La Bohème

Nach zwei Monaten ohne Bloggen hab ich mich ja bereits im letzten Beitrag gefragt, wie lange ich das hier noch machen möchte. Jemand hat geschrieben, dass ich solange weiter machen soll, wie es Spaß macht und ich muss sagen, dass es mir immer Spaß gemacht hat. Raus zu gehen in die Natur, Musik im Ohr und die Kamera in der Hand. Sich Gedanken machen, was mich bewegt, Ideen auszuprobieren – Kunst zu machen. So hat es auch nach diesem Dilemma nicht lange gedauert, dass ich wieder losgezogen bin und dem nachgegangen bin, was ich sonst so tue. Und ich muss sagen – es war befreiend. Genauso wie es jetzt gerade befreiend ist in die Tasten zu hauen und mir genau das von der Seele zu schreiben.

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Ich habe Identitätskrisen – mehrmals im Jahr. Ich lösche alles was es über mich im Internet zu finden gibt, verbanne meine digitale Scheinidentität, um dann nach zwei Wochen mit einem neuen Pseudonym aus dem Sumpf der Contentcreater zu kriechen und die selbe Masche zu fahren wie bisher – meist mit dem gleichen Erfolg oder noch weniger.  Das Leben als Künstler ist schwer – ob als Fotograf, Autor, Musiker oder sonst was. Du reißt dir den Arsch auf für nichts und wieder nichts. Wie lange dauert es Content zu kreieren? Wieviele Stunden hat man an den Arrangements gesessen? Wie viele Gedanken sind wieder gecancelt worden? Wer soll erreicht werden? Was willst du aussagen?

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Tausend Fragen und das Endergebnis? Für die Katz. Es ist wirklich erschreckend, wie wenig die Arbeit eines Künstlers gewertschätzt wird. Wenn nicht innerhalb der ersten Stunde genug Leute deine Kunst gesehen haben, verschwindet sie schneller in der Versenkung als du gucken kannst. Die Plattformen verschlucken dich einfach und spülen dich den Abfluss runter zu den ganzen anderen Individualisten, die da unten schwimmen, weil sie kein Geld für die VIP-Lounge ausgeben wollten oder die Sponsoren nicht da sind. Dann lieber im kleinsten Kreis präsentieren, um die Leute anzulocken, die sich wirklich für Kunst interessieren. Aber in was für einer Welt leben wir, in der man für seine eigene Kreativität bezahlen muss, um sie an den Mann zu bringen? Muss neuerdings alles exklusiv sein um interessant zu sein? Unvorstellbar – aber wahr.

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Menschen passen sich an und wenn sie nicht nach irgendetwas streben, dann sind sie nicht glücklich. Nur, dass das Glück heute nicht mehr darin besteht selbstständig zu sein, sich sein Essen selber zu kochen oder einfach das zu tun was man soll, sondern aus Followern, neusten Trends und der meisten Reichweite. Man wird quasi dazu gezwungen ständig seine Arbeit schlecht zu reden, weil jemand anders es besser gemacht hat und mehr Leute erreicht hat. Soll man die Kunst an den Nagel hängen? Das nagt am Selbstwertgefühl und das widerum führt dazu, dass man zu irgendwelchen Influencern aufblickt, die Dinge kauft, die genannte präsentieren und es ihnen gleich tun will. Doch der Traum platzt so schnell wie eine Seifenblase und man landet direkt wieder auf dem Boden der Tatsachen neben den Rechnungen, die sich nicht durch Advertisement und Affiliatelinks bezahlen lassen.

