsrichtungen und habe immer noch die Qual der Wahl. Mein innerer Kompass lenkt mich letztendlich auf den Weg, der mit meinen bisherigen Entscheidungen am meisten übereinstimmt und sieht sich damit auf der sicheren Seite. Ist es dann wirklich noch meine Entscheidung oder habe ich sie schon getroffen, als ich den Weg gewählt habe? Diese Frage wird wahrscheinlich nie beantwortet werden, aber das ist auch nicht so wichtig. Ich gehe den Weg, den ich mit einer leichten Vorahnung für richtig halte und tauche ein in das Meer der Unwissenheit. Verloren oder doch gefunden wie ein Verschollener auf See.

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Raus aus der Stille

„Das Gewissen macht uns alle zu Egoisten.“ – Oscar Wilde

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Kennt ihr das? Man sitzt allein in seiner Wohnung und es ist nichts zu hören? Die Leere kann beruhigend sein, wenn man dem Lärm des Tages entfliehen will. Doch auf Dauer ist es ein Gefängnis der Stille. Kein Knarren der Holzdielen, kein Schleifen von nackten Füßen über dem Boden, kein Zeichen von Leben. Es stauen sich Gefühle an, die man nicht loswerden kann, wenn man sich allein fühlt. Einsamkeit, Angst, Verzweiflung. Ein Karussell aus Emotionen beginnt sich zu drehen und man ist der einzige Fahrgast. Das Karussell hält nicht an, wenn man es will. Es dreht sich und zieht einen weiter in den Strudel, dem man so verzweifelnd zu entkommen versucht. Alles was man hört ist der Herzschlag im Brustkorb, ein Takt, der vorgibt in welche Richtung es geht. Schneller, denn jede Gedankenwelle die sich im Inneren bricht, könnte die letzte sein. Der Atem gerät ins Stocken, eine sich anbahnende Ohnmacht versucht die Kontrolle über den Körper zu übernehmen. Doch irgendwie schafft man es sich aufzuraffen, sich nicht dem Kontrollverlust hinzugeben, weil man weiß, dass es nicht hilft. Langsam, manchmal dauert es eine ganze Nacht, wird man sich der Dinge bewusst, die geschehen sind. All diese Emotionen – sie müssen bekämpft werden. Mauern müssen eingerissen werden, um ihnen den Raum zu nehmen, den sie versuchen einzunehmen.

Es ist schwierig sich allein aus dem Sog zu befreien, so sollte man niemals ein schlechtes Gewissen, wenn man um Hilfe bittet, deshalb ruft eure Freunde an, auch wenn sie noch soweit weg wohnen. Reden hilft und lachen erst recht.

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