Fare thee well

If I had wings like Noah’s dove
I’d fly the river to the one I love
Fare thee well, my honey, fare thee well

Well, I had a man, who was long and tall
He moved his body like a cannon ball
Fare thee well, my honey, fare thee well

I remember one evening in the pouring rain
And in my heart was an achin‘ pain
Fare thee well, my honey, fare thee well

Muddy river was muddy and wild
Can’t give a bloody for my unborn child
Fare thee well, my honey, fare thee well

So show us a bird flying high above
Life ain’t worth living without the one you love
Fare thee well, my honey, fare thee well
Fare thee well, my honey, fare thee well

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Higgs Boson Blues

Es war einer dieser heißen Sonntage. Eigentlich ist man zu träge etwas zu tun, liegt in der überhitzten Wohnung und starrt an die Decke. Typisch Sonntag eben. Aus dem Radio schwappt Nick Cave mit Miley Cyrus in einem Swimming Pool in Toluca Lake und fährt runter nach Geneva. Der Higgs Boson Blues bleibt im Ohr. Aber es gibt eben auch andere Sonntage, an denen man sich nicht vorstellen kann, was noch passieren könnte.

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Also raus in die Natur, Agathe geschnappt und mit quietschendem Sattel die Asphaltstraße lang mit der Mutter, die extra Apple-Crumble backt und dir den Tag versüßt. Der Wind in den Haaren, die Sonne im Genick. Der Mais wächst zu Rechten und der Weizen zur Linken. Irgendwo über den Feldern schwebt ein Greifvogel und vollführt seine Flugakrobatik, ein Storch im hohen Gras sucht nach Beute und die Krähen krächzen hinter dem Traktor, der die Wiese abmäht.

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Ein Blick über die Bundesstraße und weiter in den Wald zur alten Kirche, ein verschlafenes Dorf reiht sich an das nächste. Irgendwo im Wald befindet sich ein See. Einfach den Einheimischen folgen. Es wird bergig – in Brandenburg. Eine kleine klare Pfütze umringt von Bäumen und Hochspannungsleitungen. Leider zu warm, um Abkühlung zu verschaffen, zu viele Menschen. Der Crumble hat wieder Backofentemperatur angenommen, allein durch die Sonne. Die recycelte Tasche aus PET-Flaschen scheint beinahe flüssig zu werden.

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Den Kuchen verschlungen, die Straße ins nächste Dorf juckeln. Der ungeträumte Traum eines Hauses. Eine Ebene, oder lieber Dachschrägen? Erbe müsste man sein. Zurück auf der Teerstraße Richtung Zivilisation. Autos und Menschen werden mehr. Ein kurzes Innehalten – ein toter Eichelhäher mitten auf der Straße. Wie viele Leute sind ungeachtet an ihm vorbei gefahren? Niemand erbarmt sich den Vogel an den Wegesrand zu legen. Ruhe nun, im Schatten eines Rosenstrauches.

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Die Sonne brennt unbarmherzig auf die Felder im Nordosten. Die Plattenstraße zwischen den Feldern glüht, die Feldlerchen lassen ihren perlenden Gesang erklingen. Weites Land umringt von Bäumen. In der Ferne der Kirchturm und das alte Gymnasium. Der Mohn verblüht, die Kornblumen verblasst, die Ähren hängen schwer – bitten um Erlösung oder einem lauen Sommerregen. Die Straße endet und somit dieser Sonntag.

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Restitution

Die ehrlichste Wiedergutmachung ist eine Gesinnungsänderung.

-Fritz P. Rinnhofer

Es war wohl eine ganze Weile still hier – so still wie der Kiefernwald an diesem Morgen. Ich hab in den letzten Monaten nicht ein mal bei WordPress reingesehen, weil ich es schlicht weg verdrängt habe oder keinen Grund dazu hatte dort etwas nachzusehen. Ich wusste nicht, was ich schreiben sollte. Ich habe meine Kamera ewig nicht mehr in der Hand gehabt, meine Entdeckertouren in der Natur vernachlässigt und mich in andere Projekte geflüchtet. Ich hatte wenig Lust mich mit anderen Individuen abzugeben oder ihnen etwas beweisen zu müssen.