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Ich bin wieder vom Thema abgekommen, hab ich überhaupt ein Thema? Keine Ahnung. Naja, jedenfalls denke ich, dass das hier mit dem Blog unter dem Pseudonym Wanheda Wild unter Umständen weitergeht. Erstmal als Fotogalerie, weil ich keine andere Plattform kenne, auf der ich meine Arbeiten sonst hochladen könnte. Ich werde auch meine Seele nicht auf der nächst besten Kreuzung an einen Dämon verkaufen, nur weil ich irgendetwas sein könnte, was ich nicht will. Ich selbst bin die beste Form mich so auszudrücken wie ich bin, genau auf diese Weise wie ich es bisher getan habe. Ich wüsste nicht, wie ich mich neu erfinden sollte, um mein altes Ich am Strassenrand liegen zu lassen und in den nächsten Hippiebus gen Nirwana zu springen, der mir das Blaue vom Himmel verspricht und ich mich besser fühlen würde denn je. Deshalb werde ich weiter der „brotlosen Kunst“ – wie Z. immer so schön sagt – fröhnen und mich freuen, wenn jemand sagt, dass ihm das gefällt, was ich tue.

Von daher „viva la vie bohème!“.

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Zeit ist relativ – eine Zwischenbilanz

Der Sommer ist zu Ende und der September klopft an der Tür, um die Schwelle zu meiner liebsten Jahreszeit zu überschreiten. Der Herbst ist mit Ach und Krach eingekehrt. Die Luft hat sich verändert, es wird endlich früher dunkel und der Abendhimmel zeigt sich in den schönsten Rottönen. Am Morgen sammelt sich der Nebel in den Senken der Wiesen und Felder, wartet darauf, dass die Sonne am Horizont hervorbricht, um alles in ein goldenes Licht zu tauchen. An all diesen Dingen empfinde ich Freude, denn ich bin ein Herbstmensch.

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Gleichtzeitig ruft diese Zeit einen Moment aus meinen Gedächtnis zurück, die meine Emotionen in das Gegenteil verwandelt. Eine Epoche voller Aufruhe, Verzweiflung und Unwissenheit. Ein Gemütszustand, an den ich mich nicht gern zurückerinnere, der mich aber jeden Tag begleitet und mit dem Dahingleiten der vergangenen Monate habe ich verstanden, dass es wieder besser wird. Ich wurde mit den schlimmsten Ängsten meines Lebens konfrontiert, habe kaum Nächte durchgeschlafen und immer neue Zustände an mir erlebt, die ich nicht kannte – ich musste mir selbst helfen und verstehen, was gerade mit mir und meinem Leben passierte. Ich war ahnungslos, wie ich das schaffen sollte und es hat viel Zeit und Kraft gekostet  – aber ich bin noch hier.

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Genau vor einem Jahr habe ich mit diesem Blog angefangen. Ich fühlte mich wie John Watson – einsam, etwas verlassen und zu introvertiert, um ein Abendteuer zu erleben. Also habe ich einfach drauflosgeschrieben, mir Gedanken gemacht und sie mit Bildern untermalt. Ich fühlte mich ein wenig komisch meine Gedankenwelt mit dem Äther des Internets zu teilen. Ich wollte nicht so erscheinen, als hätte ich einen akuten Geltungsdrang, dem schnell Abhilfe geschaffen werden musste, aber ich wollte mich nicht weiter verstecken, denn ich brauchte jemanden zum Reden, auch wenn dieser jemand nur der Laptop und die leere Seite mit dem blinkendem Tab war. Ich fühlte mich weniger verlassen, weil ich einfach alles aufgeschrieben habe, was ich niemanden erzählen konnte oder wollte. Eine Art Selbsttherapie hat damit für mich gestartet. Ich habe reflektiert und selektiert, um gewisse Dinge zu verarbeiten und mir einen Weg aus diesem Sumpf der negativen Gefühle zu bahnen. Mit Erfolg – mal mehr, mal weniger.

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Nach den ersten Blogbeiträgen stellte sich mir die Frage, ob das etwas längerfristiges werden könnte und ich habe laut gelacht und mir selbst gesagt, die Ausdauer würde ich nicht besitzen. Ich bin ein Mensch mit tausenden Ideen am Tag, mein Kopf explodiert manchmal vor Kreativität und ich weiß nicht wohin damit. Der Blog hat sich zu einem meiner vielen Ventile entwickelt, wenn in meinem Gehirn wieder nur Gedankenblitze herrschen und ich einfach herausschreien will, was auch raus muss. Natürlich schreie ich nicht. Ich bin in allen Lebenslagen ein stiller Beobachter und diese Entwicklung mit dem Schreiben und dem Fotografieren habe ich ebenfalls still beobachtet, um ein Fazit zu treffen und den Zwischenzustand zu beurteilen. Ich fühle mich damit auf jeden Fall besser – stabiler, wenn man den Server, auf dem der Blog liegt, als Säule oder festen Standpunkt im Leben bezeichnen kann. Es hilft mir und vielleicht ja auch dem ein oder anderen.

