SchWinden

Wohin? Wohin bringst du mich? Ich habe dich gefragt, wohin du mich bringst! Du antwortest mir nie. Ich bin weg von meiner Sicherheit – zu weit weg. Weg von allem, was mir wichtig ist. Du hast mich hier hergebracht. Hunderte Meilen fort. Ich kann nicht einmal mehr die Himmelsrichtungen bestimmen, so weit weg hast du micht gebracht. Wie lange verweile ich schon hier? Ich weiß nicht, wie lange ich unterwegs war oder wie lange ich schon hier bin. Ich habe das Zeitgefühl verloren. Ich schwinde, ich fühle es. Ich löse mich auf, bis ich nichts mehr fühle. Ich werde ein Teil von dir, ein Teil der ich niemals werden wollte. Ich habe die Kontrolle verloren. Nicht nur über mich sondern auch über meine Entscheidungen. Ich kann an nichts anderes mehr denken. Alles was ich wollte ist weg. Die Erinnerungen, die Wahrheit, die Gefühle. Es ist verschwunden. Ausradiert aus meinem Gedächtnis. Du hast mich mitgenommen, mich leicht gemacht, doch ich kann dir sagen: das ist keine Freiheit.

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Orientierung

Ich blicke nach Osten, dann nach Westen. Zwei verschiedene Richtungen, die ich einschlagen könnte, doch wofür soll ich mich entscheiden? Die Karte vor mir fordert diese Entscheidung. Ahnungslos was auf der anderen Seite auf mich lauert, verharre ich an der Stelle, an der sich mein Leben verändern könnte.

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Wie soll ich diese Entscheidung treffen? Woran mache ich sie fest? Ist es die Intuition, im richtigen Moment, die richtige Entscheidung zu treffen? Ist es Schicksal, welches schon seit ewigen Zeiten vorherbestimmt ist und auf den Tag seiner Erfüllung wartet? Oder sind es chemischen Prozesse, die in unseren Gehirnen ablaufen? Vielleicht habe ich die Entscheidung bereits getroffen, kann mich nur nicht mehr daran erinnern, weil es in einem anderen Leben passiert ist. Wann habe ich dieses andere Leben gelebt? In der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft? Wer war das ich von gestern und wer wird das ich von morgen sein? Sind meine Entscheidungen dort richtig gewesen oder werden sie es sein?

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Ich kreuze die Wege vieler Menschen auf meiner Reise in die Zukunft. Ich berühre ihr Leben und sie berühren meines. Ich orientiere mich an ihnen, nehme mit, was sie mir zu sagen haben, gebe ihnen etwas anderes dafür. Woher stammt dieses Wissen? Umhüllt es uns wie eine höhere Macht, nährt es uns, wann immer wir auf der Suche nach dem Sinn sind, um zu tun, was wir tun?  Woran orientieren wir uns, wenn es um Entscheidungen geht? An Paragraphen, dem Moralkodex oder den Steinen, die jemand zu Boden wirft? Doch warum? Es ist immer wieder die selbe Frage, die sich mir stellt. Warum ist eine große Frage und es gibt darauf viel zu viele Antworten. Doch die Wahrheit ist: es gibt nie die richtige Antwort.

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Manchmal wünschte ich mir, ich wäre ein Vogel. Dann könnte ich mich am Magnetfeld der Erde orientieren, um den richtigen Weg zu finden. Doch ich blicke in alle vier Himmelsrichtungen und habe immer noch die Qual der Wahl. Mein innerer Kompass lenkt mich letztendlich auf den Weg, der mit meinen bisherigen Entscheidungen am meisten übereinstimmt und sieht sich damit auf der sicheren Seite. Ist es dann wirklich noch meine Entscheidung oder habe ich sie schon getroffen, als ich den Weg gewählt habe? Diese Frage wird wahrscheinlich nie beantwortet werden, aber das ist auch nicht so wichtig. Ich gehe den Weg, den ich mit einer leichten Vorahnung für richtig halte und tauche ein in das Meer der Unwissenheit. Verloren oder doch gefunden wie ein Verschollener auf See.