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Tja, nun kam wieder der plötzliche Sinneswandel und ich freue mich, wenn ich hinaus in die Wälder fahren kann, nichts mehr ansteht und ich alles hinter mir lassen kann. Ich war/bin ziemlich beschäftigt mit meinem Nebenprojekt, einem Etsyshop und so diversen anderen Dingen, die mir immer das Gefühl vermittelt haben, ich hatte keine Zeit mehr für irgendetwas anderes. Ich denke, dass Problem liegt wohl eher darin, dass ich schlichtweg zu viele Hobbies habe und sie alle mit der gleichen Hingabe erfüllen möchte. Leider artet das nur in Stress aus und dann wird gar nichts gut von dem was man sich vorgenommen hat.

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Fotografie, Design, Musik, Bloggen – Kunst in der allgemeinen Form ist für mich das Ausdrucksmittel meiner Gefühle. Und da ich ein ziemlich gefühlsgeladener Mensch bin, brauche ich bestimmt auch so viele Ventile, aber ich kann nicht aus allen Ventilen gleich viel Druck ablassen. Fotografie war in der letzten Zeit gleich null  – zwar habe ich stupide meine Flatlays für den Shop gemacht, aber das musste auch nur gut aussehen und keine Stimmung vermitteln. Und mich selbst zu fotografieren war mir irgendwie auch zu blöd, weil ich mit allem unzufrieden war. Keine Ideen oder neuen Impulse. Da blieb mir nichts anderes übrig als ehrlich zu mir selbst zu sein und festzustellen, dass ich wohl irgendeine Phase überwunden habe. Die Zeit für einen neuen Blickwinkel scheint gekommen.

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Und jetzt setze ich mich in den Ausguck und halte Ausschau nach neuen Abenteuern.

Peace out!

 

 

Touch

Love hunt me down
I can’t stand to be so dead behind the eyes
And feed me, spark me up
A creature in my blood stream chews me up

So I can feel something
So I can feel something

Give me touch
‚Cause I’ve been missing it
I’m dreaming of
Strangers
Kissing me in the night
Just so I
Just so I

Can feel something
Can feel something
Can feel something
Can feel something

You steal me away
With your eyes and with your mouth
And just take me back to a room in your house
And stare at me with the lights off

To feel something
To feel something
To feel something
To feel something

In the night
In the night
In the night
When we touch
In the night
‚Cause I’ve been lusting it

 

Touch by Daughter

La Bohème

Nach zwei Monaten ohne Bloggen hab ich mich ja bereits im letzten Beitrag gefragt, wie lange ich das hier noch machen möchte. Jemand hat geschrieben, dass ich solange weiter machen soll, wie es Spaß macht und ich muss sagen, dass es mir immer Spaß gemacht hat. Raus zu gehen in die Natur, Musik im Ohr und die Kamera in der Hand. Sich Gedanken machen, was mich bewegt, Ideen auszuprobieren – Kunst zu machen. So hat es auch nach diesem Dilemma nicht lange gedauert, dass ich wieder losgezogen bin und dem nachgegangen bin, was ich sonst so tue. Und ich muss sagen – es war befreiend. Genauso wie es jetzt gerade befreiend ist in die Tasten zu hauen und mir genau das von der Seele zu schreiben.

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Ich habe Identitätskrisen – mehrmals im Jahr. Ich lösche alles was es über mich im Internet zu finden gibt, verbanne meine digitale Scheinidentität, um dann nach zwei Wochen mit einem neuen Pseudonym aus dem Sumpf der Contentcreater zu kriechen und die selbe Masche zu fahren wie bisher – meist mit dem gleichen Erfolg oder noch weniger.  Das Leben als Künstler ist schwer – ob als Fotograf, Autor, Musiker oder sonst was. Du reißt dir den Arsch auf für nichts und wieder nichts. Wie lange dauert es Content zu kreieren? Wieviele Stunden hat man an den Arrangements gesessen? Wie viele Gedanken sind wieder gecancelt worden? Wer soll erreicht werden? Was willst du aussagen?