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Ich denke, dass es weiter geht wie gehabt. Das Rad der Zeit bleibt nicht stehen, denn Benjamin Linus hat es weiterbewegt. Ich werde auf dieser kleinen Plattform nicht die Welt mit dem verändern, was ich hier schreibe, aber es wird meinen Mikrokosmos weiterdrehen oder verändern und mir immer geben, was ich gerade brauche. Einen Raum in mitten tausend anderer Räume – Tagebuch, Galerie, Weltbewegung. Ich kann also beruhigt mit den Dingen vorangehen, die mich prägen und bewegen. Sie geben mir die Freiheit mich und meine Gedankenwelten ins Gleichgewicht zu bringen, zu fokussieren und mich mit Zufriedenheit zu erfüllen.

Bis dahin und mahalo…

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Fernweh nach Worten

Ich schreibe und schreibe und schreibe. Irgendwie kann ich im Moment nicht die richtigen Worte zu Papier bringen, die mich bewegen. Ich bin nicht unmotiviert etwas für den Blog zu schreiben. Ganz im Gegenteil – ich möchte den Blog mehr nutzen und mit Inhalt füllen, aber leider habe ich keine zündende Idee oder halte das, was ich veröffentlichen möchte für absoluten Humbug. Ich habe jede Menge Texte, die in meinem Notizheft schlummern und Dutzende von Fotos, die ich hochladen möchte, aber irgendwie passt nichts so richtig zusammen. Mir ist etwas die Ästhetik verloren gegangen. Ich möchte zum Denken anregen und im Gedächtnis bleiben. Ist es so schwer etwas Bleibendes zu hinterlassen? Ich fühle mich etwas verloren – es fühlt sich an wie ein Fernweh nach Worten, die irgendwo ganz weit weg sind. Vielleicht muss ich die Kraft der Worte erst wieder finden…die Frage ist nur: Wo soll ich suchen?

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IPhonography Part II

An sich bin ich keine Sommerperson, es ist zu warm, es gibt Mücken und man muss kurze Klamotten tragen. Das sind die negativen Seiten des Sommers für mich. Was ich hingegen mehr schätze ist, dass die Natur sich in ihrer vollen Pracht zeigt und ich bis abends um 10 durch die Gegend fahren kann, um die laue Sommerluft zu genießen. Nicht immer habe ich meine Kamera dabei und deshalb muss das iPhone herreichen. Vor einer Weile habe ich mal einen Beitrag geschrieben, der darauf eingeht, dass man aus jeder Kamera etwas herausholen kann. So bin ich ganz bewusst nur mit dem iPhone bewaffnet losgefahren – durch die Rapsfelder oder zur alten Fischerhütte, um mal wieder das Gegenteil zu beweisen, dass nicht jeder eine DSLR brauch. Ich habe die Bilder ewig in meinem Feed gespeichert und sie am Wochenende durch Lightroom gejagt, um zu schauen, in wie fern ich meine Technik abspecken kann. Ich kann sagen, dass mich manche Ergebnisse sehr überrascht haben und ich meinen Blickwinkel nochmal überdacht habe oder auf neue Ideen zum Thema Perspektive gestoßen bin. Ich habe auf einigen Fotos erst auf dem MacBook Insekten entdeckt, die ich nicht bewusst wahrgenommen habe oder durch die Froschperspektive sind Motive entstanden, die ich mit meiner DSLR gar nicht hätte machen können, weil ich kein Weitwinkelobjektiv besitze.

