Wilder´s Diaries

Ich reise niemals ohne mein Tagebuch. Man sollte immer etwas Aufregendes zu lesen bei sich haben.

– Oscar Wilde

Ich und mein Iphone – es ist manchmal mein Tagebuch, hält die Augenblicke für mich fest, wenn ich schon gar nicht mehr dran denke. Über die letzten Monate hat sich einiges an Material angehäuft und ich musste mal wieder meinen Feed entrümpeln und Platz schaffen für Neues. Es ist irgendwie merkwürdig welche Perspektiven mit dem IPhone entstehen, die ich mit meiner DSLR so gut wie nie nutze. Ich hab bei Instagram einen Account unter dem Namen wildersdiaries angelegt, der schon einiges an Schnappschüssen festhält. Aber hier kommen nun die schönsten Fotos zusammen, die ich über den Sommer/Herbst gemacht habe. Die Kategorie IPhonography wird somit in Wilder´s Diaries fallen, weil es besser zur Ästhetik des Blogs passt.

Die Stimmung der Fotos ist sehr düster, obwohl es an diesem Tag sehr heiß war. Der Juni war geprägt von dunklen Himmeln und dem Geruch von Weizen.

Ende Juli war es genauso heiß und die Lust am Fotografieren ist mit jeder Sekunde geschmolzen unter der unbarmherzigen Hand der Sonne.

Der erste Regen nach Monaten hing noch in der Luft an diesem frühen Morgen. Der August stimmte langsam auf den Herbst ein, denn überall gab es bereits herabfallende Blätter. Auch der lang Urlaub ging langsam zu Ende.

Staub, überall Staub. Die Felder waren bereits abgemäht in diesen ersten Septemberwochen und der Boden lächzte immer noch nach Feuchtigkeit. Alles was ich fand waren Dürre und Verwesung.

Wieder im Arbeitsalltag angekommen waren Ausflüge in den Wald leider Mangelware, doch ich nahm mir die Zeit und bin mit Z. in neue Gefilde aufgebrochen. Der Wald war still Ende September, gab mir aber neue Energie und Vorfreude auf den Herbst.

Und da ist er nun – der Oktober. Rote Himmel, fallende Blätter und ein pfeifender Wind. Die Sonne steht tief und zaubert einen goldenen Schimmer über alles was sich bewegt. Der Altweibersommer scheint dieses Jahr nicht zu Ende gehen zu wollen.

Was soll ich sagen? Der Herbst ist endlich da, auch wenn man noch keine Mütze braucht.

Ein kühler Morgen mitte Oktober. Die Kraniche ruhen auf den Feldern und der Dunst sammelt sich mit der aufgehenden Sonne auf dem See. Die Dörfer sind ruhig und ich bahne mir einen Weg raus aus der Zivilisation.

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Abenteuer in Brandenburg

Sonntag – seit Tagen sind die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Die Sonne scheint, der Himmel ist klar – jedoch ist der Wind, der aus dem Osten über das Land weht, mehr als unnachsichtig. Ein kräftige Brise peitscht uns entgegen als wir mal wieder der Unruhe der Stadt entfliehen wollen. Z. und ich sind gemütliche Menschen, die gerne mal den Alltag an sich vorbeiziehen lassen. Aber sonntags packt uns hin und wieder die Abenteuerlust und wir ziehen los in unbekannte Gefilde – brandenburgische Gefilde.

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Brandenburg ist ein naturreiches Bundesland und wird von vielen Leuten unterschätzt – gut, wir haben keine Berge, aber dafür wunderschöne Kiefer- und Buchenwälder, Biber, Wölfe und hin und wieder auch mal einen Elch, der die Ortschaft in Aufruhr versetzt, wenn er durch die Gärten spaziert. Brandenburg ist meine Heimat, gesäumt von tausend Seen, kleinen Flüssen und einer Vielzahl an Naturschutzgebieten.

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Unser Flecken Land ist dünn besiedelt und deshalb ist hier wahrscheinlich die Flora und Fauna so unberührt. So auch unser Weg durch den Wald – keine Menschenseele, die uns begegnet – auf der Suche nach einer Fischerhütte, die ich irgendwann mal auf einem Bild gesehen habe. Ich habe nicht den blassesten Schimmer, wo ich suchen soll. Ich wusste nur, dass sie sich in der Nähe eines Sees befindet, der offiziell nirgends angegeben wurde.

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Das Auto holpert über den Waldweg, die Sonne wirft lange Schatten und lässt unsere Fahrt ein wenig wie eine Prozession wirken. Die Bäume umringen uns. Das GPS zeigt an, dass sich drei Seen in der Nähe befinden. Z. steuert den ersten an. Der See ist nicht mehr als ein Tümpel, gefroren und immer wieder ist ein „klonk“ zuhören, was wie eine fremde Lebensform durch den Wald hallt. Der Wind kennt auch hier kein Erbarmen und wir ziehen uns die Kapuzen tief ins Gesicht. Ich kann nicht glauben, dass sich diese Hütte nicht hier befindet. Ich spüre, dass sie irgendwo sein muss.

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Ein paar hundert Meter weiter befindet sich der nächste See, versteckt hinter einer Schneise, die wohl oft von Wildschweinen besucht wird. Der Boden ist aufgewühlt, aber gefroren, deswegen kann ich nicht erkennen, ob sie vor kurzem hier waren. Z. meint, dass es sich nicht lohnt noch weiter zu gehen, doch ich lasse mich nicht davon abbringen, nach dieser Hütte zu suchen. Wir gehen noch tiefer in den Wald, hören die Äste knacken und weichen umgestürzten Birken aus, debattieren über neues Schuhwerk zum Wandern und unserer Liebe zur Natur.

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Und endlich – dort steht sie. Verlassen und ein bisschen verfallen. Im kargen Buchenwald steht sie allein, umringt von gefrorenem Wasser und wartet darauf entdeckt zu werden. Nicht ein Mucks ist zu hören – typisch Brandenburg. Der Steg ist glatt, aber stabil und ich bin aufgeregt, dass mich meine Intuition hier her geführt hat. Z. traut sich gleich auf die Veranda und untersucht alles. Ich genieße den Ausblick und die Wärme der Sonne. Die Kälte hat meine Hände steif gefroren, aber das ist egal, denn ich bin da wo ich hin wollte. Das Holz der Hütte ist dunkel gefärbt, kein Strom, kein fließendes Wasser. Alles wirkt als wäre es aus einer anderen Zeit. Das Skelett eines alten Kahns liegt am Ufer, die Lappen auf der Leine wehen im Wind. Wir verweilen einen Moment, malen uns aus, wie wir hier im Sommer sitzen – abgeschieden von der Zivilisation.

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Ich bin glücklich – ich weiß, wo ich zuhause bin.

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