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Tausend Fragen und das Endergebnis? Für die Katz. Es ist wirklich erschreckend, wie wenig die Arbeit eines Künstlers gewertschätzt wird. Wenn nicht innerhalb der ersten Stunde genug Leute deine Kunst gesehen haben, verschwindet sie schneller in der Versenkung als du gucken kannst. Die Plattformen verschlucken dich einfach und spülen dich den Abfluss runter zu den ganzen anderen Individualisten, die da unten schwimmen, weil sie kein Geld für die VIP-Lounge ausgeben wollten oder die Sponsoren nicht da sind. Dann lieber im kleinsten Kreis präsentieren, um die Leute anzulocken, die sich wirklich für Kunst interessieren. Aber in was für einer Welt leben wir, in der man für seine eigene Kreativität bezahlen muss, um sie an den Mann zu bringen? Muss neuerdings alles exklusiv sein um interessant zu sein? Unvorstellbar – aber wahr.

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Menschen passen sich an und wenn sie nicht nach irgendetwas streben, dann sind sie nicht glücklich. Nur, dass das Glück heute nicht mehr darin besteht selbstständig zu sein, sich sein Essen selber zu kochen oder einfach das zu tun was man soll, sondern aus Followern, neusten Trends und der meisten Reichweite. Man wird quasi dazu gezwungen ständig seine Arbeit schlecht zu reden, weil jemand anders es besser gemacht hat und mehr Leute erreicht hat. Soll man die Kunst an den Nagel hängen? Das nagt am Selbstwertgefühl und das widerum führt dazu, dass man zu irgendwelchen Influencern aufblickt, die Dinge kauft, die genannte präsentieren und es ihnen gleich tun will. Doch der Traum platzt so schnell wie eine Seifenblase und man landet direkt wieder auf dem Boden der Tatsachen neben den Rechnungen, die sich nicht durch Advertisement und Affiliatelinks bezahlen lassen.

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Ich bin wieder vom Thema abgekommen, hab ich überhaupt ein Thema? Keine Ahnung. Naja, jedenfalls denke ich, dass das hier mit dem Blog unter dem Pseudonym Wanheda Wild unter Umständen weitergeht. Erstmal als Fotogalerie, weil ich keine andere Plattform kenne, auf der ich meine Arbeiten sonst hochladen könnte. Ich werde auch meine Seele nicht auf der nächst besten Kreuzung an einen Dämon verkaufen, nur weil ich irgendetwas sein könnte, was ich nicht will. Ich selbst bin die beste Form mich so auszudrücken wie ich bin, genau auf diese Weise wie ich es bisher getan habe. Ich wüsste nicht, wie ich mich neu erfinden sollte, um mein altes Ich am Strassenrand liegen zu lassen und in den nächsten Hippiebus gen Nirwana zu springen, der mir das Blaue vom Himmel verspricht und ich mich besser fühlen würde denn je. Deshalb werde ich weiter der „brotlosen Kunst“ – wie Z. immer so schön sagt – fröhnen und mich freuen, wenn jemand sagt, dass ihm das gefällt, was ich tue.

Von daher „viva la vie bohème!“.

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Mindesthaltbarkeitsdatum

Hat ein Blog ein Mindesthaltbarkeitsdatum? Ist ein Blog nur solange gut wie man ihn regelmäßig mit Content füllt? Wann hört ein Blog auf gut zu sein? Wie bewahre ich meinen Blog vor dem Klick auf die Löschen-Taste?

Mittlerweile ist schon wieder einige Zeit ins Land gezogen und der Blog auf dieser Plattform stinkt bereits seit Monaten wie ein alter gammliger Müllsack, der in einer Ecke hinter der Tür stehen gelassen wurde. Im März läuft mein Abo bei WordPress ab und bis jetzt habe ich mich noch nicht entschieden, ob ich hier weitermachen will oder nicht. Ich hab immer das Gefühl, dass ich mir hier etwas aufbauen könnte, aber anders herum frage ich mich auch immer wieder – wozu? Um zu einem Tagebuch zu werden fehlt mir die Lust, um irgendeinen hippen Lifestyle zu präsentieren bin ich zu geizig und um meiner Selbstdarstellung zu frönen zu bescheiden. Die Frage ist also: was soll ich jetzt machen? Die Kurve kratzen, so weitermachen wie bisher, andere Leute hier ranlassen oder etwas komplett anderes machen?