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Klar sind die Farben oder die Tiefenschärfe, die eine Handykamera liefert nicht Eins A, trotzdem lernt man dadurch sein eigenes Equipment zu schätzen und wie minimalistisch man doch zu tollen Ergebnissen kommt. In der heutigen Generation hat jeder so ein Ding in der Tasche und lieber werde ich kreativ mit der Kamera anstatt nur auf das Display zu starren, um den Status anderer Leute in mich aufzusaugen. Viel zu viele Leute merken nicht, ob sie ein fotografisches Auge haben, weil sie sich nicht damit beschäftigen. Ein Selfie kann jeder machen und jeden Tag werden Millionen von Bildern ins Internet geladen – doch die meisten davon sind ohne Sinn und Verstand und das vertreibt die kleinen Leute, die wirklich wollen, dass jemand ihre Arbeiten sieht, auch wenn es nur mit dem Smartphone fotografiert wurde. Es bricht eine Bilderflut über uns herein und wir freuen uns nur noch über Huskies, die grinsen oder Menschen, die lustige Filter über ihrem Gesicht tragen. Ich will Content sehen, der mich bewegt oder an dem ich sehe, wie viel Mühe sich der Macher gegeben hat.

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Jedenfalls lohnt es sich mal nur mit dem Smartphone auf die Pirsch zu gehen. Besonders in der Abendsonne oder mit einem Gadget wie einer Lupe bewaffnet kann man Dinge festhalten oder in ein anderes Licht rücken. So entgehe ich auch dem sogenannten KREATIEF, wenn ich meine eigene Art zu fotografieren wieder nicht ertragen kann oder ich etwas Neues ausprobieren möchte.

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Eine Art von Verbindung…

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Demnächst soll es ein paar kleine Gastbeiträge von anderen Fotografen auf meinem Blog geben. Ich suche deshalb Fotografen aus Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern, die ihre Verbundenheit zur Fotografie in den Fokus rücken und die gleiche Leidenschaft teilen wie ich. Egal ob Natur-, Portrait- oder Hochzeitsfotograf, jeder kann Teil dieser kleinen Geschichte werden. Der Beitrag wird immer in Form eines Interviews sein und der Fotograf wird hier mit einigen seiner ausgewählten Werke vorgestellt. Das ganze ist auch ganz unverbindlich. Ich hoffe, dass sich durch solche Kooperationen ein kleines Kollektiv bildet, welches andere dazu anregt Ideen, Kontakte und Erfahrungen auszutauschen. Wer Interesse hat oder jemanden kennt, den das interessieren könnte, schreibt mir einfach in die Kommentare und ich nehme Kontakt mit euch auf.

Bis dahin,

Wanheda

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Analoges Tagträumen

Das Equipment, welches wir gebrauchen spielt nur eine kleine Rolle. Vielmehr kommt es darauf an, es zu beherrschen. – Sam Abell

Im vergangenen Jahr hat mich das Analog-Fieber wieder einmal gepackt und ich war auf der Suche nach einer Kamera mit Lichtschachtsucher. Ich wollte gleich in die große Liga einsteigen und hab mir einen Wolf gesucht, denn von diesen Kameras gab es viele und wenn man keine Ahnung davon hatte, wie ich, dann fand man sich im analogen Dschungel bald nicht mehr zurecht. Ich stieß auf die Pentax67 – ein richtig schönes altes Ding, doch zu teuer. Ich war Anfänger und wollte gleich das Beste vom Besten. Aber meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass teure Technik nicht gleich einen professionellen Fotografen aus mir macht. Also dachte ich mir, dass ich meiner Hausmarke Canon treu bleiben sollte und informierte mich über die Canon F-1. Die war aber fast genauso teuer wie die Pentax67 und so langsam verzweifelte ich, ob ich nun überhaupt noch die richtige Kamera finden würde.

