We’ve lost focus

Der November ist grau, die Straßen nass und die Bäume kahl. Der goldene Herbst hat sich verabschiedet und die dunkle Jahreszeit überschattet die Gemüter der Menschen. Die hetzen gestresst von Ort zu Ort, dabei ist noch nicht mal Weihnachten. Sie sind dick eingepackt, können sich kaum bewegen und blicken griesgrämig in alle Richtungen. Wieviel Empathie kann man da selbst noch rüberbringen, wenn man diesen Leuten jeden Tag begegnet? Keine – so ist es leider.

Deswegen zieht es mich immer zu Orten, an denen keine Menschen sind. Die tiefsten Wälder geben mir Zufriedenheit und zeigen mir wie klein ich eigentlich bin. An anderen Tagen reißen mich kolossale Bauten, die Menschen einst hinterließen, magisch an und ich genieße die Einsamkeit und tauche ein in ein Stück Geschichte. Leere Häuser, die darauf warten betreten zu werden. Ich fahre also ein paar Kilometer raus aus meiner Heimatstadt und halte an einer Plattenstrasse, die ins Nirgendwo führt. Was ich dort will? Man muss schon genauer hinsehen, um es herauszufinden.

Eine alte Russengarnison aus dem kalten Krieg steht versteckt zwischen Kiefern und hohen Mauern. Die Natur hat sich dieses Gebiet wieder erobert, nachdem es so rücksichtslos verlassen wurde. Niemand interessiert sich mehr für solche verlassenen Orte, sie verschwinden hinter hohen Zäunen oder Bäumen. Ein großer Teil unserer Vergangenheit ist an diesen Ort gekoppelt, von hier aus wurde das Weltgeschehen mächtig beeinflusst und das geriet leider in Vergessenheit. Die Mauern wurden eingerissen, aber auch das Wissen ging verloren. 

Dabei müssen wir lernen uns wieder zu fokussieren. Nicht nur auf die Dinge, die vor uns liegen, sondern auch auf die Dinge, die hinter uns liegen. Geschichte begleitet uns von gestern bis morgen. Stay feral.

Für Sascha, der immer wieder davon träumt.

Aufgenommen wurden die Fotos mit der Fuji X-T100 und dem 7artisans 25mm f1.8

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WESTERN BORDERLANDS

Der lange Weg nach Westen. Es gab nur diese Richtung, keinen Anhaltspunkt, keinen Ort, wo ich dich finden würde. Meine Reise war weder geplant noch gewollt, aber ich musste dich wiederfinden, denn du bedeutest mir alles. Du wurdest mir aus meinen Armen entrissen, hast geschrien und dich gewehrt. Doch alles andere war mächtiger – mächtiger als du und mächtiger als ich.

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Alles was zurück blieb war ein Krater. Ein Krater, in dem einst mein Herz gesteckt hatte. Nun ist dort ein schwarzes Loch, welches nicht gefüllt werden kann, bis ich dich wieder in meine Arme schließen kann. Ich bin verlassen und leer. Die Dunkelheit umfängt mich und mit jedem Tag, den du nicht an meiner Seite bist, verblassen die Erinnerungen an dich. Doch tief in diesem schwarzen Höllenkreis schlummert ein Funken, der das Feuer in meinem Herz von neuem entfacht und mir die Kraft und den Mut schenkt, um dich zu kämpfen, dich zu retten aus der erbarmungslosen Gefangenschaft, in die du gesteckt wurdest.

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Weiter treibt mich mein Weg voran an die Küste, die so weit entfernt scheint, dass ich fast glaube sie nicht mehr erreichen zu können. Der Wind weht nach Westen und trägt die Hoffnung mit sich hinfort, die irgendwo in den Tiefen meiner Gedanken verloren liegt. Jeder Tag ist eine Herausforderung. Doch ich gehe immer weiter Richtung Westen, Schritt für Schritt. Ich beginne Tagebuch zu führen, um meine Erinnerungen festzuhalten, die mir mit jeder Sekunde entgleiten. Tausende Seiten könnte ich füllen, wem jedoch soll ich davon erzählen? Ich bin allein. Du bist allein.

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Die Ebenen werden weiter, meine Füße immer schwerer. Der Pfad, den ich beschreite bleibt mir verborgen. Ich wandere Tag und Nacht, bei Regen und Sonne. Wo bist du? Wann bist du? Die Schmerzen werden langsam unerträglich über deinen Verlust. Verlust – bist du mein Verlust? Ich denke, dass du tot bist. Du bist gestorben, als ich dich verloren habe. Wieso sage ich so etwas? Habe ich dich begraben zusammen mit den Erinnerungen an dich? Aber ich will mich erinnern, doch sie liegen zu lange zurück um noch darüber zu sprechen oder zu schreiben. Der Mut verlässt mich. Ich kann nicht mehr weiter gehen. Die Schmerzen in den Beinen brennen.