Fotografieren ist nach wie vor meine größte Leidenschaft, Schreiben ist es mal so mal so. Im Moment bin ich eine Couchpotato, zieh mir alle Staffeln von Supernatural zum zweiten Mal hintereinander rein und schlage irgendwie die Zeit tot, wenn nicht die Bandprobe ruft. Ja, ich spiele Bass und zwar in zwei Black Metal Projekten, nur mal so am Rande. Zwischenzeitlich muss ich natürlich arbeiten, aber bei meinem Job hab ich regelmäßig viel Freizeit, die sinnvoll genutzt werden will – wie Dreadlocks an anderen verrückten Leuten erstellen. Tja, ziemlich langweilig, was? Was könnte ich also mit diesem Blog anfangen? Präsidentin meiner eigenen Bananenrepublik werden? Hier geht es sowieso nach meinen Regeln und ich kann tun und lassen was ich will.

Ich denke – kommt Zeit, kommt Bart. Wer weiß, wenn die tristen Monate der Depression erst wieder vorbei sind, dann kann ich mich wahrscheinlich wieder nicht halten vor Ideen. Vielleicht trifft mich auch nächste Woche der Blitz und alles, was hier so steht liest dann eh kein Schwein mehr. Bis März ist ja noch etwas Zeit. Ich werde noch etwas überlegen und reflektieren und dann eine Entscheidung treffen.

Die Dinge, die man für ganz sicher hält, sind niemals wahr.

– Oscar Wilde

 

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We’ve lost focus

Der November ist grau, die Straßen nass und die Bäume kahl. Der goldene Herbst hat sich verabschiedet und die dunkle Jahreszeit überschattet die Gemüter der Menschen. Die hetzen gestresst von Ort zu Ort, dabei ist noch nicht mal Weihnachten. Sie sind dick eingepackt, können sich kaum bewegen und blicken griesgrämig in alle Richtungen. Wieviel Empathie kann man da selbst noch rüberbringen, wenn man diesen Leuten jeden Tag begegnet? Keine – so ist es leider.

Deswegen zieht es mich immer zu Orten, an denen keine Menschen sind. Die tiefsten Wälder geben mir Zufriedenheit und zeigen mir wie klein ich eigentlich bin. An anderen Tagen reißen mich kolossale Bauten, die Menschen einst hinterließen, magisch an und ich genieße die Einsamkeit und tauche ein in ein Stück Geschichte. Leere Häuser, die darauf warten betreten zu werden. Ich fahre also ein paar Kilometer raus aus meiner Heimatstadt und halte an einer Plattenstrasse, die ins Nirgendwo führt. Was ich dort will? Man muss schon genauer hinsehen, um es herauszufinden.

Eine alte Russengarnison aus dem kalten Krieg steht versteckt zwischen Kiefern und hohen Mauern. Die Natur hat sich dieses Gebiet wieder erobert, nachdem es so rücksichtslos verlassen wurde. Niemand interessiert sich mehr für solche verlassenen Orte, sie verschwinden hinter hohen Zäunen oder Bäumen. Ein großer Teil unserer Vergangenheit ist an diesen Ort gekoppelt, von hier aus wurde das Weltgeschehen mächtig beeinflusst und das geriet leider in Vergessenheit. Die Mauern wurden eingerissen, aber auch das Wissen ging verloren. 

Dabei müssen wir lernen uns wieder zu fokussieren. Nicht nur auf die Dinge, die vor uns liegen, sondern auch auf die Dinge, die hinter uns liegen. Geschichte begleitet uns von gestern bis morgen. Stay feral.

Für Sascha, der immer wieder davon träumt.

Aufgenommen wurden die Fotos mit der Fuji X-T100 und dem 7artisans 25mm f1.8

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Palast der Erinnerung

Erinnerungen – sie begleiten jeden Menschen tagtäglich. Die meisten erinnern sich an die guten Dinge und verdrängen die schlimmen Ereignisse. Assoziationen sind an Erinnerungen gekoppelt – zu jeder Zeit abrufbar. Mein Gedächtnispalast – ein Palast aus Erinnerungen wächst mit jedem Augenblick empor, den ich erlebe. Ein Spiel aus Licht und Schatten, einsame Korridore und dunkle Ecken. Ein Ort, den nur ich betreten kann.