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Vor Jahren hatte ich einmal drei alte analoge Kameras geschenkt bekommen, die leider nicht mehr funktionierten. Sie standen als schöne Deko in meinen Regal und starrten mich an – ich starrte zurück, sah mir die Objektive genauer an und suchte nach Carl Zeiss. Bing schlug jede Menge Objektive vor, ob alt oder neu, die waren nicht billig. Dann erschien ein Foto, welches swirly Bokeh aufwies, jeder der mich kennt, weiß, dass ich ein Bokeh-Fanatiker bin – und es war um mich geschehen. Ich öffnete den Link des Fotos und stieß auf die Pentacon SixTL, ein analoger Riese aus den 60gern. Tja, was soll ich sagen – es war Liebe auf den ersten Klick.

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Ich sog Youtube-Videos auf, die zeigten, wie man mit der Pentacon umgehen würde und wie die Arbeiten aussahen. Ich schlief eine Nacht darüber und beschloss mir diesen Metallklotz zu kaufen. Ich begab mich also weiter auf die Suche nach einem guten Angebot und wurde schnell fündig bei einem Fotografie-Museum, die noch eine Pentacon in gutem Zustand besaßen. Das war aber nur der Body. Ein Objektiv zu finden war dann wesentlich schwieriger. Die meisten kamen aus Russland oder der Ukraine und ich war mir unsicher, ob bei mir nicht eine russische Antiquität mit Glaspilz ankommen würde oder sogar mit gebrochener Linse. Dennoch war das Glück auf meiner Seite und ich konnte an ein Modell kommen, dass meinen Ansprüchen vollkommen genügte. Das Carl Zeiss Jena 80mm f2.8 stopfte nun das Loch zum analogen Traum.

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So, jetzt war die Welt erstmal spiegelverkehrt, als ich das erste Mal durch den Sucher schaute, man blickt nämlich von  oben rein und dann ist man erstmal etwas orientierungslos. Es gibt zwar noch andere Sucheraufsätze, aber den Lichtschachtsucher fand ich am besten. Ich bestellte mir dann den Portra 120mm-Film von Kodak, der 5 Filme mit jeweils 12 Abzügen enthielt und legte los. Das Fotografieren mit der Pentacon ist wirklich eine außergewöhnliche Erfahrung. Da die Anzahl an Bildern auf dem Film stark begrenzt ist, sollte man sich genau überlegen, was man fotografieren möchte. Die Pentacon ist keine Schnappschuss-Kamera, sie ist etwas für die besondere Gelegenheit, sie hebt sich von der Masse ab. Sie ist sehr schwer, deshalb nur mit zwei Händen zu bedienen, aber auf ein Stativ gespannt, kann man auch Selbstportraits fotografieren, dank des Zeitverzögerungsmechanismus.

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Den Sommer verbrachte ich dann damit ein paar Filme mit den Momenten, die ich für würdig erachtete, zu belichten und überlegte dann, wie ich die Filme entwickeln sollte. Ein hessischer Fotograf, der fast nur analog arbeitete, gab mir einige Tipps, wie ich es selber machen könnte. Da ich aber keine Ahnung davon hatte und mich im Umgang mit den Chemikalien sehr unsicher fühlte, lagen die Filme dann ewig herum und warteten darauf zu enthüllen, was sie eingefangen hatten. Monate später ging ich mit allen Filmen in die Drogerie meines Vertrauens und warf die Filme auf gut Glück einfach mit in den Entwicklungsservice, den ich auch für die Canon 1000FN benutze.

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Ich ging dann jeden Tag nachsehen und war schon ganz aufgeregt, wie die Fotos wohl aussehen würden. Es dauerte ein paar Tage, aber ich hatte dann tatsächliche meine entwickelten Filme bekommen. Quadratische Kostbarkeiten, die ich mit einer Erwartung aus der Entwicklertasche riss. Ich muss zugeben, dass ich von mir und meinem fotografischen Auge zu viel erwartet habe. Die meisten Abzüge waren verschwommen oder überbelichtet. Aber was sollte man als Anfänger auch anderes erwarten? Gleich am nächsten Tag bin ich wieder mit der Pentacon losgezogen und habe nach einzigartigen Kompositionen gesucht. Der Film wird gerade entwickelt.