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I can sea you

Ich stehe hier vor dir in der Kälte, die Gischt peitscht mir unaufhörlich ins Gesicht, aber du bist unerreichbar für mich. Viel zu lange warte ich schon darauf, dass du einen Schritt auf mich zumachst, aber du bleibst starr an der Stelle stehen, wo alles angefangen hat, wie ein einsamer Leuchtturm mitten im weiträumigen Meer, dass unsere Seelen von dem trennt, was wir einst Glück nannten.

Ich kann dir vom anderen Ufer aus zuwinken, doch du drehst dich einfach weg und lässt mich zurück wie eine Gestrandete. Gestrandet mit meinen Erinnerungen an eine andere Zeit, eine Zeit die unbeschwert war und erfüllt von Momenten. Ich habe versucht ein Boot zu bauen, es mühsam aus alten Brettern und Reminiszenz zusammen gehämmert, um ans andere Ufer zu gelangen, doch mein Boot zerschellte an den Klippen deines Hochmutes und ich wurde wie Treibholz zurück an meinen Strand gespült. Ich wünschte, ich wäre ertrunken, doch hast du irgendwie dafür gesorgt, dass ich nach oben getrieben wurde und mich wieder mit kraftlosen Händen zurück an den Strand gekämpft habe.


Die Wellen spülen Fetzen von Erinnerungen an den mit Algen übersäten Strand. Ich könnte ein Netz auswerfen, dass alle die Augenblicke einfängt, die dich an mich erinnern. Ich würde sie dir nehmen, wie du mir meine genommen hast und mich dann forttreiben lassen, egal wohin, nur weg von hier. Denn irgendwann wird das hier nicht mehr der Strand sein, der uns beiden gehörte. Die Ebbe wird kommen und dafür sorgen, dass andere diesen Strand entdecken, doch ich werde dann nicht mehr hier sein. Du bleibst an deinem Standpunkt wie ein Fels in der Brandung, allein.

Ich kann dich sehen, aber du siehst mich nicht mehr, deshalb gehe ich mit der Flut zurück ins Meer, lasse mich hinabziehen in die Kälte und ertrinke in meinem Kummer. Ich gehe ins Wasser, denn Leben geht und entsteht.

Irrland

Ich bin in einer Zeit des Umbruchs, die mich über viele Dinge nachdenken lässt. Dinge, die früher selbstverständlich waren, es jetzt nicht mehr sind, weil die Umstände sich geändert haben. Was bringt es uns an alten Sachen festzuhalten, die uns Jahre nicht mehr glücklich gemacht haben? Sie waren eine Pflicht, weil man es eben immer gemacht hat. Dieselben Dinge an den gleichen Daten. Eintönigkeit – das war es. Zeit um neue Dinge zu erleben, gab es genug, aber man hatte immer eine Ausrede parat, diese Dinge nicht anzugehen. Und wenn dann alles anders wird, als man denkt, fragt man sich: Warum? Warum haben wir die Dinge nicht getan, die wir hätten tun können?

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Wir sind gefangen in einer Schleife, die uns immer mehr Eintönigkeit und Wiederholung bringt. Reicht es nicht, den Moment einfach einen Moment sein zu lassen, weil er gänzlich so perfekt war wie er war? Warum muss alles ständig wiederholt werden? Um sich in Gefühlen zu wälzen, die wir sonst ohne all das nicht mehr erleben?

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Reichen nicht die Erinnerungen, die das Erlebte mit sich bringen oder muss man sich ständig mit den selben Dingen befassen und sich wie ein Abhängiger daran festsaugen, weil man nichts anderes mehr spürt als innere Leere und Unzufriedenheit? Irgendwann ist alles nicht mehr das was es einmal war, doch es kommt eine neue Zeit, die neue Möglichkeiten schafft. Die es schafft, uns unser Inneres wieder spüren zu lassen, weil andere Dinge ihren Platz eingenommen haben. Eine Erinnerung bleibt, wir können sie immer wieder abrufen. Der Mensch brauch Erinnerungen, ich brauche sie, um nicht zu vergessen, wer ich war und wer ich sein kann.

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Erinnerungen lassen Augenblicke unsterblich werden.

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