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Endlich! Das Ziel ist nahe. Das Grenzland liegt vor mir. Nur noch ein paar Meilen zwischen mir und dir. Steh auf! Gib dich nicht dem Schwermut hin, Misstrauen wird dir nicht helfen. Vertraue auf deine Intuition. Ich mache mich bereit, packe meine Habseligkeiten für den letzten Marsch, um dich zu finden. Ich spüre etwas. Ein Gefühl der Wärme. Feuer. Die Hoffnung ist erneut entflammt, denn du bist in der Nähe. Wie lange habe ich nur nach dir gesucht? Viel mehr noch – was hat es mich an Kraft gekostet, dich zu finden? Doch ich weiß, du bist da. Am Leben. Für dich, für mich, für uns.

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Ich sehe dich. Jetzt. In diesem Augenblick. Ich werde dich retten. Werde DICH retten…

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Wilder´s Diaries

Ich reise niemals ohne mein Tagebuch. Man sollte immer etwas Aufregendes zu lesen bei sich haben.

– Oscar Wilde

Ich und mein Iphone – es ist manchmal mein Tagebuch, hält die Augenblicke für mich fest, wenn ich schon gar nicht mehr dran denke. Über die letzten Monate hat sich einiges an Material angehäuft und ich musste mal wieder meinen Feed entrümpeln und Platz schaffen für Neues. Es ist irgendwie merkwürdig welche Perspektiven mit dem IPhone entstehen, die ich mit meiner DSLR so gut wie nie nutze. Ich hab bei Instagram einen Account unter dem Namen wildersdiaries angelegt, der schon einiges an Schnappschüssen festhält. Aber hier kommen nun die schönsten Fotos zusammen, die ich über den Sommer/Herbst gemacht habe. Die Kategorie IPhonography wird somit in Wilder´s Diaries fallen, weil es besser zur Ästhetik des Blogs passt.

Die Stimmung der Fotos ist sehr düster, obwohl es an diesem Tag sehr heiß war. Der Juni war geprägt von dunklen Himmeln und dem Geruch von Weizen.

Ende Juli war es genauso heiß und die Lust am Fotografieren ist mit jeder Sekunde geschmolzen unter der unbarmherzigen Hand der Sonne.

Der erste Regen nach Monaten hing noch in der Luft an diesem frühen Morgen. Der August stimmte langsam auf den Herbst ein, denn überall gab es bereits herabfallende Blätter. Auch der lang Urlaub ging langsam zu Ende.

Staub, überall Staub. Die Felder waren bereits abgemäht in diesen ersten Septemberwochen und der Boden lächzte immer noch nach Feuchtigkeit. Alles was ich fand waren Dürre und Verwesung.

Wieder im Arbeitsalltag angekommen waren Ausflüge in den Wald leider Mangelware, doch ich nahm mir die Zeit und bin mit Z. in neue Gefilde aufgebrochen. Der Wald war still Ende September, gab mir aber neue Energie und Vorfreude auf den Herbst.

Und da ist er nun – der Oktober. Rote Himmel, fallende Blätter und ein pfeifender Wind. Die Sonne steht tief und zaubert einen goldenen Schimmer über alles was sich bewegt. Der Altweibersommer scheint dieses Jahr nicht zu Ende gehen zu wollen.

Was soll ich sagen? Der Herbst ist endlich da, auch wenn man noch keine Mütze braucht.

Ein kühler Morgen mitte Oktober. Die Kraniche ruhen auf den Feldern und der Dunst sammelt sich mit der aufgehenden Sonne auf dem See. Die Dörfer sind ruhig und ich bahne mir einen Weg raus aus der Zivilisation.

In der Stille des Waldes

Es ist zu laut. Alles ist zu laut. Strom, Maschinen, Menschen. Die Stadt ist gefüllt mit einer Geräuschkulisse, die alles übertönt. Das sanfte Wispern der Blätter im Wind ist nicht zu hören, die Vögel können nur in Scharen kundtun, dass auch sie Teil der Stadt sind. Schreiende Kinder, brummende Neonlichter, hupende Autos. Berliner Nummernschilder drängen sich auf den holprigen Kopfsteinpflasterstraßen, um schnell das Wochenenddomizil zu erreichen. Alle versuchen dem Stress der Großstadt zu entkommen und fliehen in die Wälder um die Stadt, in kleine Bungalows oder abgeschiedene Waldhütten. Langsam wird es auch hier zu voll, weil jeder die Ruhe und Gelassenheit spüren möchte. Alles ist zu laut. Ich muss hier raus.