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Eine Bibliothek aus Fotobüchern

Ich bin eine fleißige Leserin des Onlinemagazines „kwerfeldein„. Immer wieder werden dort Sachen vorgerstellt, die schnell das Herz eines jeden Fotografen höher schlagen lassen. So war es auch mit einem Fotobuch im Miniformat, eine tolle Möglichkeit für den Faulenzer von heute seine Sachen gedruckt zu bekommen oder einfach als kleines Geschenk, für die Leute, die immer meckern, dass man keine Prints verkauft. Das gibt es in drei verschiedenen Varianten und beginnt mit einem Preis von 4,95 €, also relativ günstig und erschwinglich in der Anschaffung.

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Ich bin zum Beispiel jemand, der es nie schafft Prints von seinen Arbeiten anfertigen zu lassen oder die Sachen einfach simpel auszudrucken und dann an die Wand zu hängen. In meiner Wohnung hängt nicht ein einziges Bild meiner Arbeiten. Alle verstauben in digitalen Räumen oder Festplatten. Ich wühle mich dann durch die Massen von Kontent, den ich produziert habe und kann mich an die meisten Sachen gar nicht mehr erinnern oder frage mich, warum ich mich nicht an meiner eigenen Kunst ergötzen kann. Lieber sehe ich meine Fotos über Social-Media-Plattformen auf Bildschirmen flimmern, als dass ich es auch in Händen halten könnte. Damit sollte jetzt Schluss sein. Ich habe bereits Anfang des Jahres damit begonnen meine liebsten Werke auszuwählen und sie in einem Fotobuch zu verewigen. Das Problem war dann aber, dass ich mich schlecht entscheiden konnte und am liebsten jedem Thema ein Buch gegönnt hätte. Doch das wäre mein finanzieller Ruin, auch wenn ich danach eine Bibliothek mit Fotobüchern eröffnen könnte. Natürlich würde diese Bibliothek meinen Namen tragen und sie wäre ein Art Vermächtnis an mich selbst, aber so ich-bezogen bin ich nicht.

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Deshalb war für mich das Angebot von FotoPremio dann die beste Entscheidung meiner Leidenschaft zur Ewigkeit zu verhelfen und noch nicht mal viel Geld dafür ausgeben zu müssen. Ich will jetzt hier auch gar nicht noch darauf eingehen, wie sich die Seite gestaltet und wie man dort ein Buch erstellen kann. Katja von Kwerfeldein hat das alles bereits sehr schön in ihrem Post rezensiert, also kann man sich das gerne selber durchlesen und ich erspare mir die Mühe, dasselbe noch einmal zu erklären.

Mein Fazit: Ich bin mit diesen kleinen Fotobüchern mehr als zufrieden, kann sie in mehreren Stückzahlen drucken lassen und dann damit machen was ich will. Ob nun als Geschenk an mich selbst oder andere, Mini-Portfolio für unterwegs und in die Tasche gesteckt oder doch für die Eröffnung meiner eigenen Bibliothek.

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IPhonography

Ende August habe ich mir ein neues iPhone zugelegt, weil ich ein kompaktes Smartphone mit einer guten Kamera brauche. Als Fotograf bin ich eher der Typ, der alles mit der DSLR fotografieren will, aber manchmal ist das gute Stück dann zu Hause und man muss improvisieren. Der Mythos, dass man nur mit einer teuren Kamera ein gutes Foto schießen kann, ist nicht wahr. Ich bin mir oft nicht bewusst, welches Potenzial in einer einfachen Smartphonekamera stecken kann. Es ist für mich sehr wichtig ab und zu den Blickwinkel auf die Dinge zu ändern und da macht sich eine Tour nur mit dem iPhone sehr bezahlt. Es gibt keinen Zoom, der mir bequem die Arbeit abnimmt, ein Objekt nahe auf den Bildschirm zu kriegen. Nein, ich werde selbst zum Zoom. Fotografieren mit begrenzten Mitteln macht kreativ und vor allem Spaß. Viele Perspektiven, sofortige Bildbearbeitung, hochladen in die Cloud.