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Vor langer Zeit habe ich damit begonnen meine Erinnerungen kategorisch abzuspeichern. Es klingt maschinell, wie ein System, das immer wieder aktualisiert werden muss, um auf dem neusten Stand zu sein. Selektiert, kategorisiert und abgelegt in alten Schachteln und Schränken, die auf dem Speicher verstauben oder von Motten zerfressen werden, denn es lebt niemand mehr, der sich daran erinnert. Eine leere Bibliothek aus verflossenen Sehnsüchten und Träumen.

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Doch irgendwo in den dunkelsten Ecken meines Geistes liegen verblasste Erinnerungen, die wie Tiere angekettet sind. Sie können nicht entkommen aus ihrem Verließ. Manchmal habe ich Angst diese Räume zu betreten. Sie sind doppelt gesichert, der Schlüssel an einem geheimen Ort versteckt. Ich höre ihre Schreie, wie sie in den Korridoren widerhallen und wie sie in der Ferne an den Wänden kratzen und versuchen zu mir durchzudringen.

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Die Mauern sind dick, aus Zement, doch das Fundament wurde auf Sand gebaut. Schritt für Schritt werde ich angezogen, ich höre das Flüstern in meinem Kopf. Es lockt mich an, ich habe schon den Schlüssel in der Hand. Ich entziehe mich dem Verlangen nach roher Erinnerung. Das erste Schloss hat sich gelöst. Stimmen und Bilder prasseln auf mich ein, Worte, die lange nicht mehr ausgesprochen wurden. Ich muss es einfach sehen. Ich muss mich sehen. Damals.

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Den Namen – ich soll den Namen aussprechen. Er ist das Passwort und es kommt mir so leicht von den Lippen, dass ich fast den Verstand verliere. Das zweite Schloss öffnet sich. Staub kommt durch die Tür, schwere Schritte und ein leises Stöhnen sind zu vernehmen. Das letzte Hindernis sind die Eisenketten, am Boden festgeschmiedet sind sie unüberwindbar, aber mit jeder Sekunde, die ich hier unten bin, wird die schemenhafte Gestalt stärker. Sie nährt sich von mir und ich kann mich dem nicht widersetzen. Das Biest ist entfesselt – das Grauen beginnt von vorn.

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Es verbreitet Chaos und Schrecken. Das Verließ ist jetzt kein Hindernis mehr. Es nährt sich von schlechten Erinnerungen und bahnt sich seinen Weg in die Eingangshalle meines Gedächtnispalastes. Langsam, aber sicher bröckelt er in sich zusammen und das, was sich dort jahrelang versteckt hat, tritt ins Licht. Es wartet auf seine Vorstellung, hinter dem Vorhang und vorn das gespannte Publikum.

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Was wird dieses Mal passieren? Mehr Schmerz, mehr Angst, mehr Wahnsinn? Ich weiß es nicht. Negative Energien scheinen mein Handeln zu steuern und ich verliere die Kontrolle, gebe mich meinen Reminiszenzen hin und schwelge darin. Alles regnet auf mich nieder. Alles, was es zu verdrängen gibt. Bin ich nun der Verräter oder der Verratene? Es wird ein Akt aus meinem Leben gespielt mit mir in der Hauptrolle. Ich bin Protagonist, mein verdrängtes Ich der Antagonist.

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H: Den Ort seiner Kindheit zu sehen bringt keine Heilung, doch es hilft zu ermessen, ob man gebrochen ist. Wie und warum. Sofern man es wissen will.

W: Ich will es wissen. Hat hier die Konstruktion begonnen?

H: Meines Palastes der Erinnerung? Seine Tore im Zentrum meines Geistes und da sind Sie und tasten nach der Klinke.

W: Die Räume in Ihrem Geist, die Ihren frühsten Jahren geweiht sind. Sind sie anders als die anderen? Sind sie anders als dieser Raum?

H: Dieser Raum enthält Klang und Bewegung, riesige Schlangen, die sich in der Dunkelheit wälzen. Andere Räume sind statische Szenen, Bruchstückhaft, wie bemalte Glassplitter.

W: Jedes Ding an Erinnerung gekoppelt und jede führt zu weiteren Erinnerungen. Räume, die sie zu betreten Sie sich nicht überwinden können. Nichts, das daraus entkommt, kann Ihnen Trost spenden.