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An einem grauen Märzmorgen ziehe ich in den Wald. Ich lebe im Nordosten von Brandenburg, dort wo die Wälder noch schnell zu erreichen sind. Es ist für mich der Ort an den ich fliehen kann, um dem Lärm der Stadt zu entkommen. Ich kann den Kopf frei bekommen und mich wieder konzentrieren. Die trockenen Blätter unter meinen Schuhen knistern und vereinen sich mit dem Klicken meiner Kamera zu einem neuen Rhythmus, den ich am besten beherrsche.

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Unter den Kronen der Bäume suche ich nach Spechten, Eichelhähern und anderen Bewohnern. Ich schiebe das alte Laub beiseite und versuche die ersten Boten des Frühlings zu finden. Und dann kommt der Schnee. Der See ist noch gefroren und lässt alles starr wirken, dennoch tanzen die Schneeflocken noch ein letztes Mal vom Himmel und hüllen mich in eine weiße Schicht. Ich genieße den Moment – allein und in absoluter Stille. Kein Mensch weit und breit sieht mich, wie ich im Schnee tanze. Ich bin nass bis auf die Knochen und friere.

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DIY in der Walachei

Wieviele Bands träumen davon auf einer großen Bühne zu stehen oder einen Plattenvertrag zu unterschreiben? Die meisten wahrscheinlich, aber dieser Traum wird sich niemals erfüllen, denn wir leben ihn doch bereits.

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Freiheit – das ist das wichtigste im Leben eines Musikers. Wer möchte schon in seinem künstlicherischen Dasein eingeschränkt und in eine Schublade gepresst werden, nur um dem Mainstream zu gefallen? Niemand! Alles worauf es ankommt, ist man selbst zu sein. Keine Klischees, die man erfüllen muss, nur um in ein bestimmtes Genre zu passen.

Als Konzertveranstalter ist man genauso auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen wie die Band nach dem Event. Und es ist wahr, dass auch die Konzertgänger keine Lust mehr auf Mainstream haben, sondern wieder die kuschlige Atmosphäre eines Undergroundkonzertes suchen. Wir bewegen uns seit Jahren im Underground und freuen uns, wenn die Leute aus Neugier zu Konzerten kommen, weil sie in den großen Arenen abkotzen und ihre Lieblingsbands nur als Mini-Mes sehen können.  Bei uns gibt es Vollkontakt-Konzerte. Bands kommen von überall, um dieses familiäre Gefühl zu spüren, nette Gespräche zu führen und einen sehr privaten Moment mitten in der Öffentlichkeit zu genießen. Es gibt nirgendwo so viel Ehrlichkeit von den Besuchern als auf solchen DIY-Veranstaltungen. Es werden Kontakte über ganz Deutschland geknüpft, gepflegt und ein Gig im Austausch für einen Gig, ist die beste Wertschätzung, die man als Musiker erhalten kann.

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Nach all den Jahren harter Arbeit im Proberaum, Überlegungen über die neueste technische Anschaffung und diversen künstlerischen Krisen, fragt man sich immer wieder wofür man das alles eigentlich macht? Macht es für euch, dann kommt der Buschfunk und ihr macht es für euch und für andere, weil sie das, was ihr macht, toll finden. Irgendwann entstehen Connections und es werden Ideen geboren, die zusammen etwas wunderbares erschaffen können. Musiker mögen vielleicht arme Schweine sein, aber sie sind glückliche Schweine. Frei in einer Welt, die keiner besser versteht als sie selbst. Trve ist, wer zu dem steht was er tut und andere dazu anregt es genau auf diese Weise zu machen – nämlich auf die eigene!!!

Also Regel Nummer 1: Nicht nur quatschen, sondern machen. Wir leben in einer Welt voller Analytiker, wir brauchen mehr Macher. Macher, die Bock auf DIY haben und Kultur schaffen, wo keine ist. Und wer sind wir, wenn wir nicht das tun, was uns glücklich macht?

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Die Band auf den Fotos ist Fenfire aus Darmstadt. Hört mal rein, Dornen und Sand ist echt ein Sahnestück.

Fenfire auf Bandcamp