Wenn ich nach einer Weile mit meinem Streifzug zufrieden bin, suche ich mir ein bequemes Plätzchen und kann meine Fotos quasi gleich draußen in der Natur selektieren, bearbeiten und hochladen. Zum Bearbeiten nutze ich VSCO, Mextures oder Afterlight. Je nachdem wie ich die Fotos entwickeln möchte, kommen all diese Apps irgendwie zum Einsatz und zum Schluss dann noch mal in Lightroom, falls es spezielle Anpassungen geben soll. Die Apps kann man für einen kleinen Obolus im Appstore runterlasen und noch diverse zusätzliche Filter, von denen man garantiert nie alle benutzen wird. Ich arbeite hauptsächlich mit VSCO und hab mir meine Einstellungen so angepasst und abgespeichert, dass ich sie leicht auf meine Fotos übertragen kann. Das erspart wieder jede Menge Arbeit, wenn man viele Fotos bearbeiten muss.

Fazit: Nur weil man keine DSLR besitzt, heißt es nicht, dass man kein Auge für die Fotografie haben kann. Nicht die Technik ist das Wesentliche, sondern die Perspektive und die Kreativität, die im Künstler steckt. Also, ruhig mal den Klopper zu Hause lassen und mit einfachen Mitteln zu tollen Ergebnissen kommen.

Lightroom & Presets

Bis vor kurzem war Lightroom für mich eine fremde Lebensform, der Aufbau des Programms war mir irgendwie zu bombastisch und ich habe dann lieber stundenlang meine Bilder selektiert und jedes einzelne in Photoshop bearbeitet. Irgendwann hatte ich die sinnlose Bearbeitung satt, weil ein Bild wie das andere aussah. Ich wollte meinen Stil auf jedes Bild haargenau übertragen, die einzelnen Schritte aber alle 50 mal zu wiederholen war mir zu lästig. Ich hatte schon gar keine Motivation mehr, viele gute Bilder zu machen, weil ich wusste, dass die Bearbeitung wieder Tage dauern würde.

Als ich dann durch meinen Instagram-Feed scrollte bin ich auf Tribe Photo Co. gestoßen und ich konnte mich an den Farben einfach nicht satt sehen. Erdige Töne, nicht zu krasse Farben, eine bestimmte Art von Leuchten. Ich mag keine Bilder mit zu viel Kontrast, aber diese Bilder hatten den Stil, der mir auf anhieb gefallen hat und den ich auch wollte und zwar sofort. Ich recherchierte erstmal, was diese Plattform so macht und wie sie ihre Fotos bearbeiten. Dann las ich das erste Mal das Wort Preset. Gegoogelt wurden mir dann tausend davon angezeigt und dann kam Lightroom. Das Programm hatte ich ja bereits durch das Abo mit der Creative Cloud, nur eben nie benutzt.

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So, Crashkurs in Lightroom ging dann relativ schnell. Ich suchte mir einige Fotos raus und schraubte ewig an den Einstellungen rum, bis die Fotos so ähnlich aussahen wie die, die ich bei Tribe Photo Co. gesehen hatte. Und ich kann sagen: ich liebe Bildrauschen, früher fand ich es schrecklich, aber jetzt durch das Revival der Analogue Times, bin ich ein Riesenfan von, also nicht mit dem Grain geizen. Es gibt einige Youtuber, die zeigen, wie sie ihre Fotos in Lightroom bearbeiten, da habe ich auch mal reingeschaut und konnte ein paar Sachen mitnehmen.

Schon ganz zufrieden mit dem Look den ich kreiert hatte, suchte ich dann nach anderen Seiten, die so ähnliche Presets machten. Aber ehrlich gesagt, sahen die Bilder anderer Anbieter fast genauso aus wie die, die mich schon angelächelt hatten. Man wird halt wieder einer unter vielen sein, wenn man sich für ein Preset entscheidet, aber auf der anderen Seite kann der Ersteller des Presets froh sein, dass so viele Leute seinen Look mögen und ihn für sich selbst benutzen. Ich hab auch das ein oder andere Preset angewendet, um zu sehen, in wie weit sich mein Foto durch eine andere Bearbeitung verändern kann. Ich war positiv überrascht und habe auch kein schlechtes Gewissen, wenn ich sage, das Presets für Lightroom eine gute Investition sind. Man bezahlt einen einmaligen Betrag und kann die Looks auf seine persönlichen Bedürfnisse anpassen oder komplett neu kreieren. Blogger, die jeden Tag eine Tonne an Fotos bearbeiten müssten, können damit schneller und bequemer arbeiten.