H: Manche der Räume sind von Schreien erfüllt, doch sie hallen nicht in den Fluren wieder, denn ich höre Musik.

Bright Lies

The same hoping
We’re hoping for a dark cold winter sun
My body is bitter cold
My mind is overthrown

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Since the world is full of roles that we play
And as long as we do there’s no time to regret
All the ways how you and I had come together

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Bright lies shine on
Illusions past ages ago
From a distance
See my self existing
Pretend to feel your undertow

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You see bright lies, they shine on
Illusions past ages ago
From a distance
See my self existing
Pretend to feel your undertow

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Ophelia, I leave my broken bones in the desert
Ophelia, I leave my broken bones in the desert

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Song „Bright Lies“ by Giant Rooks

 

Tosende Kiefern und alte Filmrollen

Mein liebster Wald, eine Sturmlampe und ein tosender Wind in den Kiefern. Zu der Geschichte hinter den Fotos will ich gar nicht viel erzählen. Vor ein paar Tagen hatte ich mir eine Sturmlampe besorgt, um einige Ideen damit auszuprobieren. Wie gewohnt bin ich bepackt wie ein Esel los gefahren in meinen Lieblingswald ein Dorf weiter und hab mich von den Gegebenheiten überraschen lassen. In letzter Zeit wollte ich wieder mehr analog fotografieren und habe auch des öfteren bewusst nur meine Pentacon in der Tasche mitgenommen. Leider waren die letzten Umsetzungen damit nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Ich war im Stress und irgendwie auch davon überzeugt ein gutes Foto zu schießen. Von 12 kostbaren Abzügen und zwei Wochen des Wartens auf den entwickelten Film, kam dann nur ein gutes Foto heraus. Ich war etwas sauer auf mich selbst, weil ich einfach meine Filmrollen so verschleudert habe – für nichts.

Es war nur wieder einmal die Erfahrung mit mehr Gewissenhaftigkeit an die Dinge zu gehen und nicht einfach drauf loszuschießen wie mit einer DSLR. Wie dem auch sei bin ich dieses Mal wirklich gezielt vorgegangen, habe mich mit Perspektiven auseinandergesetzt und überlegt, was ich ablichten möchte, weil es nur 12 Fotos sind, die mir zur Verfügung stehen und es meine letzte Rolle 120mm-Film war. Diese 120mm Filmrollen kosten schon ein kleines Vermögen. Wenn man Glück hat, bekommt man gute Filmrollen zu einem moderaten Preis. Die Filme von Lomography sind meist in einer limitierten Auflage zu erhalten, daher immer schnell ausverkauft. Ich habe den Earl Grey B&W 100 ausprobiert, der im 3er-Pack erhältlich war und bin damit ganz zufrieden. Aber am liebsten lege ich Kodak Portra ein, weil die Farben wirklich der Hammer sind.

Bewusst schwarz-weiß zu fotografieren finde ich schwierig. Z. meinte, dass solche Kontraste besser wirken, wenn es draußen stürmisch und ungemütlich ist und er hatte Recht damit. An diesem Tag im Oktober war es verregnet, der Wind pfiff in jede Ritze und der Himmel war bedeckt mit einer grauen Decke aus Wolken. Der Wald knackte überall und die Baumkronen bogen sich unter dem tosenden Wind. Meine Haare hingen ständig im Gesicht, der Regen peitschte aus Nordosten über die Felder. Diese Sturmlampe anzuzünden war dann auch noch die nächste Geduldsprobe – 10 Streichhölzer für den ersten Versuch, die Flamme in Gang zu bringen. Zippo? Fehl am Platz.

Ich sammelte meine Gedanken und konzentrierte mich nun auf die Pentacon, alles andere blendete ich aus. 12 Auslösungen – hauptsächlich Naturaufnahmen und zwei Aufnahmen mit dem lustigen Selbstauslöser, der immer noch funktioniert. Offenen Blende 2.8, Belichtungszeit 250, ISO 100 – das wars. Ich hatte keine Ahnung, wie die letztendlichen Ergebnisse aussehen würden. Somit versenkte ich den Film beim Filmentwickler meines Vertrauens und wartete – zwei Wochen natürlich. Hier nun die Ergebnisse.

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