Selbstfürsorge

Wohin gehe ich, wenn ich allein sein möchte? Wohin, wenn alles um mich herum zu explodieren droht? Ich gehe nicht in mich, denn in der lauten Gesellschaft anderer Menschen schaffe ich das nicht. Ich brauche einen Rückzugsort, fernab von allem, was mich täglich umgibt. Manchmal klettere ich über Mauern, übersehe ganz bewusst das „Betreten verboten“, um etwas Zeit für mich zu haben. Man mag von mir denken, ich wäre einsam und hätte niemanden zum Reden, doch die Wahrheit ist: ich bin einfach gern allein. Dort ist niemand der mich bevormundet oder versucht mich umzukrempeln. Ich erwische mich viel zu oft dabei, wie ich versuche es anderen recht zu machen, nur mir selbst nicht.

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Mein Gehirn fühlt sich ausgewaschen an, es ist dreckig, weil mich jeder mit seinen Problemen oder sinnlosen Gedankenwelten belastet. Diese Seelenjäger, die überall warten und sich in mir einnisten wollen, um mich meiner Energie zu berauben. Sie wollen, dass ihre Probleme zu meinen werden und ich mache mir über das Seelenleben anderer Menschen mehr Gedanken als über mein eigenes. Ich spüre, wie ich beginne von innen zu verrotten, wie ich geistig zerfalle, weil alles andere wichtiger erscheint als ich selbst. Ich brauche frische Luft und Freiheit zum Denken. Diese Gedanken, die nicht mir gehören, müssen raus – deshalb muss ich weg. Mich auf die Suche nach neuen Wegen machen, um dem zu entfliehen, wozu andere mich machen wollen – ihrem Sklaven.

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Alles was ich dagegen tun kann ist, die Wege dieser Dinge nicht zu kreuzen und einfach zu verschwinden, mich in meinen eigenen Kaskaden zu verbarrikadieren und niemanden hineinzulassen. Doch irgendetwas hält mich hier, hält mich fest wie ein Magnet ohne das ich nicht existieren kann und sorgt dafür, dass ich die Tore nicht verschließen kann. Ich suche einen Ausweg, aber er ist nie so weit entfernt, dass ich nicht wieder zurückkehren kann. Und so suche ich nach neuen Wegen, um meine Zeit zu verschwenden, nicht an die Probleme anderer zu denken. Egoistisch würde man mich nennen, doch ich nenne es Selbstfürsorge.

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Meine Gedanken können frei existieren, mich umkreisen, mich verschlingen, sie flüstern mir ins Ohr oder schreien mir direkt ins Gesicht, doch ohne sie fühle ich mich taub. Ich brauche sie – sie zu verdrängen wäre als würde ich ein wildes Tier in einen Käfig sperren und sie würden gegen die Gitterstäbe drücken bis sie zu bersten drohen. Ich lasse sie also frei – schreie oder schreibe sie heraus und warte darauf, was passiert. Allein, weil ich gern allein bin. Manchmal sitze ich gern in der Stille und lasse die Welt an mir vorbeiziehen, weil ich gerade an nichts denke. Verschwendete Zeit denkt man jetzt, aber nein – es ist die beste Reinigung für die Seele. Dann merke ich nicht, ob nur Sekunden oder bereits Stunden vergangen sind. Ich lasse es einfach geschehen, mich von niemandem aufhalten.

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Nach solchen Momenten blicke ich nach oben, sehe wie sich Blätter im Wind wiegen und die Welt sich trotzdem weiterdreht.

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And she ran out in the woods

„The Woods“

I asked Saint Christopher
To find your sister
And she ran out in the woods
And she ran out in the woods

 

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Oh, it was certain then
And we were trying to stop the winter
Killing all it could
Killing all it could

 
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And I pray a lot for you
And I look out for you

 
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We are what we are
Don’t need no excuses
For the scars
From our mothers

 

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And we know what we know
‚Cause we’re made of all the little bones
Of our fathers

 

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And I pray a lot for you
And I look out for you

 

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And I pray a lot for you
And I look out for you

 

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I asked Saint Christopher
To find your sister
She ran out in the woods
‚Cause she ran out in the woods

 
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Song is called „The Woods“ from Daughter

 

Thron der Melancholie

Einst gabst du mir den einzigen Halt im Leben. Ich konnte mich an dir festhalten, du hast mich getröstet und mir den Mut gegeben, den ich verloren habe. Du hast mich gefunden als ich dich am meisten gebraucht habe – das war vor langer Zeit.

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Ich bin eine leere Hülle, weil ich dich verloren habe. Ich wachte auf aus meinem einstigen Traum von Perfektion und du warst nicht mehr da. Du bist gegangen, weil du wusstest, dass du deine Aufgabe erfüllt hast. Ich wusste nicht, dass du nur für eine vorgeschriebene Zeit an meiner Seite verweilen solltest. Ich dachte, es wäre für die Ewigkeit. Jetzt sehe ich dich so wie du bist und du siehst mich so wie ich bin – eine physische Narbe.

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Ich trage die Farben der Trauer, weil ich dich verloren habe. Ich wandere umher, die Blumen vertrocknen zu meinen Füßen, ich kann nur totes Gestrüpp auf dein Grab niederlegen. Das Leben ist getränkt in Vergänglichkeit – ebenso wie ich. Es gibt keine neuen Geschichten mehr für mich, nur die alten. Zusammengefasst in diesem Buch. Die Seiten sind verblasst und brüchig geworden – ebenso wie ich. Ich lebe mehr im Schatten als im Licht, meine Haut ist grau geworden, weil mich niemand berührt und mit Leben füllt.

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Warum hast du mich erst gerettet, um mich dann wieder fallen zu lassen? Ich drehe mich im Kreis. Warum rettest du mich nicht vor mir selbst? Ich bin müde. Die Welt ist trostlos und grau. Ich möchte dorthin gehen, wo du bist. Wo Melancholie in Ewigkeit trohnt. Ich habe aufgehört zu träumen. Ich schließe die Augen und sehe nichts. Mein Schlaf gleicht der Totenwache, die halte, weil ich dich verloren habe. Ich bin verloren.

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Ich trauere um dich. Ich trauere um mich. Meine Sinne zerbröckeln zu Staub – ich bin taub, stumm und blind. Zu deinen Füßen liegt nun meine Seele, gefangen in einem gläseren Körper, der zu zerbrechen droht. Infertil und karg bleiben nur die Blumen auf deinem oder meinem Grab zurück.

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