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Seitdem ich diesen Blog führe, kann ich sagen, dass ich mich an diese Bequemlichkeit gewöhnt habe und es eine Zeit lang nutzen werde. Ich bin fast täglich mit meiner Kamera unterwegs und möchte so viel wie möglich fotografieren und auf den Blog online stellen, deshalb wäre es schade all die Ergebnisse auf der Festplatte versauern zu lassen, weil ich keine Zeit zum Bearbeiten habe. Also keine Scheu davor haben, es sich auch mal leicht zu machen. Das Leben ist schon kompliziert genug. Eure Passion soll euch Spaß machen und nicht in den Wahnsinn treiben.

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DIY in der Walachei

Wieviele Bands träumen davon auf einer großen Bühne zu stehen oder einen Plattenvertrag zu unterschreiben? Die meisten wahrscheinlich, aber dieser Traum wird sich niemals erfüllen, denn wir leben ihn doch bereits.

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Freiheit – das ist das wichtigste im Leben eines Musikers. Wer möchte schon in seinem künstlicherischen Dasein eingeschränkt und in eine Schublade gepresst werden, nur um dem Mainstream zu gefallen? Niemand! Alles worauf es ankommt, ist man selbst zu sein. Keine Klischees, die man erfüllen muss, nur um in ein bestimmtes Genre zu passen.

Als Konzertveranstalter ist man genauso auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen wie die Band nach dem Event. Und es ist wahr, dass auch die Konzertgänger keine Lust mehr auf Mainstream haben, sondern wieder die kuschlige Atmosphäre eines Undergroundkonzertes suchen. Wir bewegen uns seit Jahren im Underground und freuen uns, wenn die Leute aus Neugier zu Konzerten kommen, weil sie in den großen Arenen abkotzen und ihre Lieblingsbands nur als Mini-Mes sehen können.  Bei uns gibt es Vollkontakt-Konzerte. Bands kommen von überall, um dieses familiäre Gefühl zu spüren, nette Gespräche zu führen und einen sehr privaten Moment mitten in der Öffentlichkeit zu genießen. Es gibt nirgendwo so viel Ehrlichkeit von den Besuchern als auf solchen DIY-Veranstaltungen. Es werden Kontakte über ganz Deutschland geknüpft, gepflegt und ein Gig im Austausch für einen Gig, ist die beste Wertschätzung, die man als Musiker erhalten kann.

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Nach all den Jahren harter Arbeit im Proberaum, Überlegungen über die neueste technische Anschaffung und diversen künstlerischen Krisen, fragt man sich immer wieder wofür man das alles eigentlich macht? Macht es für euch, dann kommt der Buschfunk und ihr macht es für euch und für andere, weil sie das, was ihr macht, toll finden. Irgendwann entstehen Connections und es werden Ideen geboren, die zusammen etwas wunderbares erschaffen können. Musiker mögen vielleicht arme Schweine sein, aber sie sind glückliche Schweine. Frei in einer Welt, die keiner besser versteht als sie selbst. Trve ist, wer zu dem steht was er tut und andere dazu anregt es genau auf diese Weise zu machen – nämlich auf die eigene!!!

Also Regel Nummer 1: Nicht nur quatschen, sondern machen. Wir leben in einer Welt voller Analytiker, wir brauchen mehr Macher. Macher, die Bock auf DIY haben und Kultur schaffen, wo keine ist. Und wer sind wir, wenn wir nicht das tun, was uns glücklich macht?

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Die Band auf den Fotos ist Fenfire aus Darmstadt. Hört mal rein, Dornen und Sand ist echt ein Sahnestück.

Fenfire auf Bandcamp